Reflexion-Fazit-Rückblick

Wie wir im Verlaufe des Seminars gelernt haben gehört zu jedem Portfolio eine Reflexion. Da dies der letzte Blogeintrag sein wird, folgt hier auch die Reflexion. Allerdings möchte ich nicht nur eine Reflexion schreiben sondern auch einen kurzen Rückblick und ein Fazit geben.

Rückblick:

Das Seminar “Techniken des Selbst: ePortfolio” hat sich rückblickend in drei Teilthemen gegliedert:

Als erstes haben wir uns allgemein mit dem ePortfolio beschäftigt. Die Texte von Winter, Münte-Goussar, Baumgartner und Othmer/ Weich bildeten die Einführung und Vertiefung in das Thema ePortfolio. Hier wurden die grundlegenden Eigenschaften der elektronischen Sammelmappe besprochen. Schlagworte waren hier: Individualität, Selbststeuerung und lebenslanges Lernen. Baumgartner gliederte die verschiedenen Bereich in einem Klassifikationsschema (Taxonomie), welches die unterschiedlichen Arten des Portfolios verdeutlichte und strukturierte. Der Text von Othmer und Weich machte deutlich, dass Medien ein unverzichtbares Element von Bildungsprozessen -und Institutionen sind. Klar wurde hier auch, dass Facebook und ePortfolios eine gewisse Ähnlichkeit haben, da beide auf das Profil des Selbst und der kontinuierlichen Verbesserung der Selbstdarstellung aus sind.

Danach folgten Texte zum Neoliberalismus und wie sich dieser im Portfolio wieder spiegelt. Häcker machte dutlich, dass das neoliberal Denken und das ökonomische Selbst mit dem Portfolio gefördert werden und das dabei soziale Aspekte auf der Strecke blieben. Bourdieu beschrieb die Auswirkungen des Neoliberalismus an Amerika und erklärte die Philosophie des Neoliberalismus am Beispiel des Gesundheitssystem in Amerika. Bröckling beschrieb die Entstehung des Subjekts und des “unternehmerischen Selbst”. Bröckling machte deutlich, dass unser Handeln von Anderen beeinflusst wird, da wir nach Anerkennung und Aufmerksamkeit streben. Danach folgte der Text von Rabenstein, der dann auch die Überleitung zum dritten Bereich darstellte. Rabenstein führte Foucault ein und ging davon aus, dass sich jedes Subjekt heute selbst manged.

Danach folgte der wohl schwierigste Teil des Seminars: Die klassische Sicht auf das neuartige Portfolio. Hier haben wir, 3 Texte die sich auf Foucault bezogen oder von ihm selbst geschrieben waren, gelesen.

Reflexion:

Dadurch, dass wir 3 verschiedene Bereiche zum Thema Portfolio behandelt haben, hat man ein sehr guten Einblick bekommen. Am Anfang war ich nicht überzeugt von der Methode des Portfolios. Die Idee dem Schüler mehr Freiraum für seine Individualität zu geben fand ich sehr gut, dennoch war mir nicht klar, wie man das in den Schulalltag einbauen kann und schließlich auch zu benoten. Die Texte machten deutlich, dass das Portfolio sehr vielseitig einsetzbar ist und nicht nur an den Bereich der Schule gebunden ist. Dennoch wurde durch die Texte bezüglich des Neoliberalismus auch die Gefahr des Portfolios beleuchtet. Die Individualität steht zwar deutlich im Vordergrund, dennoch möchte man sich selbst auch möglichst gut vermitteln und darstellen, sodass man hier bei vielleicht soziale Aspekte die in anderen Unterrichtsformen gefördert werden, vergisst. Besonders beeindrucken fand ich es, dass das Portfolio gar nichts “Neues” ist. In Form der Hypnomênata existiert das Portfolio schon lange auch ohne Elektronik und das World Wide Web.

Fazit:

Jetzt bin ich eine Portfolio-Expertin und kann mich nach meinem Studium für das Referendariat in Hamburg bewerben

Die einzige Frage die für mich immer noch offen ist, ist:

Wie soll ich das Portfolio, welches eine individuelle Arbeit des Schüler ist, bewerten?

Michel Foucault- Über sich selbst schreiben

Der Text “Über sich selbst schreiben” von Michel Foucault gehört zu der Reihe der Studie “Künste des Selbst“. Am Anfang des Textes befasst sich Foucault mit verschiedenen Philiosophen, die sich mit dem ethopoetischen Schreiben befassen. Dieses ethopetoische Schreiben ließ aber die bereits bestehenden Formen der hypomnêmata und die Korrespondenz außen vor. Mit diesen beiden Techniken beschäftigt er sich im weiteren Verlaufe des Textes näher.

