Fazit

Anfänglich stand ich dem Seminar: (e)Portfolio vom Kindergarten bis zur Hochschule mit gemischten Gefühlen gegenüber. Ich hatte zwar in einem vorherigen Seminar in Bildungswissenschaften schon einmal ein Portfolio anlegen müssen, dies schien mir allerdings nicht so umfangreich wie dieses. Nun gut, ich hatte mich also dafür entschieden dieses Seminar zu belegen, also habe ich mich auch für die Arbeit dazu entschieden. Im großen und ganzen hat mir die Bearbeitung der Texte dann doch sehr viel Freude bereitet, da ich viel aus ihnen mitnehmen konnte und für mich auf jeden Fall den Sinn der Portfolioarbeit endlich erkannt habe. Auch wenn die Erarbeitung eines Portfolios bedeutet, dass diese mit einem hohen Zeitaufwand verbunden werden muss, denke ich, dass diese Art der Arbeit immer noch sinnvoller ist, als dieses ewige „Bulimielernen“ für Klausuren.

Ich persönlich bemerkte den roten Faden bei der Bearbeitung der Texte ziemlich deutlich und fand diesen auch wirklich sinnvoll. Doch was mich immer noch ärgert, ist, dass ich keine perfekte Lösung gefunden habe, wie man die Benotung für die Portfolios weglässt und trotzdem sinnig in der Schule einsetzt. Sicherlich ist das Kompetenzraster mit dem sich Frau Rabenstein auseinandergesetzt hat kein schlechter Ansatz, dennoch denke ich, dass dies noch nicht die komplette Problemlösung hervorruft.

Da wir ja sehr häufig nur eine kleine Anzahl an Studenten waren, die dieses Seminar besucht haben, muss ich sagen, dass es mir wirklich trotzdem immer gut gefallen hat. Vielleicht auch genau aufgrund der kleinen Anzahl. Wir konnten gut über angesprochene Dinge diskutieren und jeder konnte seine Meinung äußern, ohne schief von anderen Kursteilnehmern angeguckt zu werden.

Alles in allem war das Seminar sehr spannend und aufschlussreich. Ich möchte behaupten hier wirklich etwas gelernt zu haben, was ich für meinen späteren Lehrerberuf brauche und dass das Portfolio ein Thema sein wird, mit dem ich mich nicht zum letzten Mal beschäftigt habe.

 

Über sich selbst schreiben - Michel Foucault

Der von Michael Bischoff übersetzte Text von Michel Foucault „Über sich selbst schreiben“ hat mir besonders gut gefallen. Mir gefällt der Gedanke an die Hypomnêmata die Foucault als ein persönliches Notizbuch darstellt (vgl. Foucault 1983, S. 507). Dieses persönliche Notizbuch soll nicht als intimes Tagebuch wahrgenommen werden, sondern als eine Möglichkeit der Gedankenhilfe. Die Aufgabe der Hypomnêmata besteht darin, ein Notizbuch zu sein, in dem Materialen gesammelt werden, die schon einmal gelesen oder gehört worden. Mit der Hypomnêmata will man keine Selbstdarstellung inszenieren, sondern eine Verzettelung zu vieler Informationen verhindern (vgl. Foucault 1983, S.508 f.). Ich bin mir gerade nicht sicher, ob das was ich in meiner Aufgabe bearbeitet habe wirklich ein Portfolio ist. Die Form meiner Arbeit könnte man mit der Form der Hypomnêmata vergleichen. Ich wollte mich in keinster Weise selbst darstellen, sondern mir Notizen zu meinen gesammelten Materialien machen, um diese dann später wieder einmal verwenden zu können. Auf der anderen Seite habe ich zu allen Texten meine Meinung geäußert, was ja wieder eine Form der Selbstdarstellung ist. Ich finde es ziemlich schwer, diese Arbeitsformen voneinander zu trennen. Auf der einen Seite ist die Hypomnêmata in meinen Augen überhaupt nicht mit dem Portfolio vergleichbar, da wie in den vorherigen Texten angesprochen wurde, es bei der Portfolioarbeit auf eine Selbstdarstellung ankommt und Menschen die Portfolios bearbeiten sich ständig selbst reflektieren müssen. Außerdem wird in einem Portfolio beschrieben, was gefallen hat und wie die Aufgaben am besten gelöst worden. Andrerseits kann man sagen, die Arbeitsform der Hypomnêmata eine Möglichkeit wäre, als Hilfestellung zur Bearbeitung des Portfolios zu dienen. Jedoch soll die Hypomnêmata dann nicht das Portfolio ersetzen.

Foucault will dem Leser klar machen, dass es nicht nur die Möglichkeit der Hypomnêmata gibt, sondern dass

  1. Epiktet das Schreiben mit Meditieren verbindet. Das heißt, dass Menschen und Schreiber sich Gedanken über sich selbst machen sollen und dies nur dann funktionieren kann, wenn sie sich das, was sie aufschreiben, in ihrem Inneren vorstellen und sich damit auseinandersetzen.
  2. man auch die Form des Schreibens von Briefen nutzt. Hier setzt der Schreiber sich nicht nur mit sich auseinander, sondern auch mit seinem Briefpartner. Entweder gibt er seinem Brieffreund Ratschläge oder erzählt von sich. Natürlich setzt der Schreiber sich auch hier mit dem geschriebenen auseinander, jedoch wird immer ein wechselndes Thema aufkommen. Bzw. wird man sich immer abwechselnd erst mit dem Problem des Einen und dann mit dem Problem des Anderen beschäftigen. Das heißt, dass in diesen Briefen t man immer von Gefühlen und Emotionen gesprochen wird. Aus diesem Grund sind die Briefe nicht mit der Hypomnêmata gleichzusetzen.

