Meine Gesamtreflexion

Das Praktikum

Das Praktikum über das erste und zweite Semester gefiel mir sehr gut. Allgemein sagte es mir sehr zu, gleich zum Beginn des Studiums direkt in die Schule zu gehen und sie aus Sicht eines Lehrers zu betrachten. So hatte ich die Möglichkeit gleich zu spüren und zu erfahren, was alles hinter dem Lehrerbruf steckt und ob es mein wirklicher Berufswunsch ist.

Aus meiner vorausgehenden Ausbildung waren mir nur Praktika bekannt, die in einem festgelegten Zeitraum am Stück stattfanden. Für mich war es daher wirklich interessant die Schule und die Klasse über ein Jahr zu verfolgen. Mein größeres Interesse lag dabei auf den Lehrern. Man konnte sehr gut beobachten und spüren, wie sich die Anspannung verfestigte oder abflachte, je nach Ferienbeginn oder vor den Zugnissen. Dadurch hatte man auch den Einblick in die organisatorischen Hintergründe von Schulfesten oder Bastelnachtmittagen, die von den Lehrerinnen und Lehrern genau geplant und vorbereitet werden mussten. Dadurch, dass man einen sehr langen Zeitraum an einer Schule hospitierte, hatte ich die Möglichkeit bei mehreren Lehrerinnen im Unterricht zuzusehen. Das ermöglichte mir die Erfahrung, dass unterschiedliche Lehrer eine unterschiedliche Wirkung auf die Schüler haben. Und auch aus der Sicht der Schüler war dies sehr prägend, da einige Schüler sich bei zwei verschiedenen Lehrern völlig unterschiedlich Verhalten haben.

Im Laufe der beiden Semester fiel mir auf, dass die Schülerinnen und Schüler im ersten Semester nicht so einen starken Bezug zu mir hatten, wie im zweiten Semester. Ich denke, dass ist nicht zurück zu führen auf die Zeitspanne, sondern darauf, dass man selbst unterrichtet hat. Kurz nach meiner ersten Unterrichtsstunde kamen die Kinder auf mich zu und suchten das Gespräch und den Kontakt zu mir.

Das zweite Semester war insofern Interessant, dass man zum ersten Mal eine Unterrichtsstunde präzise vorausgeplant und auch durchgeführt hat. Die Durchführung einer Unterrichtsstunde, bereits im zweiten Semester, empfinde ich als sehr Sinnvoll, da man dort bereits eine Rückmeldung darüber bekommt, wie man auf die Schüler wirkt, ob man einen guten Umgang mit den Schülerinnen und Schüler hat und ob man überhaupt geeignet ist den Lehrerberuf auszuführen.

Entscheidend für den Verlauf des Praktikums ist meiner Ansicht nach auch die Betreuung durch die Mentorin. Ich wurde durch meine Mentorin sehr gut betreut, da sie mir die Möglichkeit gab sie auch im privaten Bereich zu kontaktieren und sie um Hilfe bei den Unterrichtsvorbereitungen zu bitten. Ich bekam sowohl nach dem ersten Semester als auch nach den gehaltenen Unterrichtsstunden ein sehr hilfreiches Feedback von meiner Mentorin, welches sich nicht nur auf den gehaltenen Unterricht mit deren Inhalten und Aufbau konzentrierte, sondern auch auf meine sozialen und zwischenmenschlichen Kompetenzen, welche im Lehrerberuf meiner Ansicht nach von großer Bedeutung sind. Durch meine Mentorin hatte ich die Möglichkeit über meine Einschätzungen der Schüler und Schülerinnen zu sprechen und aus ihren Erfahrungen aus ihrem Studium und ihren beruflichen Anfängen viel zu lernen.

Sehr interessant war für mich auch, dass ich das Klasse 2000 Projekt in mehreren Einheiten durchführen durfte. Bereits in meiner Ausbildung habe ich viel davon gehört und hatte nun selbst die Möglichkeit Themen die auf Suchtprävention und die Gesundheitsförderung abzielen zu vermitteln. Schwierig an dem Projekt war jedoch, dass viele Unterrichtsbausteine vorgegeben waren und ich sehr genau überprüfen musste ob die Einheiten durchführbar oder dem Alter und vor allem dem Stundenpensum angemessen waren.

Der wohl entscheidendste Punkt ist für mich, dass mich das Praktikum in meiner Studienwahl bestätigt hat. Da ich als Erstfach Ernährung und Gesundheit und als Zweitfach Biologie gewählt habe, kann ich nur den Master für Gemeinschaftsschullehramt studieren, welches auch meine Absicht war. Durch das online Auswahlverfahren hatte ich jedoch nur die Möglichkeit an einer Grundschule das Praktikum zu absolvieren. Anfangs habe ich dies sehr kritisch betrachtet, da ich anfänglich nicht den Sinn dahinter erkannte an einer Schule zu hospitieren, auf der ich später nicht unterrichten kann. Doch rückblickend hat mir das Praktikum bestätigt, dass ich Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse unterrichten möchte. Der Unterricht in der Primarstufe unterscheidet sich von dem der Sekundarstufe I dahingehend, dass dort ein großer Schwerpunkt auf der Erziehung liegt. Die Schülerinnen und Schüler müssen erst herangeführt werden an das Konstrukt Schule, wobei oft das Fachliche weniger im Vordergrund steht. Da ich später im Naturwissenschaftlichen Bereich unterrichte, möchte ich für die Schülerinnen und Schüler vor allem schwierige Sachverhalte leicht verständlich machen.

