Big Data, die über uns gespeicherte Datenmenge im Internet, „ist das Ergebnis der digitalen Vermessung von allem und jedem auf der Welt“. Unsere Daten werden durch neue Techniken erfasst, verteilt, gespeichert, durchsucht, analysiert und visualisiert. Diese dabei entstehenden Datenberge gehen in die Terabytes, Petabytes und Exabytes. Berechnungen ergaben, dass sich die Datenmenge alle zwei Jahre verdoppelt. Gewollt oder nicht gewollt, kaum einer kann die Speicherung persönlicher Daten verhindern. In vielen Fällen ahnen wir nicht einmal, was über unsere Person irgendwo festgehalten wird. Dieses Thema betrifft folglich jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft und wird aktuell kontrovers diskutiert.
Hoffnungen und Ängste
Der gläserne Mensch ist weitestgehend ein negativ konnotierter Begriff im aktuellen Gespräch um Big Data. Es besteht die Befürchtung, bald gänzlich auf seine individuelle Privatsphäre verzichten zu müssen oder bereits darauf zu verzichten. Inwieweit wir heute schon gläsern sind, soll an dem Beispiel Facebook und dessen „Gefällt-mir“-Button aufgezeigt werden.
Mit dem „Like“-Button verdeutlichen Facebook-Mitglieder ihre Zustimmung zu Bildern, Personen, Artikeln, Meinungen usw. In diesem Zusammenhang fungiert auch der „Teilen“-Button, dessen Funktion es ist, Beiträge, Fanseiten o.Ä. auf der eigenen Profilseite zu veröffentlichen und somit die eigenen Interessen mit Freunden zu teilen.
Mittlerweile ist der „Gefällt-mir“-Button aber nicht mehr nur auf Facebook zu finden, sondern auf beinahe jeder Internetseite. Dies macht es Facebook möglich, weitere vertiefende Einblicke in das Konsum-/ Surfverhalten seiner Mitglieder zu bekommen. Dafür ist es nicht einmal nötig, dass der Button angeklickt wird, denn „die Integration des Button-Codes in einer Webseite erzeugt einen sogenannten “inner frame”, ein Fenster innerhalb der Seite, wodurch Facebook dann Kenntnis über jeden Seitenbesucher erlangt. Durch Auslesen des Cookie-Verzeichnisses werden Facebook- Mitglieder erkannt und identifiziert, unerheblich ob sie aktuell eingeloggt sind oder nicht. Denn in beiden Fällen haben sie ein entsprechendes Cookie.“ Dadurch dass der Button weit über die Facebook-Seite hinaus verwendet wird, sind auch Nicht- Mitglieder von Facebook nicht vollkommen geschützt. Über sie können IP-Adresse und sogar Informationen zum Betriebssystem in Erfahrung gebracht werden, woraus ein „Browser- Fingerabdruck“ angefertigt werden kann. Dieses „Gefällt mir“-Cookie schafft die Voraussetzung dafür, dass Facebook, auch ohne die Verwendung des Buttons, außerhalb seiner Netze noch Daten über das Surfverhalten von Internetnutzern speichert.
Nicht nur Facebook sammelt diese „Berge“ an Informationen über den Verbraucher, auch jede Adressabfrage kommt unter Big Data zusammen. Dass man sich kaum noch „unerkannt“ durch das Web 2.0 bewegen kann, ist einerseits erschreckend, hat aber auch eine positive Seite. Die Wirtschaft profitiert zum einen von den ausführlichen Kundenprofilen, in dem sie personalisierte Werbung machen kann. Andererseits erhofft “Big Data eröffnet Möglichkeiten des informationellen Machtmissbrauchs durch Manipulation, Diskriminierung und informationelle ökonomische Ausbeutung – verbunden mit der Verletzung der Grundrechte der Menschen.” (Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter S-H)sich auch der Staat etwas von Big Data, nämlich eine größere Sicherheit vor Terroristen. Es ist bekannt, dass sich die NSA von der Wirtschaft eine „Überwachungsarchitektur“ bauen lässt, indem sie auf die Server von Facebook, Apple und Microsoft zugreifen kann. Mit den heutigen Möglichkeiten der Technologie ist es durchaus vorstellbar, dass bald jeder Mensch (sei es über einen implantierten Chip o.Ä.) transparent ist für Staat und Wirtschaft, was Aufenthaltsorte, Hobbies, Gespräche, etc. betrifft.
Bewertung:
Gerne genießen wir die Vorteile des Web 2.0: Cloud Computig, Internet-Recherche, Online-Bestellungen, Kommunikation via sozialen Netzwerken/ Messangern etc. bieten uns eine erhöhte Lebensqualität. Aus Bequemlichkeit nehmen wir in Kauf, dass unsere Privatsphäre mehr und mehr verschwindet und wir zunehmend gläsern werden. Im Angesicht der heutigen Zeit wäre es utopisch, sich gänzlich aus dem Internet zurückzuziehen. Der technische Fortschritt lässt sich nun einmal nicht umkehren und die Chancen, die sich aus Big Data ergeben, sind beeindruckend. “Große Mengen öffentlich verfügbarer Daten, einfachere Tools, die größere Verbreitung von Analysemöglichkeiten und Software für künstliche Intelligenz werden zu erhöhter Produktivität führen.” (Sean Mead, Director of Analytics bei der Anwaltskanzlei Mead, Mead & Clark)
Dennoch sollte man nicht alles hinnehmen, wenn es um die eigene Privatsphäre geht. Big Data im Gespräch zu halten, hält auch den Gedanken aufrecht, dass wir ein Recht auf Datenschutz haben. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass es wichtig ist Schüler-innen bereits in der Schule an das Problem heranzuführen und ihre Sinne für Sicherheitseinstellungen/ -vorkehrungen zu schärfen. Auch wenn es nur kleine Schritte sind, die eigenen Daten zu schützen, finde ich, sollte man sie machen.
Quellen:
Rob Sobers: „Big Data – Fluch, Segen oder einfach viel Arbeit?“ http://www.computerwoche.de/a/big-data-fluch-segen-oder-einfach-viel-arbeit,2527644 (26.02.2026)
Hendrik Ankenbrand und Britta Beeger: „Der gläserne Mensch.“ In: Frankfurter Allgemeine http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/internet-der-glaeserne-mensch-12214568.html (17.01.2026)
Definition: Big Data http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Data (26.02.2026)
Virtuelles Datenschutzbüro: Facebook „Like“-Button http://www.datenschutz.de/feature/detail/?featid=100 (17.01.2026).