 

Literatur: Foucault, Michel (1983): Über sich selbst schreiben. In: Schriften, Band IV, 329, Frankfurt am Main, 2005, S. 503-521

„Zweierlei Übung- Zum Verhältnis sozialer Disziplinierung und ästhetischer Existenz“ - Christoph Menke

In seinem Vortrag „Zweierlei Übung- Zum Verhältnis sozialer Disziplinierung und ästhetischer Existenz“ auf der Frankfurter Foucault-Konferenz von 2001 bezieht sich Christoph Menke auf die Definitionen die Foucault über Übung aufgestellt hat.

Für Foucault gibt es zwei Arten von Übungen. Die Definition der ersten Übung bezüglich der „Ästhetik der Existenz“ bezieht sich auf die Bestimmung des Verhältnisses zu sich selbst, während in der zweiten Übung eher von einer „zentralen Technik der Selbstdisziplinierung“ gesprochen wird. Gegensätzlich sind sie darin, dass der Prozess des Selbstbezugs unterschiedlich verstanden wird (vgl. Menke 2001, S.289). Während die „Selbstdisziplinierten“ Subjekte, die Normen einhalten können, bilden sich aus den „ästhetischen Existenzen” Subjekte, die ihr Leben in Autonomie führen können (vgl. Menke 2001, S.291). Das heißt also, dass ein Subjekt hervorgebracht werden soll, welches eine angeeignete Aktion richtig bzw. sehr gut ausübt. Menke geht weiter auf die zwei Übungen ein und vergleicht diese miteinander. Die disziplinierenden Übungen orientieren sich an der normativen Frage und sind für die Durchführung der Praxis gut. Während die ästhetisch-existenziellen Übungen sich eher an der Fähigkeit der Selbstführung orientieren, die sich auf die eigene Lebensführung positiv auswirkt (vgl. Menke 2001, S.292).

Im Weiteren beschreibt er, dass die Ästhetik der Existenz subjektive Macht, Freiheit und Aktion voraussetzt, damit das Tun im Gegensatz zur Normalität steht. Die beiden Übungen unterscheiden sich nicht in ihrem Inhalt sondern in der Ausübung, wie man sie bestreitet (vgl. Menke 2001, S.299).

Meiner Meinung nach hat Foucault absolut recht mit der Aussage, dass das Leben eine einzige Übung ist. Hätten wir das Lesen nicht geübt, dann könnten wir heute nicht verstehen, was Foucault uns mit seinen Texten aussagen will. Das Leben ist immer eine einzige Übung. Sei es in der Schule oder im Umgang mit Menschen. Man übt sich in jeder Situation. Es ist wichtig, dass jeder individuell so üben kann, wie er es für sich als richtig empfindet, denn nur dann kann die Übung auch angenommen werden.

Literatur: Menke, Christoph (2003): Zweierlei Übung. Zum Vehältnis sozialer Disziplinierung und ästhetischer Existenz. In: Axel Honneth und Martin Saar (Hrsg): Michel Foucault. Zwischenbilanz einer Rezeption. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 2003. S. 283-299

Kooperatives und selbstständiges Arbeiten von Schülern- Kerstin Rabenstein

In ihrem Text „Das Leitbild des selbstständigen Schülers, Machtpraktiken und Subjektivierungsweisen in der pädagogischen Reformsemantik“ weist Rabenstein auf Foucaults Aussage von Macht hin. Laut Foucault ist Macht nicht mehr nur durch den Fürsten auszuüben. Macht kann heutzutage jeder ausüben zum Beispiel Lehrer, Klostervorsteher, Betriebsleiter, Eltern, Freunde, Feinde usw. (vgl. Rabenstein, S.41). Für mich drückt Foucault damit aus, dass jeder Macht über andere Personen hat. Durch die vielen verschiedenen Beziehungen, die Menschen tagtäglich eingehen, liefern sie sich der Macht des anderen aus. Ich habe es so verstanden, dass ein andere schon Macht an mir ausübt, sobald ich seinen Ratschlag angenommen habe, da der andere mir seine Meinung mit auf den Weg gegeben hat. Für mich war Macht immer ein Begriff, der viel Negatives mit sich bringt. Ich dachte immer an Macht in Form von Herrschaft. Aber ich glaube das will Foucault gar nicht zum Ausdruck bringen, sondern eher, dass Macht wirklich in jeder Beziehung vorhanden ist und diese auch immer wieder von dem einem zum anderen springt. Man kann davon ausgehen, dass die Macht bei dem ist, der mehr Wissen über die Thematik hat. Foucault meint dies auch (vgl. Rabenstein, S.42). Rabenstein führt in ihrem Text fort, dass Schüler lernen sollen Selbstbestimmung sowie Selbstständigkeit zu entwickeln. Diese Selbstständigkeit und Selbstbestimmung könnte durch die Erarbeitung von Portfolios entstehen. Schüler müssten sich Gedanken um ihre Aufgaben machen. (Hierauf brauche ich glaube ich nicht weiter eingehen, da ich in den zuvor geschriebenen Texten vermehrt Stellung genommen habe.)

