In seinem Vortrag beschäftigt Winter sich mit den verschiedenen Arten des Portfolios, der Individualisierung des Lernens durch das Portfolio und den verschiedenen Ebenen des Bildungssystems. Immer wieder spricht Winter bezugnehmend auf das Portfolio von einer kleiner wachsenden Pflanze, welche sich nur dann richtig entwickeln kann, wenn ihr genügend Nährboden zur Verfügung steht, durch den sie wachsen kann (vgl. Winter 2008, S. 8). Winter ist der Meinung, dass der Vorteil des Portfolios noch nicht richtig erkannt wurde und das Potenzial noch nicht ausgeschöpft sei (vgl. Winter 2008, S.9). Er nimmt deutlich Stellung zu der Individualität des Lernens durch das Portfolio. Es ist wichtig, dass nicht nur die Lehrer vertretend für die Schüler planen, was im Unterricht an wichtigster Stelle steht, sondern dass eine gemeinsame Planung stattfindet, an der sich Schülerinnen und Schüler beteiligen können. Die Portfolioarbeit soll Schülerinnen und Schüler dazu bringen, selbstständig zu lernen, kommunikativ zu werden, sich selbst zu reflektieren, individuell zu arbeiten etc. Im Vordergrund der Portfolioarbeit steht die freie Entfaltung der Schüler. Hier geht es darum, das Ziele formuliert und Rahmenbedingungen festgelegt werden. Das heißt, dass die Schüler sich eigene Ziele stecken, die sie durch selbst entwickelte Lernwege erreichen können. Durch das Portfolio könnte das eingefahrene Notensystem wegfallen. Doch wenn durch das Portfolio dieses Notensystem verschwindet, frage ich mich, wie eine individuelle Leistung dann bewertet werden soll. Außerdem geht Winter in seinem Vortrag auf die verschiedenen Ebenen des Bildungssystems ein. Er spricht die Makro- sowie die Mikroebene des Bildungssystems an. Die Makroebene zeigt, dass sich das Bildungssystem immer noch darauf versteift, den Schülern die Kernfächer nahe zu legen, um die Qualität der schulischen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, damit diese besser für das spätere Leben vorbereitet sind (vgl. Winter 2008, S. 1). Die Mikroebene bezieht sich im Gegensatz zur Makroebene eher auf das individuelle Lernen. Das heißt, der offene Unterricht soll weiter gefördert und verbessert werden, damit die Kinder selbstständig und kooperativ lernen können (vgl. Winter 2008, S.1).
Ich durfte in meiner Schulzeit zwar durch die Bearbeitung von Arbeitsplänen sehr individuell lernen und arbeiten würde aber nicht sagen, dass dies schon eine reine Portfolioarbeit war. Sicherlich waren wir immer frei und individuell in der Bearbeitung unserer Arbeitspläne aber im Endeffekt ist es immer wieder darauf hinausgelaufen, dass wir diese Arbeitspläne bearbeitet haben und diese bearbeiteten Pläne dann benotet worden. Doch ich frage mich, warum das Portfolio noch nicht intensiver in die Schule integriert wurde. Ich habe für mich festgestellt, dass man aus seinen Fehlern am meisten lernt und gerade durch die Erarbeitung eines Portfolios, kann man viel über sich selbst, sowie die Thematik lernen. Ich glaube jedem Schüler würde es gut tun, sich selbst reflektieren zu können.
Doch durch das bestehende Notensystem, welches einem jedem Lehrer, Schüler, Elternteil und Arbeitgeber bekannt ist, kann sich das Portfolio wahrscheinlich nicht durchsetzen. Ein jeder weiß, dass man seine Leistung anhand der Noten vergleichen kann und es hierfür eine klare Vorgabe gibt, mit der man Schülerinnen und Schüler einstufen kann. Ich persönlich finde die Vorstellung meine Schüler später in Schubladen einzustufen nicht sehr professionell. Jedoch kann ich mir momentan auch keine andere Lösung vorstellen. Sollte man Portfolios bewerten und wenn ja, wie bewertet man sie dann? Auf diese Frage kann auch der Vortrag von Felix Winter mir keine Antwort geben. Ich glaube auch, dass genau hier die Problematik der Portfolioarbeit bestehen kann.
Durch den anstehenden Generationswechsel der Lehrer wird es sicherlich dazu kommen, dass individuelles Lernen weiter in den Vordergrund gerückt wird und dass das Portfolio stärker in den Schulen eingesetzt wird und sein Nährboden wächst. Es gibt viele positive Punkte, die ein Portfolio ausmachen. Schüler sichern ihre Ergebnisse, können diese präsentieren und reflektieren ihre Arbeit. Dies sind alles Punkte, die im späteren Arbeitsleben sicher auf die Schüler und Schülerinnen wartet.
Winter, Felix (2008): Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens. Vortrag zur Eröffnung der gleichnamigen Tagung der ÖFEB-Sektion „Schulforschung und Schulentwicklung“ am 6. 6. 2008 in Linz.