Hypomnêmata

Die Hypomnêmata im eigentlichen Sinne sind: Rechnungsbücher, öffentliche Register oder auch private Gedächtnisbücher- kurz Notizbücher. Diese Notizbücher sollen durch die Sammlung von Erfahrungen und Gedanken als Lebenshilfe und als Verhaltensanleitung dienen. Es fungiert als materielles Gedächtnis für Gelesenes, Gehörtes und Gedachtem und repräsentiert somit einen Schatz an Wissen und Gedanken. Dieses Gesammelte soll dazu dienen, mit Schwächen oder Schwierigkeiten umzugehen. Um wirklich eine hilfreiche Stütze zu haben, sollte man dieses Notizbuch ständig mit sich führen und es ständig weiter führen. Allerdings darf man diese Bücher nicht als reine Tagebücher oder Selbstdarstellungen ansehen, da sie Gesagtes fest halten und Gehörtes und Gesehenes sammeln. Die Hypomnêmata dient der Konstituierung des Selbst und kann als Rahmen für die Übung der Selbstbildung angesehen werden. Die Hypomnêmata trägt zur Selbstbildung bei, da sie:

  1. Beschränkende Wirkung der Verknüpfung von Schreiben und Lesen
    • Wirkt gegen Zerstreuung und fixiert Gedanken
  2. Geregelte und die Auswahl bestimmende Praxis des Disparaten
    • Passender und nützlicher Inhalt
    • Reflektierte Form
  3. Und die dadurch bewirkte Aneignung
    • Aus Fragmenten etwas Ganzes, eine Einheit machen
    • Durch das Schreiben, aus dem Gelesenen ein “corpus” machen
    • Bzw. unseren Körper und unsere Seele bilden
    • Identität bilden

    Diese persönliche Übung des Schreibens führt also dazu, dass wir uns zu einer Einheit bilden und unsere Identität weiter ausprägen. Dabei formen wir auch unsere Seele und bilden sie weiter.

(Abb. 1.: Notizbuch http://www.zeitzuleben.de/zzlwp1892/wp-content/uploads/2012/05/tagebuch.png)

Die Korrespondenz

Der Brief (Korrespondenz) dient auch der persönlichen Übung. Nach Seneca ist das so, da wir beim Schreiben lesen was wir schreiben. Dieser Schreibvorgang wirkt ebenso auf den Verfasser ein, wie auch auf den Empfänger. Durch das Erteilen von Ratschlägen in einem Brief übt auch der Verfasser, da er in einer ähnlichen Situation, durch seine vorangegangen Ratschläge, ähnlich reagieren kann. Darüberhinaus dient der Brief der Kommunikation, er bietet also den Rahmen für einen Austausch. Darüberhinaus ist der Brief eine Form sich dem Anderen gegenüber selbst darzustellen und damit auch sich selbst näher zu kommen. Der Brief trägt also ebenfalls zur Subjektivierung bei aber auch zur Objektivierung der Seele, da der wahre Diskurs im Vordergrund steht. Desweitern kann man sich in einen Brief noch einmal sein eigenes Handel vergegenwärtigen und reflektieren.

(Abb.1.: Korrespondenz http://static.freepik.com/fotos-kostenlos/papiere-briefe-private-korrespondenz_3293939.jpg)

Die Korrespondenz und die Hypomnêmata haben also die Gemeinsamkeit der Subjektivierung und der Formung der Seele. Die Korrespondenz unterscheidet sich darin, dass sie auch von anderen gelesen wird und zur Selbstdarstellung dient.

Im Bezug auf das Portfolio gibt es auch hier einige Gemeinsamkeiten. Das Portfolio dient ebenfalls der Übung der Selbstfindung und dem Lernen. Darüberhinaus kann man in einem Portfolio ebenso Gedanken, Gehörtes und Gesehenes sammeln. Durch die meist digitale Form des Portfolios, kann man jeder Zeit auf das Gesammelte zurück greifen, wie es bei der Hypomnêmata der Fall ist. Es stellt also auch ein Notizbuch dar. Ebenso kann man durch die Zugänglichkeit des Portfolios für Andere den Aspekt der Korrespondenz wieder finden. Hier kann ebenfalls ein Meinungsaustausch statt finden. Das Portfolio greift also auf beiden Techniken die Foucault in seiner Studie anspricht zurück.

(Abb. 3.: Sammelmappe http://www.tichiro.net/wp-content/uploads/sammelmappe1.jpg)

 

 

Hubert L Dreyfus und Paul Rabinow: Zur Genealogie der Ethik: Ein Überblich über laufende Arbeiten

Der vorliegende Text “Zur Genealogie der Ethik: Ein Überblick über laufende Arbeiten” ist ein Interview mit Michel Foucault in Berkeley im April 1983. In dem Gespräch geht es darum, dass Foucault verschiedene von ihm geschriebene Bücher vorstellt. Dabei geht es um die Genealogie der Ethik.

“Ja, ich schreibe eine Genealogie der Ethik. Die Genealogie des Subjekts als Subjekt ethischer Handlung, oder die Genealogie des Begehrens als ethisches Problem”.

Um die Aussage von Foucault überhaupt verstehen zu können, muss man sich bewusst werden was der Begriff “Genealogie” bedeutet.