Ich frage mich seit Beginn des Seminars, wie man ein Portfolio bewerten könnte. Rabenstein spricht hier von der Bewertung der Portfolioarbeit durch ein Kompetenzraster. Diese Form der Bewertung ist im Gegensatz zu der Bewertung von Noten durch sämtliche Vorteile gekennzeichnet. Durch diese Bewertung haben nicht nur Lehrer die Möglichkeit die Schüler zu beurteilen, sondern auch die Mitschüler haben die Möglichkeit ihren Mitschülern ein Feedback zu geben. Ich finde diese Form der Bewertung wirklich sehr gut, da Schüler, die diese Aufgaben auch bearbeitet haben, sich gut in den vortragenden Schüler versetzen können und die Bewertung neutral durchführen. Ich glaube als Lehrer ist es wirklich schwer einschätzen zu können, ob die Bearbeitung eines Portfolios zu hohe Ansprüche stellt, da ich glaube, dass zum Beispiel eine Selbstreflexion für Schüler eine große Herausforderung darstellt. Oftmals sind sich Lehrer darüber nur überhaupt nicht bewusst. So zeigt Rabenstein im Verlauf ihres Textes auch Sprachauszüge einer Projektarbeit in einer Schule. Ich finde es sinnvoll, hier die Schüler zu Wort kommen zu lassen, da sie selbst am besten beurteilen können, ob die Arbeit an dem Portfolio sie überfordert hat. So sprechen die interviewten Schüler sich deutlich für eine weitere Arbeit in dieser Form aus, wollen aber auch, dass die Lehrer ihnen nach dieser Arbeit, die sie sehr gestresst hat, loben und vor allem auch Zeit lassen. Genau das ist auch die Aussage, die mich darauf kommen lässt, dass Lehrer ihre Aufgabenstellung meistens unterschätzen.

Um noch einmal auf die Bewertungsstrategie durch das Kompetenzraster zurück zu kommen. Wie zuvor schon gesagt, finde ich es wichtig, dass Schüler Feedback geben und sich auch an dem Raster beteiligen und auch dadurch Selbstständigkeit erlernen, dennoch finde ich auch, dass der Lehrer die letzte Instanz ist und die Macht in der Klasse auch weiter ausführen sollte. Meiner Meinung nach, wäre es unpassend Lehrer und Schüler auf eine Stufe zu stellen, da dann die Gefahr bestehen könnte, dass Schüler nur noch das machen, was sie wollen. Natürlich ist es wichtig, dass Schüler so früh wie möglich erlernen selbstständig zu arbeiten, da ihnen dies auch im späteren Leben abverlangt wird. Dennoch wird es immer einen Vorgesetzten geben, der den Ton angibt und auch das müssen Schüler von Anfang an lernen. Im Kleinkindalter ist es die Mutter, in den Institution Kindergarten und Schule dann der Erzieher und der Lehrer und im späteren Arbeitsleben dann der Vorgesetzte. Eigenständiges Arbeiten ist wichtig, aber genauso wichtig ist, dass soziale Kompetenzen durch einen Macht habenden vermittelt werden.

Literatur: Rabenstein, Kerstin (2008), Das Leitbild des Selbstständigen Schülers. Machtpraktiken und Subjektivierungsweisen in der pädagogischen Reformsemantik. In: Kerstin Rabenstein, Sabine Reh (Hrsg.) , Kooperation und selbstständiges Arbeiten von Schülern. Zur Qualitätsentwicklung von Unterricht, Verlag für Sozialwissenschaften, S.39-59

Unternehmer der eigenen Arbeitskraft – Einige Folgerungen für die Bildungssoziologie Voß, G. Günter

In dem Text „Unternehmer der eigenen Arbeitskraft – Einige Folgerungen für die Bildungssoziologie“ geht es um den Wandel der Arbeitswelt und den dazugehörigen Konsequenzen. Die Arbeitgeber legen immer mehr Wert darauf, dass Mitarbeiter eigenverantwortlich, flexibel, kommunikativ und verantwortungsbewusst arbeiten (vgl. Voß, G. Günter 2000, S. 150). Die Mitarbeiter sollen nicht nur noch Arbeitskräfte sein, sondern Arbeitskraftunternehmer darstellen. Das heißt also, dass der Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich ist, dass der Arbeitende hier strikt auf Steuerung, Strukturierung und Überwachung des Arbeitsprozess achtgibt und sich nicht aus dem Konzept bringen lässt. Es wird also von den Arbeitern abverlangt, dass diese selbst gesteuert arbeiten und so frei wie möglich arbeiten.

