http://footage.shutterstock.com/clip-%20%204023043-stock-footage-young-female-student-with-smartphone-in-the-city.html?src=search/B3WQS-YlEafn7PgbJkfnkQ:2:39
Fast jeder von euch besitzt ein Smartphone, richtig? Wusstet ihr, dass ihr damit zu einer gewaltigen Masse an digitalen Daten beiträgt? Alleine im Jahr 2011 sind 3/4 des gesamten Volumens in Höhe von 1,8 Billionen Gigabytes uns, den normalen Verbrauchern, zugeschrieben!
Nennenswerte “Datensammler” sind YouTube (hier werden täglich ca. vier Milliarden Videos weltweit gestreamt, wobei Nutzer im Durchschnitt in jeder Sekunde eine Stunde Video hochladen!) und Facebook (an einem Tag wird alleine 2,7 Milliarden mal der Button “Gefällt mir” gedrückt!). http://www.seo-analyse.com/seo-lexikon/g/gefaellt-mir-button/
Innerhalb dieses Eintrages werde ich darauf eingehen, wo der Prozess der Umwandlung von Small Data in Big Data heutzutage überall stattfindet. Über Open Data und Open Government gelange ich schließlich zum sogenannten “Quantifizierten Ich” und beziehe Stellung zu seinen Vor- und Nachteilen. Ich hoffe, dieser Beitrag bestärkt euch in eurem Medien-Bewusstsein und Handeln, wie es auch bei mir der Fall war! (Meine hauptsächliche Quelle ist http://www.lfm-nrw.de/fileadmin/lfm-nrw/nrw_digital/Publikationen/DK_Big_Data.pdf, S.16-23)
Wie viele Daten in etwa pro Tag über Facebook gesammelt werden, könnt ihr euch ja schon anhand meines Beispiels mit den “Gefällt mir”-Buttons vorstellen. So gesehen ist jede Aktion, die wir auf Facebook durchführen (sei es das Hochladen eines Fotos, das Versenden einer Nachricht) eine Form des Small Data. Diese ganzen Informationen sind in Facebook’s Webprotokollen gespeichert und werden auf Verhaltensmuster untersucht. Diese werden, wie weltweit bekannt, an Dritte verkauft - ein tolles Beispiel für die Entwicklung von Big Data!
Bei YouTube sind die einzelnen, hochgeladenen Videos als Small Data anzusehen. Hier wirkt Big Data in Form von einer Software, die zum Beispiel von den Nutzern publizierte urheberrechtlich geschützte Musik sperrt und die Zahlung von Tantiemen an die Künstler in die Wege leitet. Außerdem kann diese Software den Jugendschutz gewährleisten. Eine Arte von Ausnutzung dieser Big Data ist in diesem Fall das Einschalten von Werbung bei oft gesehenen Videos.
Euch ist sicherlich schon aufgefallen, dass bei bestimmten Fernsehsendungen immer die zum Thema passenden Werbespots laufen: Algorithmen sind hier die Form von Big Data!
Unsere Suchbegriffe, die wir bei Google eingeben, gelten als Small Data. Aber warum werden uns bei neuen Suchaufträgen erst einmal die zuletzt gesuchten vorgeschlagen? Dies ist ebenfalls ein Prozess der Big Data. Doch auch bei Routenberechnungen wird Google in Form von Big Data tätig: Über GPS-Sensoren unseres Smartphones kann unser exakter Standort bestimmt werden und somit kann Google die schnellste Route auf Anhieb für uns finden, ohne dass wir den Startpunkt angeben müssen. Auch der Tag und die Uhrzeit spielen hier für die Berechnung der besten Verkehrsverbindung eine Rolle. Des Weiteren nutzt Google Smartphone-Nutzer als “stumme Bewegungsmelder”, mit Hilfe dessen Staus erkannt und somit alternativ-Routen vorgeschlagen werden können.
Neben dem bekannten GPS-Sensor verfügen unsere Smartphones über etliche mehr. Hier eine Demonstration anhand des Galaxy S4:
Um auf einen großen Vorteil von Big Data zu kommen, ist ein Forschungsbeispiel aus Kenia zu nennen: Hier haben Forscher die Bewegungsdaten von 15 Millionen Handys über ein ganzes Jahr ausgewertet und diese Koordinaten mit jedem Anruf oder SMS verknüpft. Wenn jetzt zum Beispiel jemand der an Malaria erkrankt ist seine Eltern zur Information anruft, wird kontrolliert wo sich dieser Jemand hinbewegt. Nun kann das Reiseverhalten der Bürger mit der Verbreitung von Malaria-Fällen abgeglichen werden und optional die Ausgangspunkte der infizierten Menschen gefunden werden. Eine stark abgeschwächte Version dieser Prognostik führt Google durch, indem es bei jeder Suchanfrage z. B. zu dem Thema Grippe diese geografisch und zeitlich bündelt - Ziel ist es den Verlauf einer Epidemie zu verfolgen und dahingegen Prognosen zu treffen. Ich bin was diese Methode angeht sehr skeptisch eingestellt, da sobald ein paar Schüler z. B. mit dem Wort “Bronchitis” für ein Referat recherchieren, diese Prognose schon wieder verfälscht ist. Jedoch scheinen diese Suchanfragen als Quote in der Auswertung berücksichtigt zu sein, denn diese von Google erforschten Verläufe stimmen größtenteils mit denen der real gemeldeten Grippefällen überein. Das zeigt auch diese Statistik:
Über den Link dieser Grafik gelangt man auch zu einem Video, welches diesen Prozess noch einmal genauer erläutert (allerdings auf Englisch). Weitere Informationen (und dieses Mal auf deutsch) findet ihr unter http://www.google.org/flutrends/intl/de/about/how.html. Ein sehr spannendes Thema wie ich finde!