Definition Genealogie:

“Wissenschaft von Ursprung, Folge und Verwandtschaft der Geschlechter; Ahnenforschung.”( Duden- Das Fremdwörterbuch S.374)

Bezieht man diese Definition nun auf den Text, schreibt Foucault also eine Zusammenfassung und Entwicklung von der Entstehung der Ethik. Dabei bezieht er sich auf wichtige Philosophen wie Seneca, Plutarch, Platon etc. Im Allgemeinen geht es in diesem Text auch wieder um die Selbstbeherrschung des Subjektes und darum wie ein Subjekt entsteht. Dabei greift er auf das Thema der “Zweierlei Übung” zurück. Er führt hier wieder auf, dass das Subjekt sich in einem Machtfeld befindet und zu einem moralischen Handelnden wird. (S.275) Was hat das mit Ethik zu tun, wenn es doch unterschwellig um den Selbstbezug des Subjektes geht? Für Foucault ist Ethik die Art der Beziehung, also der Selbstbezug, die man zu sich selber hat.

Danach wendet sich das Interview der “hypomnemata” zu. Das “Hypomnemata” ist ein Notizbuch, welches quasi über die Generation Wissen weiter gibt. Es ist als ein materielles Gedächtnis das die Zeit überlebt zu verstehen. Dadurch entsteht ein Schatz an Wissen und Gedanken, der dazu verhilft mit Schwächen und Fehlern fertig zu werden. Dieses Buch sollte man immer zur Hand haben, damit man jegliche Gedanken, Träume etc. darin fest halten kann.

Diesen Gedanken Ideen und Wissen fest zu halten und das vor so langer Zeit, hat mich sehr beeindruckt. Hier wird einmal mehr deutlich, dass wir nicht unbedingt PCs Tablets usw. brauchen um unser Wissen zu speichern und weiter zu geben. Es benötigt einfach nur Menschen, die sich die Zeit nehmen, wichtige Dinge aufzuschreiben und weiter zu geben. Probiert man diesen Text auf das Thema “Portfolio” zu beziehen, lässt sich fest stellen, dass das Portfolio ebenfalls als Notizbuch dienen kann. Diese Methode muss ja nicht nur in der Schule eingesetzt werden, sondern eignet sich hervorragend dazu, Wissen aufzuschreiben und zu sichern. Dies muss nicht unbedingt in medialer Form geschehen, ebenso kann das gute alte Notizbuch verwendet werden.

(Abb. 1.: “Überlieferung von Wissen”- http://www.loc.gov/exhibits/heavenlycraft/images/rw738_1s.jpg)

 

 

Christoph Menke- Zweierlei Übung

In dem Text von Michael Menke geht es darum, dass Foucault in seinem Werk den Begriff der “Übung” auf zwei verschiedene Arten definiert.

” Keine Technik, keine berufliche Fähigkeit läßt sich ohne Übung (pratique) erwerben (…)”

(Abb. 1.: http://blogfarm.medienbildung-unifl.de/nelli/2013/02/11/zweierlei-ubung-zum-verhaltnis-von-sozialer-disziplinierung-und-asthetischer-existenz-von-christoph-menke/)

Das Zitat sagt aus, dass der Mensch sich ohne Übung nicht weiter entwickeln kann. Foucault unterteilt hier bei die Übung in zwei verschiedene Formen der Übung. Die 1. Übung bezieht sich auf die “Ästhetik der Existenz“, die 2. Übung auf die Gouvernementalität/ Disziplinierung. Warum definiert Foucault den Begriff der Übung also unterschiedlich, wenn beide doch das gleiche Ziel, die Weiterentwicklung des Menschens, haben? Diese Trennung kommt durch die “ethische Wende” zu Stande.

1. Übung- Askese: “Übung eines selbst durch sich selbst”

- Die erste Übung beinhaltet die Sorge um sich selbst und die “Ästhetik der Existenz”.

2. Übung als Technik des Wiederholens, der Unterschiedlichkeit und Abstufung:

- Die zweite Übung beinhaltet die Stetigkeit und den Zwang zur Verbesserung und die Steigerung der Fähigkeiten durch Wiederholen. In dieser Übung unterwirft sich das Subjekt einer Disziplinarmacht. Die Übung wird also durch Disziplin gesteuert.

Was will Foucault also mit der Terminierung “Übung” bezwecken? Es wird deutlich, dass “Übung” eine zentrale Bedeutung in der Entstehung des Subjekts hat, da ohne die Übung sich das Subjekt nicht weiter entwickelt. Doch warum definiert Foucault dann zwei unterschiedliche Begriffe zur “Übung”? Um dies verstehen zu können, muss man nach Menke erst die Gemeinsamkeiten analysiert haben und dann die Unterschiede.

Gemeinsamkeiten:

Beide Übungen sehen das Subjekt als etwas “praktisches” an und wollen beide das “Können” des Subjektes fördern.- “Etwas-Ausführen- und ein Sich-Führen-Können”. Dadurch, dass das Subjekt etwas kann, erhält es die Handlungsmacht. Dabei ist es wichtig, dass man nur das übt was man noch nicht kann um somit weiteres Können zu erwerben. Erlangt das Subjekt “Können” hat es die Macht, sich von anderen Vorgaben los zu lösen und ist somit frei. Durch die Freiheit kann das Subjekt sein Können in Wissen verwandeln. Das heißt also Macht entsteht durch Übung. Durch die Handlungsmacht die entsteht, gewinnen wir die Fähigkeit uns selbst zu führen. Wir gewinnen also durch Übung auch die Macht der Selbstführung.