Das wiederum heißt, dass es sehr notwendig ist, dass Schülerinnen und Schüler schon in der Institution Kindergarten oder Grundschule auf diese Arbeitswelt vorbereitet werden. Ich denke, dass man heutzutage schon sehr selbstständig arbeiten muss und sehr viele Entscheidungen trifft, ohne sich vorher absprechen zu können, dennoch glaube ich nicht, dass es ganz so drastisch ist, wie in diesem Text beschrieben. Ich empfinde die Aussagen in diesem Artikel zwar nicht als falsch, dennoch habe ich das Gefühl, dass der Mensch in diesem Text als eine Maschine dargestellt wird, die nur noch selbst gesteuert arbeiten muss und keine Hilfestellung von Außerhalb bekommt. Sicher mache auch ich in meinem Job die Erfahrung, selbst gesteuert arbeiten zu müssen, dennoch darf ich auch unsicher sein, ohne dass mir dies zum Verhängnis gemacht wird und ich um meinen Job bangen muss. Wie Häcker in seinem Text schon angesprochen hat, ist die Selbststeuerung ein zentraler Punkt im Leben eines Menschen und es ist wichtig, dass diese schon im frühen Kindesalter geprägt wird, denn dann kann ein Kind seine Aufgaben für das spätere Leben verinnerlichen! Mithilfe des Portfolios ist es möglich schon früh anzufangen den Kindern beizubringen, sich zu reflektieren und neutral einzuschätzen. Genau das ist es doch, was die Arbeitswelt später einmal abverlangt, oder?

Literatur: Voss, G. Günther : Unternehmer der eigenen Arbeitskraft- Einige Folgerungen für die Bildungssoziologie

Neoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozessbestimmung – Thomas Häcker

In seinem Text „Neoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozessbestimmung“ von 2010 geht Häcker wiederholt auf die Portfolioarbeit ein. Doch in diesem Text geht er im Vergleich zu dem im Jahr 2007 geschriebenen Artikel auf die verschiedenen Sichtweisen der Arbeit und dem Umgang mit den Portfolios ein. In meinen letzten Beiträgen sah ich dem Portfolio immer sehr positiv entgegen und konnte dieser Methode doch sehr viel abgewinnen. Aber genauso hatte ich auch meine Bedenken über die Benotung. Genau dieses Problem spricht Häcker hier auch an (vgl. Häcker 2010, S. 70). Ziel des Portfolios soll es doch nicht sein, den Schülern vorzugeben, was sie zu bearbeiten haben, um ihnen dann doch eine Note geben zu müssen. Dies würde doch überhaupt keinen Sinn machen, da das Portfolio doch die Individualität der Schüler fördern soll und diese nicht durch Vorschriften wieder eingeschränkt werden soll (vgl. Häcker 2010, S.77). Ich vertrete diesen Standpunkt, denn wenn ich das Portfolio in meinen Unterricht integriere, dann werde ich dieses nicht benoten, sondern dann soll es mir helfen, die Schüler besser zu verstehen und ihre Fortschritte zu erkennen. Weiter spricht Häcker an, dass es in naher Zukunft dazu kommen wird, dass sich jeder selbst gut vermarkten muss, um im Leben weiter zu kommen. Es soll eine ungebrochene Subjektivität entwickelt werden. Natürlich werden Lernende durch die Arbeit mit den Portfolios lernen, sich selbst wirklich gut reflektieren zu können, ihren Entwicklungsstand zu erkennen usw. aber ist es die Aufgabe der lehrenden Person, die Schüler zu den Personen zu trimmen, die die neu-moderne Gesellschaft bzw. die neu-moderne Arbeitswelt erwartet? Was wird mit den Schülern, die mit der Portfolioarbeit nichts anfangen können, die den Sinn nicht verstehen oder aus denen, die einfach nur faul sind und die Portfolioarbeit nicht machen werden? Diese Schüler bleiben doch dann auf der Strecke und können nicht mitgezogen werden. Genau das ist es, was Häcker mit seinem Artikel ansprechen möchte. Es sollen nicht nur die Vorteile der Portfolioarbeit präsentiert werden, sondern auch genauso darauf eingegangen werden, wie negativ sich die Portfolioarbeit auswirken kann, wenn sie falsch eingesetzt wird (vgl. Häcker 2010, S.77). Des Weiteren bezieht Häcker sich darauf, dass die Bearbeitung von Portfolios nur dann selbstverständlich werden kann, wenn ein offener Unterricht stattfindet. Jedoch wäre keine Garantie vorhanden, dass Lernziele eingehalten werden, da die Lernenden nicht in der Lage sind, sich selbst so weit zu motivieren bzw. anzuspornen (vgl. Häcker 2010, S. 75). Dass das Lernziel nicht eingehalten werden kann, ist ein Punkt, der mich zwar beunruhigt, der mich aber nicht gegen das Portfolio stimmen lässt, denn wir sind doch frei in der Entscheidung was wir durch das Portfolio lernen wollen und aus diesem Grund, denke ich nicht, dass man sich drängeln muss, einem Plan gerecht zu werden, der einem die Regeln auferlegt. Trotzdem stelle ich mir eine für mich sehr wichtige Frage: Was bringt die Portfolioarbeit, wenn die Hälfte meiner Schüler keine Motivation hat bzw. nicht versteht was sie tun sollen, aber auch wissen, dass diese Arbeit definitiv nicht bewertet wird? Was bringt es dann, die Schüler an einem Portfolio arbeiten zu lassen? Ich denke, dass es sinnvoll wäre hier zwei Gruppen zu erstellen. Die eine Gruppe würde dann aus den Schülern bestehen, die wirklich Lust dazu haben eigenständig und individuell an dem Portfolio zu arbeiten, während die andere Gruppe dann Unterricht mit der Lehrperson macht, die die Gruppe der Schüler antreibt etwas zu tun, da diese es höchstwahrscheinlich brauchen, weil es ihnen schwer fällt, von alleine anzufangen oder sich zu motivieren.

