Ich möchte in diesem Beitrag kritisch abwägen, ob - und wenn ja inwiefern- digitale Medien im Schulalltag das Lernen negativ beeinflussen.
In der Vorlesung 5.1 zum Thema „Medium & Bildung“ fiel die Aussage, dass es in 50 Jahren keine Schule ohne digitale Medien gäbe.
In der Zentralschule Harrislee besitzt jeder Klassenraum 15 Laptops sowie ein Activboard, mit dem
„[…] ein interaktives und mitreißendes Unterrichtserlebnis geboten [werden kann]“.
Es gibt so genannte iPad-Klassen, die Schüler arbeiten mit Apps für Rechenübungen und „in Erdkunde nutzen wir sehr häufig das Programm GoogleEarth, um uns ein Bild von fremden Ländern zu machen.“ Herkömmliche Tafeln gibt es in solchen Klassen keine mehr.
Als Lehramtsstudentin stelle ich mir nun die Frage, wie ich zu all diesen technisierten Unterrichtsgeschehen stehe. Braucht man Apps, um Kopfrechnen zu üben? Gibt einem ein Blick in den Atlas nicht auch ein Bild von fremden Ländern? Und vor allem: Zu hoher Bildschirmmedienkonsum ist schädlich für die Gesundheit, das hört man überall, jeder weiß es. Kinder und Jugendliche verbringen ihr Leben am häufigsten (nach Schlaf) vor dem Bildschirm. (http://www.youtube.com/watch?v=576lsdGen2Q - Sekunde ’35) „Jeder zehnte Jugendliche ist computersüchtig“, schreibt die Welt.
Warum sollte man dies in Schulen - gerade in Schulen, die als Bildungsinstitution für die Bildung der Schüler verantwortlich ist - unterstützen und sogar fördern? Wie sollen Schüler verstehen, welche Gefahr der Medienkonsum mit sich bringt, wenn sie selbst in der Schule damit alltäglich (angeblich) positiv konfrontiert werden? Und brauchen Schüler überhaupt die modernsten Medien, um zu lernen? Ganzheitlicher, also handlungsorientierter Unterricht fördert die vielfältige Sinneserfahrung, und der Philosoph John Locke sagte: “Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“. Auch die Waldorfschule Flensburg spricht von den hohen Werten „ […] eines reichen Erfahrungsschatz in der Begegnung mit der wirklichen Welt […]“. Ich stelle mir nun die Frage, inwiefern ein Schüler der siebten Klasse im Unterricht, indem er auf seinem iPad sich eine App über Fische in Teichen anschaut, einem anderen Siebtklässler, der mit seiner Klasse draußen zum Schulteich gegangen ist und die Fische dort beobachtet hat, in irgendeiner Weise voraus sein sollte. Säuglinge lernen laufen schließlich auch nicht durch Fernsehsendungen, sondern weil sie es ganz einfach selbst erleben und ausprobieren. Warum sollte diese Art zu lernen für größere Kinder (und auch Erwachsene) nicht ausreichend genug sein?
Ich möchte keines Weges die technische Entwicklung und die Medialisierung der Schulen verdammen. Dennoch halte ich es für wichtig, sich auch kritisch mit diesem Thema, gerade wenn es um Schule und Bildung geht, auseinander zu setzen. Ich denke, jeder Lehrer sollte seine eigene Haltung zum Umgang mit Medien entwickeln.
Quellen:
- http://www1.prometheanworld.com/german/server.php?show=nav.21993
- http://www.youtube.com/watch?v=576lsdGen2Q (Sekunde ’35)
- http://www.welt.de/regionales/hamburg/article2880878/Jeder-zehnte-Jugendliche-ist-computersuechtig.html
- http://www.kindergartenpaedagogik.de/419.html
- http://www.waldorfschule-flensburg.de/unsere-schule/lernen/computer.html
Beitragsbild: http://www.technikbasteln.net/wp-content/uploads/2011/12/ipad_klasse.jpg