Gegensätze:

Bei den beiden Übungen ist in der Praxis und im Prozess der Subjektivierung der Selbstbezug unterschiedlich. Die 1. Übung geht davon aus, dass ich übe um mein Leben besser zu führen, die 2. Übung unterwirft sich einer Disziplinarmacht. Die Disziplinarmacht will Subjekte, die sich an Normalitätsgrad orientieren und diese einhalten. Die Übung der Ästhetik will kein Subjekt schaffen das sich an Normalitätsgraden orientiert, sondern die ein Leben in Autonomie führen. Die 1. Übung fördert also die Übung der Individualisierung und die 2. Übung die Sozialisierung.

Doch was haben diese zwei unterschiedlichen Übungen jetzt mit Schule und dem Thema Portfolio zu tun? Kann man die Schule oder den Lehrer als Disziplinarmacht sehen unter den sich der SuS unterwirft? Klar ist, dass das Subjekt in der Schule übt Wissen zu erlangen um später sein Leben eigenständig führen zu können. Meiner Meinung nach wird in der Schule eher die 2. Übung vertreten. Die Schule übt mit ihren Regeln und Vorgaben eine gewisse Macht aus die der Schüler durch Übung erfüllt. Der Schüler wird dazu erzogen Normailtätsgraden zu folgen und diese zu erfüllen. Dadurch erfüllt der Schüler die soziale Norm. Beim weiteren Überlegen hat sich mir die Frage gestellt, ob das Portfolio die 1. Übung repräsentieren kann. Der Schüler lernt hier die eigenständige Organisation von Lerninhalten und erlangt so Selbstführung. Er sorgt in diesem Sinne also um sich selbst. Doch wird der Schüler hier immer noch von einem Lehrer angeleitet, sodass für mich die Frage immer noch offen bleibt, ob das Portfolio als 1. Übung gesehen werden kann.

 

 

Kerstin Rabenstein: “Kooperatives und selbstständiges Arbeiten von Schülern”

Kerstin Rabenstein beschreibt in ihrem Text den diskursanalytischen Zugang zur Fremd-und Selbstführung und bezieht sich anschließend mit verschiedenen Beispielen auf die Schüler.
Schüler sollen im Unterricht selbstständig und selbstätig arbeiten um ihre Mündigkeit zu entwickeln und die Selbstbestimmung zu fördern. Dabei geht die Pädagogoik von dem Begriff des “selbstständigen Lernens” aus. Aber ist diese Vorstellung heute noch zeitgemäß? Ist es nicht viel mehr so, dass wir heute davon ausgehen, dass sich jedes Subjekt selbst managed und zum Ziel führt? Betrachtet man die letzten Texte wird deutlich, dass der Neoliberalismus Einzug in die Schulen erhalten hat. An dieser Stelle wird im Text Bellmann zitiert der angibt, dass der selbstständige Schüler und die neoliberale Idee des sich selbst managenden Subjekt eine Verbindung eingegangen sind. Dadurch rückt die Diksussion um die Selbstständigkeit des Schülers immer weiter in den Mittelpunkt. Um diese Frage beantworten zu können gibt Rabenstein eine kurze Einführung in die Sichtweise Focaults bezüglich von Machtsystemen und Subjektivierungsweisen.Foucault entwickelt ein System mit dem man die gesellschaftlichen Entwicklungen beschreiben kann. Dabei setzt er die Bildungsprozesse in den Kontext von Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Macht ist ein Mittel allgegenwärtiger menschlicher Interaktion. Wir versuchen mit Hilfe von Macht andere Menschen zu steuern und üben somit eine Herrschaft aus. Als Bestes Beispiel für Macht und Herrschaft ist das Regieren einer Nation. Die Ausübung und Wirkung von Macht ist eng verknüpft mit der Entstehung und Entwicklung von Wissen. Wissen manifistiert sich durch Diskurse die von Macht und Herrschaft geleitet werden. Passt mir etwas an einem Gesetz nicht, probiere ich mir Wissen über einen Diskurs anzueigen um das Gesetz zu ändern. Dadurch entsteht Wissen, welches sich im ständigen Diskurs weiter entwickelt.

(Abb. 1.: Machtsystem, http://regulategentrification.files.wordpress.com/2010/06/bildschirmfoto-2010-06-19-um-15-56-18.png)