Literatur: Häcker, Thomas (2010): Neoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozessbestimmung? Portfolioarbeit im Spannungsfeld zwischen (Selbst-) Steuerung und Selbstbestimmung. In: Thorsten Bohl, Kathrin Kansteiner- Schänzlin, Marc Kleinknecht, Britta Kohler und Anja Nold (Hrsg.) : Selbstbestimmung und Classroommanagement. Empirische Befunde und Entwicklungsstrategien zum guten Unterricht. , Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2010

Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen – Diana Wieden-Bischof, Elisabeth Schallhart

Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen – Diana Wieden-Bischof, Elisabeth Schallhart

Der Praxisbericht „Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen“ informiert über eine Portfolioarbeit, die in einer Kindergartengruppe am Achensee in Tirol im Herbst 2006 stattfand. Da man in den Anfängen des Projekts war, wollte man gute, qualitative Ergebnisse sichern und sich über die Ziele sowie die Herangehensweisen klarer werden. Aus diesem Grund entschied sich die Erzieherin zufällig für zwei Mädchen und zwei Jungen aus der Gruppe der „Elefantengruppe“, die an diesem Projekt teilnehmen sollten.

Abbildung 1: Die fünf wichtigsten Prozesse im Arbeiten mit (e) Portfolios (nach Hilzenhauser & Hornung- Prähauser 2005)

An diesem Raster orientierte sich die Erzieherin des Kindesgartens Murach. Sie versuchte hiermit die Ziele der Portfolioarbeit klar abzustecken (vgl. Wetzel & Carle 2007, S.2), außerdem kann es den Kindern helfen, die eigene Lernleistung abzuschätzen. Durch den Einsatz von Portfolios im Kindergarten kann nicht nur der individuelle Lernprozess der Kinder beobachtet werden, sondern auch die Selbsteinschätzung der Kinder wird verbessert. Durch die frühe Entscheidung, was die Kinder der Kindergartengruppe mit in ihr Portfolio einfügen wollten, mussten sie sich schon sehr früh selbst reflektieren und entscheiden, was ist gut und was nicht. Dadurch hatte der Erzieher die Möglichkeit zu sehen, was ein Kind gute konnte, was es dachte noch besser zu können und vor allem wie es sich ausdrücken konnte. Dies hat noch einen weiteren Zweck, denn die Kinder mussten lernen, sich selbst zu kritisieren bzw. ihre Schwächen oder Stärken erkennen und an diesen evtl. weiter zu arbeiten. Wichtig ist auch, dass die Kinder die Möglichkeit haben, während dieser Portfolioarbeit die Ergebnisse der anderen Kinder zu sehen und evtl. schon kommentieren bzw. konstruktiv kritisieren zu können.

Meiner Meinung nach ist die Bearbeitung bzw. die Entwicklung des Portfolios im Kindergartenalter ein guter Grundgedanke und sollte in jedem Kindergarten eingeführt werden. Heutzutage gibt es nichts Wichtigeres als sich selbst neutral einschätzen zu können und zu wissen, wo man steht. Viele Schüler in der fünften oder sechsten Klasse wissen nicht, was ein vernünftiges Feedback ist. Mein Praktikum in einer weiterführenden Schule hat mit gezeigt, wie schwer es Schülern der sechsten Klasse fällt, sich selbstkritisch einzuschätzen bzw. wie schwer es ihnen fällt, ihre Arbeit einzuschätzen. Ein Portfolio im Kindergarten bzw. in der Grundschule wäre der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Einführung dieser Arbeit ist im frühen Kindesalter sogar von Vorteil, da Kinder sich in diesem Alter weniger schämen etwas vorzustellen, was sie erarbeitet haben. Wahrscheinlich ist die Angst noch nicht so groß, dass man sich blamieren könnte, aufgrund einer falschen Erarbeitung.

Ein weiterer wichtiger Punkt der auch schon in dem Text von Felix Winter angesprochen wurde, ist der Aspekt des individuellen Lernens. Kinder haben die Möglichkeit frei zu wählen, was sie als nächstes bearbeiten und lernen wollen. Im Kindergarten haben die Kinder doch noch die freie Auswahl das zu tun was sie möchten, da sie sich hier nicht an einen Lehrplan halten müssen, der vorgibt, was die Kinder alles können müssen, sobald sie das Alter erreicht haben, um die Grundschule besuchen zu können. Sicherlich zielt man im Kindergarten darauf ab, soziale Kompetenzen zu vermitteln oder fachliche Kompetenzen wie zum Beispiel die Zahlen oder ähnliches zu vermitteln. Jedoch geschieht dies im Kindergarten auf freiwilliger Basis. Und nicht mit so einem starken Zwang wie in der Schule. Der Erzieher als leitende Funktion der Gruppe bietet den Kindern etwas an und diese können und werden es sicherlich auch umsetzen. Wichtig ist, dass die Arbeit der Kinder reflektiert wird, damit sie wissen, ob das was sie gemacht haben wirklich richtig ist oder, ob sie es besser machen können. Aus diesem Grund finde ich die Portfolioarbeit im Kindergarten wirklich gut. Doch leider kann ich mir nicht vorstellen, wie diese Arbeit in der Schule integriert werden soll. Ich finde den Gedanken, alle Fächer miteinander zu verbinden, sodass ein fächerübergreifender Unterricht stattfindet sehr schwierig. Außerdem ist der Lehrplan wie eben schon angesprochen ein weiterer Punkt, der mich das ganze skeptisch betrachten lässt. Diese freie Arbeit, wie sie im Kindergarten vorhanden war, kann hier nicht mehr entstehen und somit wird den Schülern das Thema aufgezwungen, sie bearbeiten es und was passiert dann? Muss diese Arbeit dann nicht bewertet in irgendeiner Form bewertet werden? Im Kindergarten ist dies einfacher. Hier braucht man keine Noten geben um zu sehen, ob ein Kind große Fortschritte gemacht hat oder nicht. Ich stelle mir die Frage, ob man dies in der Schule genauso sehen kann. Vielleicht kenne ich das Notensystem einfach schon zu lange und es hat sich bei mir so eingebrannt, dass ich einer anderen Möglichkeit gar nicht die Chance gebe sich zu entfalten. Allerdings habe ich keine Idee einer anderen Möglichkeit, was mich gerade ziemlich traurig stimmt, denn wie ich auch schon in den Texten zuvor erwähnt habe, finde ich das Schubladendenken, gerade im Bezug auf die Schüler überhaupt keine richtige Lösung und ein neuer Ansatz sollte geschaffen werden.

