Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen – Diana Wieden-Bischof, Elisabeth Schallhart
Der Praxisbericht „Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen“ informiert über eine Portfolioarbeit, die in einer Kindergartengruppe am Achensee in Tirol im Herbst 2006 stattfand. Da man in den Anfängen des Projekts war, wollte man gute, qualitative Ergebnisse sichern und sich über die Ziele sowie die Herangehensweisen klarer werden. Aus diesem Grund entschied sich die Erzieherin zufällig für zwei Mädchen und zwei Jungen aus der Gruppe der „Elefantengruppe“, die an diesem Projekt teilnehmen sollten.
Abbildung 1: Die fünf wichtigsten Prozesse im Arbeiten mit (e) Portfolios (nach Hilzenhauser & Hornung- Prähauser 2005)
An diesem Raster orientierte sich die Erzieherin des Kindesgartens Murach. Sie versuchte hiermit die Ziele der Portfolioarbeit klar abzustecken (vgl. Wetzel & Carle 2007, S.2), außerdem kann es den Kindern helfen, die eigene Lernleistung abzuschätzen. Durch den Einsatz von Portfolios im Kindergarten kann nicht nur der individuelle Lernprozess der Kinder beobachtet werden, sondern auch die Selbsteinschätzung der Kinder wird verbessert. Durch die frühe Entscheidung, was die Kinder der Kindergartengruppe mit in ihr Portfolio einfügen wollten, mussten sie sich schon sehr früh selbst reflektieren und entscheiden, was ist gut und was nicht. Dadurch hatte der Erzieher die Möglichkeit zu sehen, was ein Kind gute konnte, was es dachte noch besser zu können und vor allem wie es sich ausdrücken konnte. Dies hat noch einen weiteren Zweck, denn die Kinder mussten lernen, sich selbst zu kritisieren bzw. ihre Schwächen oder Stärken erkennen und an diesen evtl. weiter zu arbeiten. Wichtig ist auch, dass die Kinder die Möglichkeit haben, während dieser Portfolioarbeit die Ergebnisse der anderen Kinder zu sehen und evtl. schon kommentieren bzw. konstruktiv kritisieren zu können.
Meiner Meinung nach ist die Bearbeitung bzw. die Entwicklung des Portfolios im Kindergartenalter ein guter Grundgedanke und sollte in jedem Kindergarten eingeführt werden. Heutzutage gibt es nichts Wichtigeres als sich selbst neutral einschätzen zu können und zu wissen, wo man steht. Viele Schüler in der fünften oder sechsten Klasse wissen nicht, was ein vernünftiges Feedback ist. Mein Praktikum in einer weiterführenden Schule hat mit gezeigt, wie schwer es Schülern der sechsten Klasse fällt, sich selbstkritisch einzuschätzen bzw. wie schwer es ihnen fällt, ihre Arbeit einzuschätzen. Ein Portfolio im Kindergarten bzw. in der Grundschule wäre der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Einführung dieser Arbeit ist im frühen Kindesalter sogar von Vorteil, da Kinder sich in diesem Alter weniger schämen etwas vorzustellen, was sie erarbeitet haben. Wahrscheinlich ist die Angst noch nicht so groß, dass man sich blamieren könnte, aufgrund einer falschen Erarbeitung.
Ein weiterer wichtiger Punkt der auch schon in dem Text von Felix Winter angesprochen wurde, ist der Aspekt des individuellen Lernens. Kinder haben die Möglichkeit frei zu wählen, was sie als nächstes bearbeiten und lernen wollen. Im Kindergarten haben die Kinder doch noch die freie Auswahl das zu tun was sie möchten, da sie sich hier nicht an einen Lehrplan halten müssen, der vorgibt, was die Kinder alles können müssen, sobald sie das Alter erreicht haben, um die Grundschule besuchen zu können. Sicherlich zielt man im Kindergarten darauf ab, soziale Kompetenzen zu vermitteln oder fachliche Kompetenzen wie zum Beispiel die Zahlen oder ähnliches zu vermitteln. Jedoch geschieht dies im Kindergarten auf freiwilliger Basis. Und nicht mit so einem starken Zwang wie in der Schule. Der Erzieher als leitende Funktion der Gruppe bietet den Kindern etwas an und diese können und werden es sicherlich auch umsetzen. Wichtig ist, dass die Arbeit der Kinder reflektiert wird, damit sie wissen, ob das was sie gemacht haben wirklich richtig ist oder, ob sie es besser machen können. Aus diesem Grund finde ich die Portfolioarbeit im Kindergarten wirklich gut. Doch leider kann ich mir nicht vorstellen, wie diese Arbeit in der Schule integriert werden soll. Ich finde den Gedanken, alle Fächer miteinander zu verbinden, sodass ein fächerübergreifender Unterricht stattfindet sehr schwierig. Außerdem ist der Lehrplan wie eben schon angesprochen ein weiterer Punkt, der mich das ganze skeptisch betrachten lässt. Diese freie Arbeit, wie sie im Kindergarten vorhanden war, kann hier nicht mehr entstehen und somit wird den Schülern das Thema aufgezwungen, sie bearbeiten es und was passiert dann? Muss diese Arbeit dann nicht bewertet in irgendeiner Form bewertet werden? Im Kindergarten ist dies einfacher. Hier braucht man keine Noten geben um zu sehen, ob ein Kind große Fortschritte gemacht hat oder nicht. Ich stelle mir die Frage, ob man dies in der Schule genauso sehen kann. Vielleicht kenne ich das Notensystem einfach schon zu lange und es hat sich bei mir so eingebrannt, dass ich einer anderen Möglichkeit gar nicht die Chance gebe sich zu entfalten. Allerdings habe ich keine Idee einer anderen Möglichkeit, was mich gerade ziemlich traurig stimmt, denn wie ich auch schon in den Texten zuvor erwähnt habe, finde ich das Schubladendenken, gerade im Bezug auf die Schüler überhaupt keine richtige Lösung und ein neuer Ansatz sollte geschaffen werden.
Diana Wieden-Bischof, Elisabeth Schallhart: Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen (Praxisbericht). In: Bildungforschung. Ausgabe 2007. Jahrgang 4, Ausgabe 1,Schwerpunkt “Frühes Lernen” (hrsg. von Ursula Carle & Diana Wenzel)