Doch was hat das ganze jetzt mit Schule zu tun? Unterrichtsmethoden, die die Autonomie und Selbstbestimmungszwecke der Schüler fördern sollen, beziehen sich oft auf Macht. Diese neuen Methoden sollen hier näher erläutert werden. Nicht mehr die alte Disziplinarschule steht im Mittelpunkt sondern “dynamische und intelligente Arbeitsformen“, die gleichzeitig Machtpraktiken darstellen können. Als eine neue Arbeitsform wird hier das Portfolio eingeführt. Wie bereits besprochen, unterstützt das Portfolio die Selbststeuuerung und die Selbstbeobachtung des Lernens. Durch das Portfolio wird die Macht der Kontrolle durch den Selbstzwang zur kontinuierlichen Reflixion ersetzt. Der Schüler steht unter dem Zwang sich selbst zu beobachten, sich selbst zu reflektieren um sich zu verbessern und besser präsentieren zu können. Durch das Portfolio werden alte Zwänge aufgelöst und neue kommen hinzu. Der Schüler steht jetzt unter dem Druck sich bei der Präsentation des Portfolios als “selbst erkennendes Selbst” darzustellen. Um die Präsentationen zu bewerten kommt als neue Methode das Kompetenzraster hinzu. Nicht nur der Inhalt wird bewertet, sondern auch die Präsentation, der Vortrag und die Visualisierung. Als neues Ziel steht hier, den Lehrer und den Zuhörer von sich selbst und seinem Thema zu überzeugen. Im Neoliberalismus geht es ebenfalls darum zu überzeugen.
Welche Macht spielt hier also eine Rolle? Meiner Meinung nach ist hier die Macht sich selbst möglichst gut darzustellen und besser zu sein als andere. Darüber hinaus liegt der Anreiz auch darin, Zuhörer von dem vorgestellten Thema zu überzeugen. Hier kann man daher klar erknenne, dass der Neoliberalismus in der Schule angekommen ist.
Focault hat also Recht, dass durch Macht etwas produktives entsteht. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Zielvorgaben des Lehrers eine gewisse Macht ausüben. Trotz freierer Unterrichtsformen schwebt meiner Meinung nach immer noch der Gedanke in den Köpfen der Schüler die Vorgaben des Lehrers zu erfüllen und möglichst gut umzusetzten. Außerdem ist der Schüler immer noch abhängig von den Noten die der Lehrer vergibt, sodass es auch hier eine weitere Macht gibt. Ich bin der Meinung, dass man mit Portfolios durchaus gute Arbeitsergebnisse erziehlen kann und das Schüler an der Arbeit mit dem Protfolio wachsen können, dennoch sollte man nicht vergessen, dass es auch hier immer noch den Zwang gibt gute Noten zu erreichen.

Ulrich Böckling: “Jeder könnte, aber nicht alle können. Konturen des unternehmerischen Selbst”

In dem vorliegenden Text ” Jeder könnte, aber nicht alle können- Konturen des unternehmerischen Selbst” geht es um die Entstehung des Subjektes. Man ist nicht einfach das was man ist, sondern man wird durch die Subjektivierung zu einem Subjekt und entwickelt sich ständig weiter. Dabei ist das “Unternehmerische Selbst”, welches in den vorherigen Artikeln schon angesprochen wurde, eine Art oder eine Form der Subjektivierung. Doch wie vollzieht sich diese Subjektivierung? Wie werden wir zu dem was wir sind? Böckling beschreibt diesen Prozess als einen Vorgang, bei dem Fremd-und Selbststeuerung ineinander verwoben sind. Doch was heißt das genau? Wenn ich als eigenständiges Ich handeln will muss ich erst einmal meine eigene Fähigkeiten erkennen und wissen welche Ziele ich erreichen möchte. Ich grenze mich also von anderen ab und handle anders. Ich steuere mich und mein Handeln also selbst. Doch wird dieses Handeln immer von Anderen beeinflusst, denn ich will mit meinem Handeln Anerkennung und Aufmerksamkeit bekommen und Dinge verändern. Dies ist dann also die Fremdsteuerung. Ich werde in meinem Handeln also von der Gesellschaft beeinflusst. Das was auf mich einwirkt, passe ich so an wie ich es für mein Handeln brauche und werde zu einem eigenständigen Subjekt. Ebenso ist es mit dem “Unternehmerischen Selbst”. Ich steuere mein Handeln so, dass ich mich von Anderen unterscheide, auffalle und somit in der Wirtschaft einen Job/Auftrag bekommen. Darüber hinaus passe ich mich aber gewissen Vorgängen in der Wirtschaft an, sodass auch hier wieder die Fremdsteuerung wirkt. Da sich die Welt aber immer weiter verändert, ist der Prozess der Subjektivierung auch nie endgültig abgeschlossen und man muss immer weiter an sich arbeiten um nicht in Rückstand zu geraten. Wie Böckling sagt: “Ein unternehmerisches Selbst ist man nicht, man soll es werden”.

Unternehmerisches Selbst= Arbeitsmarkt-Fitness (Abb. 1.: http://www.selbst-gmbh.de/images/att526_33.gif)

Doch was hat das jetzt mit dem Portfolio zu tun? In der Portfolioarbeit geht es genau wie beim “Unternehmerischen Selbst” um Selbstorganisation. Der Schüler organisiert seine Arbeit und seine Lernfortschritte im Portfolio eigenständig und eigenverantwortlich. Bei der Portfolioarbeit steht das eigene Erarbeiten von Wissen im Vordergrund. Das heißt der Schüler hat genau die gleichen Ziele in seiner Portfolioarbeit, wie das “Unternehmerische Ich”. Der Schüler will sich selbst organisieren, sich von anderen Unterscheiden und eigenverantwortlich Handeln. Er steuert sein Lernen also selbst. Darüber hinaus muss der Schüler aber auch darauf achten, dass er gewisse Vorgaben des Lehrers einhält, sodass man hier auch von Fremdsteuerung reden kann. Die Portfolioarbeit hat also ähnliche Grundlagen und Ziele wie das “Unternehmerische Selbst” welches von Böckling propagiert wird.