Das Begleitseminar

Im ersten Semester fühlte ich mich durch das Begleitseminar sehr gut betreut. Im Plenum bot sich uns oft die Möglichkeit Probleme, Auffälligkeiten oder Vorkommnisse zu besprechen und auch professionelle Hilfe zu erhalten. Dadurch bot sich auch die Möglichkeit sich mit den Kommilitonen auszutauschen und sich gegenseitig zu beraten. Die Inhalte des Seminares waren sinnvoll gestaltet und der Bezug zum Praktikum wurde hergestellt.

Hier wurde uns auch eine große Auswahl an Methoden geboten, die wir direkt im Praktikum anwenden konnten, wie zum Beispiel Feed-Back Methoden.

Im zweiten Semester empfand ich eine zu starke Fokussierung auf die wissenschaftlichen Hintergründe des Lehrerberufes, sprich Modelle und Theorien. Diese sind unbestreitbar eine Grundlage für einen guten Lehrer, aber doch auch eher Teil der Vorlesungen und Seminare des Faches Pädagogik. Hingegen zum ersten Semester empfand ich das zweite Semester als sehr theoretisch und nicht so angepasst an meine Bedürfnisse, bezügliche der Unterrichtsvorbereitung. Es wurden einerseits sehr hilfreiche und den Unterricht unmittelbar betreffende Themen behandelt, aber die Unterstützung bei der Ausarbeitung einer Unterrichtsvorbereitung und die etwaigen Schwierigkeiten wurden erst sehr spät behandelt, wo ich bereits eine Unterrichtsstunde gehalten hatte. Zum Beispiel erfolgte das Arbeiten mit dem Lehrplan erst sehr spät. Ich hätte es für gut empfunden, wenn der Unterricht meiner Kommilitonen im Plenum analysiert worden wäre. So hätte sich für mich die Möglichkeit geboten noch mehr über die Planung und die Durchführung von Unterricht zu lernen, und wo die Schwierigkeit liegt beides zu vereinen.

 

Das Portfolio

Das Lerntagebuch des ersten Semesters empfand ich als sehr sinnvoll. Zum einen wurde man dadurch animiert sich regelmäßig genauer mit dem Praktikum zu beschäftigen und zum anderen wurde die Fähigkeit zu Selbstreflexion gefördert. Die Kompetenz der Selbstreflexion ist meine Ansicht entscheidend für die Qualität eines Lehrers. Durch das Aufschreiben und Rekapitulieren des Erlebten wurde das Empfinden und Agieren im Rahmen des Unterrichts sensibilisiert.

Auch die Schüler-Einzelbeobachtung empfand ich als sinnvollen Bestandteil des Praktikums, da durch die gezielte Beobachtung musste man den Prozess der Beobachtung strukturieren, Ziele festmachen und unwichtige Informationen filtern. Alle diese Prozesse muss man später im Lehrerberuf automatisieret durchführen können, um einen Schüler oder eine Schülerin auch objektiv bewerten zu können. Die Schwierigkeit zwischen subjektiver Bewertung und objektiver Beobachtung stand hier klar im Vordergrund und konnte durch eine Einzelbeobachtung sehr gut geübt und erprobt werden.

Auch das Stundenprotokoll zeigte auf, wie komplex das Unterrichtsgeschehen ist und aus wie vielen Perspektiven man Unterricht betrachten kann.

Die Unterrichtsplanung des zweiten Semesters empfand ich als anspruchsvoller als das Portfolio des ersten Semesters. Der Unterschied zwischen Methodik und Didaktik war anfänglich eine Hürde, doch durch das Befassen und das Vorausplanen einer Unterrichtsstunde entwickelte sich schnell ein Verständnis für die Abgrenzung beider Bereiche. Zu dem zeigt die Unterrichtsvorbereitung auf, dass Unterricht genau geplant und systematisch Strukturiert werden muss, damit ich auch das gewünschte Ziel bei den Schülerinnen und Schülern erreiche. Und selbst bei sehr gute und genauer Planung kann es vorkommen, dass die Stunde nicht nach dem Plan abläuft, den man sich vorgenommen hat.

Mein Gesamteindruck

Abschließend kann ich sagen, dass die Kombination aus dem Praktikum, dem begleitenden Seminar und der dazu geforderten schriftlichen Leistung eine für mein Studium hilfreiche Grundorientierung geliefert hat. Ich kann deutlich genauer einschätzen, was mich in meinem späteren Berufsleben als Lehrer erwartet und was meine wirklichen Intentionen sind diesen Beruf anzustreben.

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