»Do Not Track« - nicht verfolgen

Nach den ganzen Diskussionen um Big Data und den Datenschutzrechten, kommt die Frage auf, ob und wie man sich vor dem Sammeln der Daten - auch tracking genannt - schützen kann. Dieser Beitrag stellt heraus, was es mit der Anweisung “Do Not Track” auf sich hat und stellt ein paar Möglichkeiten vor, mit denen man das tracking beobachten und auch verhindern kann. Do not track” bedeutet “Nicht verfolgen”. Damit ist vor allem die online “Verfolgung”, also die Sammlung der Daten von Nutzern im Internet gemeint. “Do not track” ist eine Browsereinstellung, die die Nachverfolgungs-Einstellungen an Webseiten übermittelt und einer Webseite oder Webanwendung den Wunsch signalisiert, dass man nicht möchte, dass die Aktivitäten online nicht überwacht und verfolgt werden.
2007 wurde der Federal Trade Commision (die Bundeshandelskommmision der USA) von Verbraucherschutzgruppen der Vorschlag einer Do not track - Liste gemacht. Diese Liste soll Online-Werber katalogisieren und feststellen, mit welchen Methoden sie die Verbraucher verfolgen. Entstanden ist aus dieser Idee zum einen das “Do not track-System”, was in den meisten Internetbrowsern (zuerst 2010 beim Internet Explorer) standartmäßig aktiviert ist. Die Nutzer können einstellen, ob sie entweder nicht verfolgt werden, der Verfolgung zustimmen oder sich enthalten, so dass keine Einstellung verändert wird. Zum anderen soll eine so genannte schwarze Liste Verbrauchern anzeigen, von welchen Dritten sie verfolgt werden. Solche Dritten sind Webseiten, die Nutzeraktivitäten überwachen, ohne dass diese Seiten von den Nutzern direkt aufgerufen werden, ein prominentes Beispiel ist der Facebook-Likebutton, der sich inzwischen auf vielen Webseiten befindet. Klickt man beispielsweise bei Spiegelonline auf den Likebutton, so wird diese Aktivität bei Facebook gespeichert, ohne dass man direkt auf der Webseite von Facebook aktiv war.

Ein Problem des Do not track ist allerdings, dass es gesetzlich noch nicht anerkannt ist, dass heißt, dass Webseiten nicht dazu verpflichtet sind, sich an die Browsereinstellungen der Nutzer zu halten, zumindest nicht in den USA. In Europa sind wir inzwischen so weit, dass wenn ein Nutzer die Einstellung “ich möchte nicht verfolgt werden” gewählt hat, er auch darauf bestehen kann, weil es einer gesetzlichen Erklärung eines Widerspruchs gleichkommt. Die Webseite hat in diesem Fall den Wunsch zu respektieren und anzunehmen.

Es gibt allerdings Webseiten, die “verfolgungsfrei” sind. Zum Beispiel die Suchmaschine DuckDuckGo. DuckDuckGo wirbt damit, die Nutzer nicht zu verfolgen, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und die Nutzerdaten nicht zu sammeln. Sie verschlüsselt die Datenübertragung und Suchbegriffe werden nicht an die Betreiber der Seiten in den Suchergebnissen weitergegeben.
Abgesehen vom Datenschutz setzt sich die Suchmaschine DuckDuckGo für eine “neutrale” Suche ein. Anders als bei Google oder bing gibt es keine personenbezogene Ergebnisse die je nach Suchender anders ausfallen. Egal wer bei DuckDuckGo nach “Flensburg” googelt, alle werden die gleichen Ergebnisse bekommen. DuckDuckGo positioniert sich damit gegen die bereits in einem anderen Beitrag angesprochene Filterblase.
Ganz sicher ist man natürlich auch mit dieser Suchmaschine nicht: DuckDuckGo hat seine Server auf US-amerikanischem Boden. In den USA können Gerichte Webseiten dazu zwingen, Daten preiszugeben ohne die Nutzer darüber zu informieren.
Wirklich sicher ist man hier also auch nicht.
Aber, wer verfolgt mich eigentlich wirklich?

Es gibt ein Add-on für Firefox, das graphisch darstellt, wer einen im Internet verfolgt. Es heißt Lightbeam, und wenn man es installiert hat, zeigt es einem in Echtzeit, eine Visualisierung der Websites, die man besucht sowie alle Dritt-Websites, die auf diesen Seiten ebenfalls aktiv sind. So bekommt an einen Überblick, welche Seiten wie mit welchen Dritten verknüpft sind, und bei welchen Seiten vielleicht mehr und bei anderen weniger Daten erspäht und weitergegeben werden.

Ich habe mir selbst Lightbeam heruntergeladen und während meiner Zeit im Internet heute laufen lassen. Es ist ein erschreckend großes Geflecht aus verschiedenen kleinen und großen Dreiecken geworden, die meine Aktivitäten verfolgen:

Es war zu erwarten, dass Google ein besonders großes Netz spannt. Dennoch war ich überrascht, dass obwohl ich Webseiten ohne Googlesuche aufgerufen habe, (zum Beispiel Mitfahrgelegenheiten -> Lesezeichen) haben sie sich gleich an Google genistet. Etwas verwirrt war ich, dass Facebook fast ganz alleine dasteht und keine kleinen Fühlerchen in irgendwelche Richtungen schlägt, obwohl auf vielen Webseiten der Facebook-Likebutton steht. Dann habe ich bei einem Artikel der ZEIT auf den Likebutton geklickt - und schwupps hat sich Facebook an die ZEIT-Sensoren angefügt.
Auffällig ist außerdem, dass die Seiten donottrack.us und DuckDuckGo tatsächlich ganz alleine sind, und keine Dritten von sich aus mit sich ziehen.

Ich finde es spannend einmal zu sehen, welche Webseiten mich wirklich und vor allem in welchem Ausmaß verfolgen. Natürlich weiß ich so immer noch nicht genau, welche Daten jetzt wohin fließen, aber ich kann mir ein etwas klareres Bild davon machen, welche Webseiten “zusammen” tracken.
Ich finde es gut, dass es Initiativen wie Do not track oder DuckDuckGo gibt, die sich gegen den Ozean der Datensammlung stellen und versuchen, Alternativen zu den Internetriesen zu geben.
Allerdings befürchte ich, dass es niemlas zu einem Internet ohne tracking kommen wird. Dafür sind Google, Amazon und Co einfach zu mächtig und die USA zu vage, was Gestze im Onlinebereich angeht.

Quellen:

Do Not Track

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Do_Not_Track
  • http://donottrack.us/
  • http://whatisdnt.com/
  • Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit: Bericht 2011 S.169

DuckDuckGo

  • http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2014-01/duckduckgo-startpage-ixquick-nsa
  • https://duckduckgo.com/privacy

Lightbeam

  • http://www.mozilla.org/de/lightbeam/

Beitragsbild: http://www.digitaltrends.com/wp-content/uploads/2013/07/online-privacy.jpg

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