Auffallen um jeden Preis. (Abb. 2.: http://www.wuerzburg.ihk.de/typo3temp/pics/Franchise_0e253bffc2.png)

Pierre Bourdieu- Eine Gefahr für die Grundlagen unserer Kultur

Pierre Bourdieu beginnt seinen Artikel gleich mit einer außergewöhnlichen These:

“Der so genannte “Neo-Liberalismus”, also das, was man auf einer bestimmten Form der Wirtschaftswissenschaft zu begründen versucht, ist in Wirklichkeit eine Sozialphilosophie”.

Der Neoliberalismus beruht nach Bourdieu auf drei Prinzipen:

1. Die Wirtschaft ist ein vom Sozialen getrennter Bereich, in dem Naturgesetze und universelle Gesetze herrschen, die die Regierungen nicht durchkreuzen sollte.

2.Der Markt ist das beste Mittel, um die Produktion und den Austausch in demokratischen Gesellschaften auf effektive und gerechte Weise zu steuern.

3. Die Globalisierung erfordert eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben vor allem im sozialen Bereich, soziale Rechte in den Bereichen Arbeit und Sozialversicherung gelten als schlecht und zu aufwendig.

Diese drei Prinzipien sind nach Bourdieu nicht allgemein, sondern traditionell in der Gesellschaft Amerikas verankert und daher universell. Betrachtet man Amerika heute, fällt auf, dass der Staat wirtschaftlich sehr weit entwickelt ist, sozial und politisch aber nur ungenügend aufgebaut ist. Beispielsweise wurde die Gesundheit in Amerika kommerzialisiert, sodass Gesundheit zum Faktor von Geld wird. Hier spiegelt sich auch die allgemeine Ansicht der Amerikaner wieder, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Wie Bourdieu zu Recht fest stellt, lautet die Lebenseinstellung vieler Amerikaner: “Alle Individuen sind für ihr Glück selbst verantwortlich”. Die Philosophie des Neoliberalismus zwingt also jeden dazu für sich selbst zu sorgen und zu kämpfen. Die Unsicherheit der Menschen wird zum Motto des Neoliberalismus:

“Wollt ihr, dass sie schuften, dann nehmt ihnen die Absicherung!”

Dieses Motto entstand aber nicht erst im Neoliberalismus, sondern existierte schon im Darwinismus: “Der Stärkere überlebt!”.

Diese Kritik die Bourdieu äußert kann ich gut nachvollziehen, doch weiß ich nicht, wie ich dies auf unser Thema der Portfolioarbeit beziehen soll. In der Schulportfolioarbeit ist zwar jeder für sein Portfolio verantwortlich, bekommt aber bei Problemen durchaus Hilfe und Unterstützung, sodass die soziale Komponente weiter erhalten bleibt. Im beruflichen Alltag kann ich schon eher Bourdieus Argumente nachvollziehen. In einem Bewerbungsportfolio ist eher jeder seines Glückes Schmied, genau wie im weiteren beruflichen Leben. Ich bin aber der Meinung, dass auch im beruflichen Leben das Soziale zum Teil erhalten bleibt. Daher bin ich mir nicht sicher in wie weit man Bourdieus Ansätze auf die Portfolioarbeit beziehen kann.

(Abb. 1.:http://www.graswurzel.net/308/geo2.gif)

Thomas Häcker- Neoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozessbestimmung? Portfolioarbeit im Spannungsfeld zwischen (Selbst-)Steuerung und Selbstbestimmung

(Quelle: http://lecture2go.uni-hamburg.de/konferenzen/-/k/10338)

Thomas Häcker stellt in diesem Video noch einmal das Portfolio vor. Dabei geht er besonders ausführlich auf die Kritik ein, dass die Portfolioarbeit ein neoliberales Denken und das ökonomische Selbst fördert, dadurch aber die sozialen Aspekte verloren gehen. Diese Kritik stellt er auch besonders deutlich in dem vorliegenden Text dar.

Was ist überhaupt neoliberales Denken und was hat das mit Portfolioarbeit zu tun? Diese Frage stellte sich für mich am Anfang des Textes.

Definition Neoliberalismus:

Denkrichtung des Liberalismus, die eine freiheitliche, marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung mit den entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie privates Eigentum an den Produktionsmitteln, freie Preisbildung, Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit anstrebt, staatliche Eingriffe in die Wirtschaft jedoch nicht ganz ablehnt, sondern auf ein Minimum beschränken will. (http://www.bpb.de/wissen/g320f2)