 

Diana Wieden-Bischof, Elisabeth Schallhart: Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen (Praxisbericht). In: Bildungforschung. Ausgabe 2007. Jahrgang 4, Ausgabe 1,Schwerpunkt “Frühes Lernen” (hrsg. von Ursula Carle & Diana Wenzel)

 

Vortrag - Peter Baumgartner und Klaus Himpsl

Der Vortrag „Implementierungsstrategien für (e)Portfolios an (österreichischen) Hochschulen“ klärt über die Forschung zu (e)Portfolios auf. Peter Baumgartner definiert hier erst mal klar, was (e)Portfolios sind, denn so wie er sagt, versteht man unter (e)Portfolios alles, aber auch nichts. Er möchte nicht, dass das Portfolio als etwas Besonderes angesehen wird, sondern als eine ganz normale Sammelmappe in der man Artefakte bzw. Selbsterstelltes sammeln kann. Einzig und allein die Digitalität der (e)Portfolios sind laut Baumgartner von Vorteil. Durch diese, ist es nämlich möglich die verschiedenen Zugänge der Nutzer, die sich das Portfolio anschauen wollen, zu steuern. Es hat also viele verschiedene Funktionalitäten. Während die eine Person sich nur wenige Teile meines Portfolios anschauen kann, kann man einer anderen Person einen vollständigen Zugriff auf das Portfolio geben und sie kann alles sehen. Das heißt, dass ein (e)Portfolio äußerlich keine andere Struktur hat, wie eine normale Website die dann aber erweiterte Funktionen hat. Baumgartner stellt mit einer Grafik dar, dass ein (e)Portfolio verschiedene Gesichter haben kann und man sich immer die Frage stellen sollte, was sich hinter diesem Portfolio alles verstecken kann. Im Weiteren geht Baumgartner auf die Forschung des Portfolios an Hochschule ein. Während dieser Forschung war es nur schwer zu „echten“ Daten zu kommen, da die verschiedenen Universitäten die Daten aufgrund von Datenschutz nicht rausgeben wollten. Allerdings geht Baumgartner davon aus, dass es eher daran lag, dass die Universitäten sich nicht in die Karten schauen lassen wollten, in welchem Ausmaß sie die Portfolioarbeit in ihre Seminare mit einbeziehen. Im weiteren Verlauf des Vortrags bezieht sich Baumgartner mit Hilfe einer Grafik auf die verschiedenen Portfoliotypen.

Aus: Baumgartner, Peter, Himpsl, Klaus und Zauchner, Sabine (2009). Einsatz von E-Portfolios an (österreichischen) Hochschulen: Zusammenfassung - Teil I des BMWF-Abschlussberichts “E-Portfolio an Hochschulen”: GZ 51.700/0064-VII/10/2006. Forschungsbericht.Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien,
Donau Universität Krems.

Baumgartner schätzt das das Reflexionsportfolio für die Pädagogik am wichtigsten ein. Seiner Meinung nach ist das wichtigste an einem Portfolio, wem es gehört. Gehört es der Person oder der Institution? Denn das ist die Gewalt darüber, was mit dem Portfolio gemacht werden darf usw.

Nachdem Baumgartner seinen Vortrag beendet hat, meldet sich Klaus Himpsl zu Wort, der eine wichtige Aufklärung über E-Portfolio Software betreibt. Mindestens genauso wichtig ist aber im weiteren Verlauf des Vortrags, dass er darauf eingeht, welche Software für welches Portfolio verwendet werden kann. Es gibt vier Strategiemodelle auf die Himpsl sich bezieht.

  1. – Entwicklungsportfolio (Kompetenzportfolio)
  2. – Reflexionsportfolio (Lernportfolio)
  3. – Beurteilungsportfolio (Präsentationsportfolio)
  4. – Hochschulweite Strategie - > Die Benutzung der zuvor genannten Modellen des Portfolios

Während des Vortrags ist mir noch einmal ziemlich deutlich geworden, welche verschiedenen Formen von Portfolios es gibt. Ich habe de, Vortrag gespannt zugehört und mir sind einige Inhalte noch deutlicher geworden.

