Dieser Beitrag soll erläutern, warum Datenschutzbeauftragte der Bundesländer gegen den »Like-Button« von Facebook vorgegangen sind, was der Like-Button mit dem Datenschutz der Nutzer genau zu tun hat und welche Lösungen es für dieses Problem gibt.
Das soziale Netzwerk Facebook hat 2012 eine Milliarde Mitglieder gezählt, davon alleine rund 25 Millionen aus Deutschland. Facebook stand von Beginn an auf Grund von unzureichenden Datenschutzerklärungen in der Kritik. Viele Nutzer sind meistens unzureichend über die Verwendung ihrer Daten aufgeklärt sind, da sie diese beim Eintritt zu Facebook gar nicht durchlesen oder nur überfliegen.
Dabei zeigen die Nutzungsbedingungen eindeutig, dass der Nutzer mit seiner Zustimmung nicht mehr Eigentümer seiner eigenen Daten ist.
Dem Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert aus Schleswig-Holstein findet allerdings nicht die etwas versteckten Nutzungsbedingungen bedenklich, sondern den so genannten “Like-Button”. Laut des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) in Kiel nehme Facebook mithilfe des Like-Buttons “eine umfassende persönliche, bei Mitgliedern sogar personifizierte Profilbildung vor“.
Der Like-Button ist ein so genanntes social plug-in, also eine Art Erweiterung der Funktion der Webseiten, auf denen er integriert ist.
Das Problem, das Thilo Weichert an diesem social plug-in sieht, ist folgendes:
Beim Besuch von Seiten, auf denen sich dieses Plug-in befindet, werden automatisch zwei Jahre lang ohne die Zustimmung des Nutzers Daten gespeichert (wie das genau technisch funktioniert, kann hier ab Seite 2 nachgelesen werden). Dabei geschieht dies unabhängig vom wirklich Anklicken des Like-Buttons und auch unabhängig davon, ob der Nutzer ein Mitglied bei Facebook ist oder nicht. Das Plugin kann dann Informationen wie IP-Adresse und Browsertyp auslesen (auch bei Facebook-Nichtnutzern) und bei Personen, die selbst Mitglieder bei Facebook sind kann sogar eine Verbindung mit ihrem Facebook-Nutzerprofil erstellt werden.
Dieses tracking wird dadurch möglich, dass der Like-Button nicht auf dem Server der Webseite liegt auf der er zu sehen ist, sondern auf einem Facebook-Server liegt. Das Ganze geschieht also, ohne dass die Betroffenen es zur Kenntnis nehmen könnten.
Thilo Weichert wollte Internetseitenbetreibern, die den Like-Button auf ihrer Seite integriert haben oder eine Fan-Seite bei Facebook betreiben, diese verbieten und drohte sogar mit Bußgeldstrafe.
Das Verwaltungsgericht entschied allerdings, dass die Unternehmen und Betreiber der Fan-Seiten und des Like-Buttons rechtlich nicht für den Datenschutz bei Facebook verantwortlich seien.
Es gibt allerdings eine Lösung für dieses Problem, die sogenannte “Zwei-Klick-Lösung“. Seitenbetreiber die auf den Like-Button nicht verzichten möchten, haben so die Möglichkeit, die Datensammler Facebook und Co “auszutricksen” und für ein wenig mehr Privatsphäre und Datenschutz zu sorgen.
Es werden auf den Seiten deaktivierte Buttons integriert, die keinen Kontakt mit den Servern der sozialen Netzwerke Facebook, Google+ oder Twitter herstellen. Der Besucher der Seite muss diesen erst aktivieren, somit gibt er seine Zustimmung, dass die Seite mit Facebook, Google oder Twitter kommunizieren dürfen. Die Buttons werden aktiv und stellen die Verbindung her. Der Nutzer kann nun mit einem zweiten Klick seine Empfehlung übermitteln.
Der Nutzer hat es also nun in der Hand, ob er der Datenübertragung zustimmt, oder nicht.
Ich halte diese Lösung für sehr sinnvoll. In meinem Beitrag über “Do Not Track” habe ich mithilfe von Lightbeam gemerkt, dass diese Zwei-Klick-Lösung was bringt. Ich war auf der Seite der Zeit Online, auf der ebenfalls die social plug-ins von Facebook eingebettet sind. Ich habe mir mehrere Artikel auf der Seite angeschaut, doch bei Lightbeam erschien keine Verbindung zu Facebook. Erst nachdem ich testweise den Like-Button aktiviert habe, kam bei Lightbeam die Verknüpfung zum Facebookserver. Dies gibt mir tatsächlich das Gefühl, dass ich den Umgang mit meinen Daten (da ich Mitglied bei Facebook bin sogar mit meinen personenbezogenen Daten) ein wenig mehr kontrollieren kann. Zumindest fühle ich mich nicht ganz hilflos. Andererseits kann ich natürlich auch nicht genau sagen, wie sinnvoll die Zwei-Klick-Lösung tatsächlich ist, ob sie wirklich “dicht hält” und ob sie überhaupt zulässig ist. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Facebook da nicht gegen vorgeht und nicht irgendein kleines Schlupfloch findet, mit dem es das tracking via Like-Button für jeden sinnvoll und nachvollziehbar erläutert.
“Wir wollen dich doch nur kennenlernen.”
Quellen:
- http://www.sueddeutsche.de/digital/profilerstellung-von-nicht-mitgliedern-datenschuetzer-will-facebook-fanseiten-schliessen-lassen-1.1132874
- http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/unternehmen-duerfen-facebook-seiten-betreiben-a-927013.html
- https://www.datenschutzzentrum.de/facebook/facebook-ap-20110819.pdf
- http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Facebook#.E2.80.9EGef.C3.A4llt_mir.E2.80.9C-Knopf_und_Fanseiten
- http://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html
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