Was hat Neoliberalismus also mit der Portfolioarbeit zu tun und warum ist dies so kritisch zu sehen? Das neoliberale Denken versucht sich immer weiter in anderen Bereichen festzusetzten, sodass ökonomische Erklärungen auch auf andere Lebensbereiche angewendet werden, die man vorher unter sozialen Aspekten sah. Bröckling sagt dazu: “Ökonomisierung des Sozialen”. Das heißt, soziale Beziehungen werden zunehmend vernachlässigt und von ökonomischem Kalkül durchdrungen. Neoliberales Denken zielt darauf ab, den Markt als universelles Modell der Vergesellschaftung zu etablieren, das heißt, dass das “unternehmerisches Selbst”, die eigene Selbstdarstellung und Erfolge etc. zur neuen Richtlinie des Lebens werden. Das Soziale gerät dabei in Vergessenheit. Doch was hat das alles mit der Portfolioarbeit zu tun? Wie wir bereits aus den vorherigen Texten wissen, dient die Portfolioarbeit dazu, Selbstbestimmungsfähigkeit, Mitbestimmungsfähigkeit, Solidaritätsfähigkeit und Selbststeuerung des Lernens zu ermöglichen. Die Selbstbestimmung des Lernens kann dazu führen, dass der Sinnbezug des Lernens dem Schüler deutlicher wird. Dadurch steigt der Bildungsanspruch. Bleibt die Portfolioarbeit aber nur auf der Ebene der Selbststeuerung, kann es passieren, dass der Schüler nur daran interessiert ist, sich selbst und seine Arbeit und seine Erfolge am besten darzustellen und das Soziale zu vernachlässigen. Neoliberales Denken würde somit im Unterricht auftauchen und verbindet die Frage, wie Neoliberalismus und Portfolioarbeit zusammen hängen. Aber warum ist Neoliberalismus in der Schule schlecht? Häcker erklärt dies anhand eines Interviews mit einem amerikanischen Lehrer, der an seiner Schule nur mit Portfolioarbeit den Unterricht gestalten durfte. Dieser Lehrer bemängelt, dass es nicht mehr um Kreativität und Betonung von Vielfalt und Unterschieden geht, sondern nur noch darum, wie gut der Schüler sich selbst präsentieren kann, welche Erfolge er gehabt hat etc. Der eigentliche Anspruch des Portfolios, die Verschiedenartigkeit der Lernenden zu fördern und zu unterstützen, geht verloren. Ist die Portfolioarbeit also nur schlecht? Beschränkt man sich in der Portfolioarbeit nur darauf, die Selbststeuerung zu fördern, so muss diese Frage mit ja beantwortet werden. Dadurch gehen soziale Fertigkeiten sowie menschliches Handeln (” Ich unterstütze einen Schwächeren”) verloren. Setzt man die Portfolioarbeit aber so ein, dass sie nicht nur unter dem Aspekt von Entwicklung, Verordnungen und Benotung steht, kann man mit Portfolioarbeit einiges erreichen. Trennt man also Selbststeuerung und Selbstbestimmung, kann die Portfolioarbeit zum Erfolg führen. Schüler sind somit in der Lage durch Selbstbestimmung das zu lernen, was sie interessiert. Durch dieses Lernen beginnt der Prozess der Selbststeuerung, das heißt, ich kann mich nur selbst verwirklichen, meine Ziele erreichen, wenn ich durch mein Wissen mich selbst reflektieren kann und meine Persönlichkeit aufbaue, ohne dabei von anderen beeinflusst zu werden.

Mir hat der Text deutlich gezeigt, wie komplex die Portfolioarbeit ist und welche Risiken sie birgt. Durch die Differenzierung in Selbstbestimmung und Selbststeuerung kann ich mir nun immer besser vorstellen, Portfolios auch in meinem Unterricht zu benutzen, natürlich unter dem Aspekt, dass diese Arbeit frei von Druck und Zwängen ablaufen muss. Mir ist dadurch sehr deutlich geworden, dass die Portfolioarbeit eine Chance bietet, dem Schüler zu helfen, sich selbst zu finden und zu verwirklichen. Ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein mit der nötigen sozialen Kompetenz sollte ein Berufsleben erleichtern. Die einzige Schwierigkeit, die ich dabei noch sehe, ist es, die Portfolioarbeit in einem Rahmen ohne Druck und Vorgaben einzusetzen. Schließlich geht es in der Schule um das Erreichen von Zielen mit der entsprechenden Benotung.

“Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso”

Julius Othmer und Andreas Weich beschreiben in ihrem Artikel: “Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist und soundso” die Wechselbeziehung zwischen und .

(Abb.1: http://unitedtruthseekers.com/profiles/blogs/facebook-begins-deleting-thousands-of-profiles-in-massive-purge, Abb.2: http://www.ncl.ac.uk/quilt/resources/e-learning/e-portfolios.htm)

Medien bieten die Möglichkeit Wissen zu formulieren, zu tradieren und zu kommunizieren. Medien sind daher ein unverzichtbares Element von Bildungsprozessen- und Institutionen.

In dem Artikel wird deutlich, dass Facebook und ePortfolios die gleiche Grundidee und somit die gleiche mediale Konstellation haben. Durch beide Medien kann man ein Profil des Selbst erstellen und sich mit anderen Profilen vernetzten und kommunizieren. Dabei ist es bei beiden wichtig, dass das Profil kontinuierlich bearbeitet wird und immer auf dem neusten Stand ist. Ziel ist es, die persönliche Entwicklung sichtbar und bewertbar zu machen. Der Ersteller des Profils (Subjekt) hat die Aufgabe sich selbst darzustellen. Seine Darstellung wird bei dem ePortfolio von den Leuten bewertet für die es zugänglich ist. Ebenso ist es bei Facebook. Es geht also darum sich möglichst gut selbst zu verkaufen und dafür positive Bewertungen (Likes) zu bekommen und sich mit anderen zu verknüpfen.