Thomas Häcker: Portfolio – ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens

In seinem Text: Portfolio – ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens geht Häcker auf den Begriff der Selbststeuerung sowie den der Selbstbestimmung ein. Doch was heißt Selbststeuerung eigentlich? Selbststeuerung bedeutet nach Häcker „Mitbestimmung im Lernen“ (vgl. Häcker 2007 S. 64/65). Das heißt also, dass der Lernende mitbestimmt, welches Thema er bearbeitet, wie er dieses Thema bearbeitet und wo er es bearbeitet. Aber nicht nur das, er soll auch selbst entscheiden, mit wem er arbeitet und wann er die zu bearbeitenden Aufgaben erledigt. Weiter kann der Lernende frei entscheiden, mit welchen Methoden und Medien er seine Aufgaben bearbeitet. Während die Selbststeuerung dem Lernenden wirklich viele Freiheiten bietet, bezieht sich die Selbstbestimmung auf das Mitbestimmen der thematischen sowie inhaltlichen Aspekte (vgl. Häcker 2007, S.64). Die Selbstbestimmung stellt immer Ausdruck und Ziel menschlicher Freiheit dar. Das heißt, dass sie das Handeln nach eigener Vorstellung erwartet. Für Häcker ist die Unterscheidung der beiden Begriffe von großer Bedeutung. Im weiteren Verlauf des Textes trifft Häcker eine Aussage darüber, wie wichtig es ist, dass die Lernenden zwar entscheiden dürfen mit welcher Methode sie eine Aufgabe bearbeiten und wie sie dies tun und somit auch selbstbestimmend wären, dass es jedoch nicht von Vorteil wäre, wenn sie selbst entscheiden könnten, was sie lernen oder bearbeiten, da sie nicht wissen würden, was relevant sei und was nicht. Mit dieser Aussage hat Häcker mich überzeugt. Ich denke, dass Schülerinnen und Schüler sich gar nicht darüber bewusst sind, was für ihren weiteren Lebensweg relevant ist und was nicht. Sicher denken sie sich im ersten Moment immer, dass alles was der Lehrer als Thema vorbereitet unnütz sei, dennoch werden sie es später gebrauchen können. So erging es mir früher mit dem Dreisatz. In meiner Schulzeit dachte ich, wofür brauche ich den Quatsch? Wieso muss ich wissen, wie viel Prozent 20 Kirschen von 50 Kirschen sind? Heutzutage weiß ich aber, dass ich den Dreisatz immer gebrauchen kann. Es ist wirklich relevant, dass der Lehrende den Lernenden vorgibt, was für sie notwendig ist, damit sie sich ihre Lernziele vernünftig abstecken. Manchmal ist man sich als Lernender nicht bewusst, wie relevant manche Themen sind und aus diesem Grund sollte man auf diese aufmerksam gemacht werden. Dennoch sollte die lehrende Person darauf achten, dass es nicht zu fehlender Motivation sowie anderen ablenkenden Erscheinungen kommt (vgl. Häcker 2007, S. 72). Dies kann zum Beispiel dadurch zustande kommen, dass der Lernende während der Arbeit am Portfolio für alles verantwortlich gemacht wird. Hat er Erfolg, wird er gelobt. Misslingt ihm etwas, wird er kritisiert.

Spannend ist auch der Vergleich der Portfolioarbeit einer Hauptschul- sowie Gymnasialklasse. In beiden Klassen sagten etwa zwei Drittel der Schüler, dass der Schwierigkeitsgrad zur Bearbeitung des Portfolios gerade richtig war. So ist hier kein großer Unterschied zu erkennen. Ich denke, dass es berechtigt ist, wenn man sagt, dass dieses Portfolio für schwächere Schüler sogar von Vorteil wäre, da diese das Arbeitstempo selbst bestimmen könnten und nicht Angst haben müssten von der ganzen Klasse angestarrt zu werden, wenn sie etwas Falsches sagen. 89% der Hauptschüler empfanden die Erarbeitung eines Portfolios als sinnvoll und hoben sich somit stark von der Prozentzahl der Gymnasiasten ab. Dennoch waren sich beide einig, dass das Erlernen von Überblick und Ordnung sowie der Lernstrategie bei der Erarbeitung des Portfolios von großem Vorteil ist (vgl. Häcker 2007, S. 78). Genauso konnten die Schülerinnen und Schüler beider Schularten genau definieren, dass ihnen die Erarbeitung des Portfolios überhaupt nichts brachte, als ihr Freiraum zu stark eingeschränkt wurde und sie bemerkten, dass die Bearbeitung des Portfolios nicht dringend erforderlich war bzw. dringend erforderlich schien. Dennoch finde ich es als zwingend erforderlich auch Schüler und Lernende in den Prozess des Portfolios einzubeziehen und sie nach ihrer Meinung zu fragen, denn nur, wenn die Bearbeitung des Portfolios bei den Lernenden und Schülern ankommt, kann ein Nährboden für die kleine noch nicht in der Gesellschaft etablierte Pflanze entstehen.