Wenn nun diese ganzen Daten, die aus Big Data hervorgehen, für alle und jeden zugänglich sind sprechen wir von “Open Data“. Das bedeutet, dass diese nicht mehr durch Firmen und Regierungen monopolisiert werden und wir als Normalverbraucher einen ungehinderten und kostenlosen Zugriff auf diese Daten haben. Mit diesen offenen Daten können neue praktische Anwendungen entwickelt werden, wie z. B. lebendige Stadtpläne mit denen jeder Nutzer die Menschenfülle oder den Lärm an einem bestimmten Ort einsehen kann. Dies geschieht ebenfalls über unsere bereits erwähnten Smartphone-Sensoren. Ein israelischer Navigationsanbieter hat sogar einen digitalen Atlas entwickelt zu dem jeder, der zum ersten Mal eine bestimmte Strecke abgeht/abfährt, einen neuen Beitrag schafft.
Bei Open Government spricht man von der Offenlegung bestimmter Daten wie z.B. Kriminalitätsstatistiken, die neben Polizeiberichten in mobilen Apps dargestellt werden und uns somit wissen lassen, wo wir nachts besser nicht alleine lang gehen sollten. Ebenso sind Grundbucheinträge über bestimmte Kommunen und deren Bewertungen der dort vorhanden sozialen Einrichtungen wie KiTa und Schule mittlerweile veröffentlicht und soll z. B. Familien bei der Wohnortssuche helfen.
http://www.focus.de/fotos/metria-ist-ein-vernetztes-pflaster-ueber-sensoren-die-die-oberflaechenspannung-der-haut-messen-ermittelt-es-puls-temperatur-und-schrittzahlen_id_3417984.html
Sicherlich ist euch schon einmal das Schrittzählmessgerät auf eurem Smartphone begegnet. Doch wusstet ihr, dass mittlerweile unsere Temperatur, Sauerstoffsättigung und Blutwerte über vernetzte Pflaster oder Mikronadeln gemessen werden können, die wir dann anschließend auf unserem Smartphone ablesen können?
Diese Messung der sportlichen Aktivität und Vitaldaten mündet in die Sammlung, Auswertung und Teilung von Daten über den eigenen Körper und das eigene Leben - es entsteht ein “Quantifiziertes Ich“! Natürlich hat dies den ein oder anderen Vorteil: Volkskrankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit können leichter untersucht werden, ebenso sind Forschungen im Bereich des Verhaltens von Bevölkerungsgruppen unter Einfluss bestimmter Parameter möglich. Anstelle von ewig andauernden Datenerfassungen, die zum richtigen Zeitpunkt dann wieder “alt” sind, sind diese erhobenen Daten frisch und sehr vielfältig einsetzbar. Der Nachteil des quantifizierten Ich’s könnte in Form der gemessenen Vitaldaten zur Diskriminierung bei der Einstellung von Mitarbeitern führen: Dadurch dass diese Daten für alle öffentlich gemacht werden und somit auch für den Arbeitgeber zugänglich sind, können zum Beispiel die Daten des Bewerbers genutzt werden um Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Erkrankungen zu errechnen.
Abgesehen von vitalen Daten sind dem Arbeitgeber und jedem anderen Interessierten alle erstellten Daten von einzelnen Personen zugänglich: Es weiß doch jeder, dass bei Bewerbungen erst einmal das Internet nach gesammelten Daten über die Person durchsucht wird und dies ist sicherlich schon vielen zum Verhängnis geworden! Ich sehe Big Data als einen großen Vorteil für die medizinischen Entwicklungen und Erleichterungen im Alltag, jedoch mit einem großen Zeigefinger: Vor allem die Signale der GPS-Sensoren sehe ich als sehr risikoreich speziell für Jugendliche, da diese natürlich auch von Kriminellen eingesehen werden können und es z. B. eine Verfolgung erheblich erleichtert. Für uns als angehende Eltern, sehe ich dieses als sehr gefährlich an. In unserem Alter ist schließlich jeder im Stande, selbst über die Veröffentlichung von Daten, die er produziert, zu entscheiden. Um ganz sicher zu gehen, müsste man sein Smartphone verkaufen und auf ein recht ursprüngliches Handy zurückgreifen - dachte ich zumindestens! Aber selbst diese haben schon Sensoren, über die wir unter anderem geortet werden können! Hiermit möchte ich jeden von euch ermuntern, sich mal über seinen eigenen Data-Load bewusst zu werden und welche positiven oder negativen Konsequenzen dieser haben könnte!