(Abb. 3: http://www.openschooleportfolio.com/2013/02/01/openschool-eportfolio-is-hiring/)

Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen Facebook und den ePortfolios:

  • 1. Unterschiedlicher Geltungsbereich
  • 2. Art der Offenheit
  • 3. Art der relevanten Akteure

Doch waren die Ähnlichkeiten und Unterschiede nicht das einzig spannende an dem vorliegenden Artikel. Besonders gut fand ich es, dass der Text mit dem Zitat von Barrett beginnt, da dieses genau meine Ansichten über die Portfoliomanie widerspiegelt: ” ePortfolios scheinen in bestimmten Kreisen als eine Art pädagogische Wunderwaffe im digitalen Zeitalter angesehen zu werden“. Jegliches schulisches Problem und jegliche Entwicklung sollen in diesen ePortfolios Platz finden und somit Probleme lösen. In Schritt 3 werden Probleme des ePortfolios sehr gut diskutiert und dargestellt. Der abschließende Satz “Und das Subjekt, das von dieser Konstellation vorentworfen wird, ist vielmehr ein Unternehmer seiner selbst auf einem Aufmerksamkeitsmarkt, denn eine Schülerin oder ein Schüler in einer Bildungsinstituten”, finde ich sehr treffend. Genau dieses charakterisiert mein Problem mit ePortfolios in der Schule. Auf die Schülerinnen und Schüler wird ein enormer Druck aufgebaut, ein möglichst präsentables ePortfolio zu erstellen. Für mich fehlt in diesen Portfolios eindeutig die soziale Komponente auch wenn es heißt, dass ein Schüler über diese ePortfolios seine Lernprozesse selber steuern kann und es damit für alle gerechter im Lernen und im Bewerten der Lehrkraft wird. Im Nachhinein spiegelt sich das Sozialverhalten kaum in den Portfolios wider, sondern nur die Vermarktung meiner Selbst. Ich finde ePortfolios im Rahmen einer Recherche durchaus nützlich, jedoch nicht für die allgemeine schulische Laufbahn, da hier ausschließlich das Selbstmanagment und die Profilierung eine Rolle spielt.

Peter Baumgartner- Implementierungsstrategien für ePortfolios an Hochschulen

Peter Baumgartner und Klaus Himpsel beschäftigen sich in ihrem Vortrag vom 27. 11. 2009 mit den Einsatzmöglichkeiten von ePortfolios an Hochschulen. Baumgartner stellt die von ihm entwickelte Taxonomie vor, während Himpsel sich mit den verschiedenen Softwaretypen für ePortfolios beschäftigt. Im Rahmen dieses Themas möchte ich mich etwas näher mit der Taxonomie von Baumgartner beschäftigen.

Definition Taxonomie:

“Unter einer Taxonomie wird ein systematisches Klassifikationsschema zur Ordnung von Dingen, Erscheinungen, Prozessen etc. nach einheitlichen, sachlogischen Prinzipien, Verfahren und Regeln verstanden.” ( Peter Baumgartner)

Baumgartner begründet die Notwendigkeit einer Taxonomie mit der konstruktivistischen Metapher: “Der Blinde im Wald” von Ernst von Glaserfeld. Baumgartner ist der Meinung, dass es notwendig ist alle Portfoliotypen aufzulisten um einen genauen Überblick über das Objekt “Portfolio” zu bekommen. Der Gesamteindruck soll die Kommunikation über Portfolios erleichtern und somit Zeit und Aufwand sparen. Die Visualisierung dieser Taxonomie soll neue Ansätze für ePortfolios aufzeigen. Die Grundlage für seine Taxonomie liegt in der “Theorie des kommunikativen Handles” von Jürgen Habermas. Habermas bezieht sich auf den dreifachen Weltbezug des Sprechaktes (objektive, subjektiv, sozial). Was bedeutet diese Theorie für die Arbeit mit ePortfolios? Es bedeutet, dass man Portfolios unter drei Gesichtspunkten analysieren sollte: Erstens die Funktionalität der Software (objektiv), zweitens das Setting des Portfolios (sozial) und drittens wie das Portfolio genutzt werden wird (subjektiv).

( Abb. 1: http://www.jbusse.de/images/portfolio-projekt-zusammenfassung-abb6.png)

Den Ansatz von Baumgartner Ordnung in die verschiedenen Typen und Begrifflichkeiten des ePortfolios zu bringen, finde ich sehr sinnvoll und einleuchtend. Den Ansatz des Lernportfolios finde ich selbst am sinnvollsten. Mit Hilfe des Lernportfolios kann man eigene Lernprozesse und Fortschritte besser reflektieren und einsichtig machen. In anderen Bereichen sind wahrscheinlich die Karriere- und Firmenportfolios effizienter. Es wird also deutlich, dass mit Portfolios verschiedene Ziele erreicht werden können. Durch die Taxonomie von Baumgartner sind für mich die verschiedenen Möglichkeiten eines Portfolios deutlich sichtbarer und klarer geworden.

Für alle, die mehr über die Arbeit von Peter Baumgartner erfahren wollen, hier der Link zu seinem Blog “Gedankenspiltter”:

http://peter.baumgartner.name/