 

Literatur: Häcker, Thomas (2007): Portfolio- Ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens. In: Michaela Gläser-Zikuda, Tina Hascher (Hrsg.), Lernprozesse dokumentieren, refektieren, beurteilen. Lerntagebuch und Portfolio in Bildungsforschung und Bildungspraxis. Bad Heilbrunn, Klinkhardt. S. 63-85

 

 

Felix Winter: Portfolios zur Individualisierung des Lernens und des Beurteilens

In seinem Vortrag beschäftigt Winter sich mit den verschiedenen Arten des Portfolios, der Individualisierung des Lernens durch das Portfolio und den verschiedenen Ebenen des Bildungssystems. Immer wieder spricht Winter bezugnehmend auf das Portfolio von einer kleiner wachsenden Pflanze, welche sich nur dann richtig entwickeln kann, wenn ihr genügend Nährboden zur Verfügung steht, durch den sie wachsen kann (vgl. Winter 2008, S. 8). Winter ist der Meinung, dass der Vorteil des Portfolios noch nicht richtig erkannt wurde und das Potenzial noch nicht ausgeschöpft sei (vgl. Winter 2008, S.9). Er nimmt deutlich Stellung zu der Individualität des Lernens durch das Portfolio. Es ist wichtig, dass nicht nur die Lehrer vertretend für die Schüler planen, was im Unterricht an wichtigster Stelle steht, sondern dass eine gemeinsame Planung stattfindet, an der sich Schülerinnen und Schüler beteiligen können. Die Portfolioarbeit soll Schülerinnen und Schüler dazu bringen, selbstständig zu lernen, kommunikativ zu werden, sich selbst zu reflektieren, individuell zu arbeiten etc. Im Vordergrund der Portfolioarbeit steht die freie Entfaltung der Schüler. Hier geht es darum, das Ziele formuliert und Rahmenbedingungen festgelegt werden. Das heißt, dass die Schüler sich eigene Ziele stecken, die sie durch selbst entwickelte Lernwege erreichen können. Durch das Portfolio könnte das eingefahrene Notensystem wegfallen. Doch wenn durch das Portfolio dieses Notensystem verschwindet, frage ich mich, wie eine individuelle Leistung dann bewertet werden soll. Außerdem geht Winter in seinem Vortrag auf die verschiedenen Ebenen des Bildungssystems ein. Er spricht die Makro- sowie die Mikroebene des Bildungssystems an. Die Makroebene zeigt, dass sich das Bildungssystem immer noch darauf versteift, den Schülern die Kernfächer nahe zu legen, um die Qualität der schulischen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, damit diese besser für das spätere Leben vorbereitet sind (vgl. Winter 2008, S. 1). Die Mikroebene bezieht sich im Gegensatz zur Makroebene eher auf das individuelle Lernen. Das heißt, der offene Unterricht soll weiter gefördert und verbessert werden, damit die Kinder selbstständig und kooperativ lernen können (vgl. Winter 2008, S.1).

Ich durfte in meiner Schulzeit zwar durch die Bearbeitung von Arbeitsplänen sehr individuell lernen und arbeiten würde aber nicht sagen, dass dies schon eine reine Portfolioarbeit war. Sicherlich waren wir immer frei und individuell in der Bearbeitung unserer Arbeitspläne aber im Endeffekt ist es immer wieder darauf hinausgelaufen, dass wir diese Arbeitspläne bearbeitet haben und diese bearbeiteten Pläne dann benotet worden. Doch ich frage mich, warum das Portfolio noch nicht intensiver in die Schule integriert wurde. Ich habe für mich festgestellt, dass man aus seinen Fehlern am meisten lernt und gerade durch die Erarbeitung eines Portfolios, kann man viel über sich selbst, sowie die Thematik lernen. Ich glaube jedem Schüler würde es gut tun, sich selbst reflektieren zu können.

Doch durch das bestehende Notensystem, welches einem jedem Lehrer, Schüler, Elternteil und Arbeitgeber bekannt ist, kann sich das Portfolio wahrscheinlich nicht durchsetzen. Ein jeder weiß, dass man seine Leistung anhand der Noten vergleichen kann und es hierfür eine klare Vorgabe gibt, mit der man Schülerinnen und Schüler einstufen kann. Ich persönlich finde die Vorstellung meine Schüler später in Schubladen einzustufen nicht sehr professionell. Jedoch kann ich mir momentan auch keine andere Lösung vorstellen. Sollte man Portfolios bewerten und wenn ja, wie bewertet man sie dann? Auf diese Frage kann auch der Vortrag von Felix Winter mir keine Antwort geben. Ich glaube auch, dass genau hier die Problematik der Portfolioarbeit bestehen kann.

Durch den anstehenden Generationswechsel der Lehrer wird es sicherlich dazu kommen, dass individuelles Lernen weiter in den Vordergrund gerückt wird und dass das Portfolio stärker in den Schulen eingesetzt wird und sein Nährboden wächst. Es gibt viele positive Punkte, die ein Portfolio ausmachen. Schüler sichern ihre Ergebnisse, können diese präsentieren und reflektieren ihre Arbeit. Dies sind alles Punkte, die im späteren Arbeitsleben sicher auf die Schüler und Schülerinnen wartet.

Winter, Felix (2008): Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens. Vortrag zur Eröffnung der gleichnamigen Tagung der ÖFEB-Sektion „Schulforschung und Schulentwicklung“ am 6. 6. 2008 in Linz.