Thomas Häcker: Portfolio – ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens

In seinem Text: Portfolio – ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens geht Häcker auf den Begriff der Selbststeuerung sowie den der Selbstbestimmung ein. Doch was heißt Selbststeuerung eigentlich? Selbststeuerung bedeutet nach Häcker „Mitbestimmung im Lernen“ (vgl. Häcker 2007 S. 64/65). Das heißt also, dass der Lernende mitbestimmt, welches Thema er bearbeitet, wie er dieses Thema bearbeitet und wo er es bearbeitet. Aber nicht nur das, er soll auch selbst entscheiden, mit wem er arbeitet und wann er die zu bearbeitenden Aufgaben erledigt. Weiter kann der Lernende frei entscheiden, mit welchen Methoden und Medien er seine Aufgaben bearbeitet. Während die Selbststeuerung dem Lernenden wirklich viele Freiheiten bietet, bezieht sich die Selbstbestimmung auf das Mitbestimmen der thematischen sowie inhaltlichen Aspekte (vgl. Häcker 2007, S.64). Die Selbstbestimmung stellt immer Ausdruck und Ziel menschlicher Freiheit dar. Das heißt, dass sie das Handeln nach eigener Vorstellung erwartet. Für Häcker ist die Unterscheidung der beiden Begriffe von großer Bedeutung. Im weiteren Verlauf des Textes trifft Häcker eine Aussage darüber, wie wichtig es ist, dass die Lernenden zwar entscheiden dürfen mit welcher Methode sie eine Aufgabe bearbeiten und wie sie dies tun und somit auch selbstbestimmend wären, dass es jedoch nicht von Vorteil wäre, wenn sie selbst entscheiden könnten, was sie lernen oder bearbeiten, da sie nicht wissen würden, was relevant sei und was nicht. Mit dieser Aussage hat Häcker mich überzeugt. Ich denke, dass Schülerinnen und Schüler sich gar nicht darüber bewusst sind, was für ihren weiteren Lebensweg relevant ist und was nicht. Sicher denken sie sich im ersten Moment immer, dass alles was der Lehrer als Thema vorbereitet unnütz sei, dennoch werden sie es später gebrauchen können. So erging es mir früher mit dem Dreisatz. In meiner Schulzeit dachte ich, wofür brauche ich den Quatsch? Wieso muss ich wissen, wie viel Prozent 20 Kirschen von 50 Kirschen sind? Heutzutage weiß ich aber, dass ich den Dreisatz immer gebrauchen kann. Es ist wirklich relevant, dass der Lehrende den Lernenden vorgibt, was für sie notwendig ist, damit sie sich ihre Lernziele vernünftig abstecken. Manchmal ist man sich als Lernender nicht bewusst, wie relevant manche Themen sind und aus diesem Grund sollte man auf diese aufmerksam gemacht werden. Dennoch sollte die lehrende Person darauf achten, dass es nicht zu fehlender Motivation sowie anderen ablenkenden Erscheinungen kommt (vgl. Häcker 2007, S. 72). Dies kann zum Beispiel dadurch zustande kommen, dass der Lernende während der Arbeit am Portfolio für alles verantwortlich gemacht wird. Hat er Erfolg, wird er gelobt. Misslingt ihm etwas, wird er kritisiert.

Spannend ist auch der Vergleich der Portfolioarbeit einer Hauptschul- sowie Gymnasialklasse. In beiden Klassen sagten etwa zwei Drittel der Schüler, dass der Schwierigkeitsgrad zur Bearbeitung des Portfolios gerade richtig war. So ist hier kein großer Unterschied zu erkennen. Ich denke, dass es berechtigt ist, wenn man sagt, dass dieses Portfolio für schwächere Schüler sogar von Vorteil wäre, da diese das Arbeitstempo selbst bestimmen könnten und nicht Angst haben müssten von der ganzen Klasse angestarrt zu werden, wenn sie etwas Falsches sagen. 89% der Hauptschüler empfanden die Erarbeitung eines Portfolios als sinnvoll und hoben sich somit stark von der Prozentzahl der Gymnasiasten ab. Dennoch waren sich beide einig, dass das Erlernen von Überblick und Ordnung sowie der Lernstrategie bei der Erarbeitung des Portfolios von großem Vorteil ist (vgl. Häcker 2007, S. 78). Genauso konnten die Schülerinnen und Schüler beider Schularten genau definieren, dass ihnen die Erarbeitung des Portfolios überhaupt nichts brachte, als ihr Freiraum zu stark eingeschränkt wurde und sie bemerkten, dass die Bearbeitung des Portfolios nicht dringend erforderlich war bzw. dringend erforderlich schien. Dennoch finde ich es als zwingend erforderlich auch Schüler und Lernende in den Prozess des Portfolios einzubeziehen und sie nach ihrer Meinung zu fragen, denn nur, wenn die Bearbeitung des Portfolios bei den Lernenden und Schülern ankommt, kann ein Nährboden für die kleine noch nicht in der Gesellschaft etablierte Pflanze entstehen.

 

Literatur: Häcker, Thomas (2007): Portfolio- Ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens. In: Michaela Gläser-Zikuda, Tina Hascher (Hrsg.), Lernprozesse dokumentieren, refektieren, beurteilen. Lerntagebuch und Portfolio in Bildungsforschung und Bildungspraxis. Bad Heilbrunn, Klinkhardt. S. 63-85

 

 

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