Fazit

Die Portfolio-Methode verspricht viele Vorteile, aber sie bringt auch einige Nachteile mit sich. Nach den ersten Seminarsitzungen war ich überzeugt, dass Portfolioarbeit eine gute Sache ist, doch zeigten sich immer mehr Kritikpunkte. Die Portfolioarbeit ist ein sehr komplexes Thema. Was genau Portfolioarbeit ist und wozu sie fähig ist, dazu gibt es sehr verschiedene Meinungen. Je nachdem in welche Kontexte sie eingebettet wird, erfüllt sie andere Funktionen.

Die Arbeit mit Portfolios erfordert weitsichtige Planung. Ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin? Bei meinem jetzigen Wissensstand kann ich nicht behaupten genau zu wissen, wie Portfolios richtig eingesetzt werden. Bei der Portfolionutzung in den USA hat man deutlich gesehen, wie schnell das Ziel der Individualisierung des Lernens umgeworfen wurde. Es gab auch Beispiele aus verschiedenen Bildungsbereichen, die einen förderlichen Umgang mit Portfolios zeigten. Die Erfolgschancen für eine intensive Arbeit mit Portfolios sind dennoch nicht absehbar und noch skeptisch zu betrachten. Trotzdem bin ich gewillt, mich weiterhin mit dem Thema Portfolio auseinanderzusetzen und dessen Einsatz für meinen Unterricht in Erwägung zu ziehen.

Des Weiteren habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich mit Portfolios arbeiten würde. Ich habe vage Pläne ausgearbeitet. Portfolios lassen sich auf die unterschiedlichste Weise handhaben. Ich würde zu einem unterrichtsbegleitenden Portfolio tendieren, welches zeitlich unabhängig vom Unterricht geführt wird. Wie auch bei diesem E-Portfolio geschieht die Auswahl der behandelten Themen auf freiwilliger Basis. Sie können die Themen weiter ausführen, die ihnen zusagen. Ich als Lehrerin würde somit einen Rahmen der möglichen Inhalte schaffen, in dem sich die Schüler frei bewegen können. Ich empfinde es als sehr wichtig im Unterricht ein Gleichgewicht zwischen Selbst- und Fremdregulierung zu schaffen, da ansonsten ein Chaos entstehen könnte. Die Portfolios werden nicht bewertet, da ich eine Bewertung als schwierig ansehe. Ich will an dieser Stelle noch einmal an das pädagogische Grunddilemma, sprich gleichzeitig zu fördern und zu selektieren, erinnern. Das Praxisbeispiel, in dem eine völlige Umstellung in der Leistungsbeurteilung mit unbenoteten Portfolios als Klausur- und Zeugnisersatz stattfand, ist, denk ich, noch nicht weiträumig umsetzbar. Für eine derartige Reform (unbenotet oder nicht) sind die Schulsysteme noch nicht reif. Lange Traditionen zu brechen kostet oft viel Zeit. Aber man könnte die Schülerinnen und Schüler sich wenigstens in einem kleinen Teil des Unterrichts frei entfalten lassen. Zudem können die Schülerinnen und Schüler ihre Portfolios am Ende des Schuljahres präsentieren, um Anerkennung für ihre Leistungen zu erlangen. Dies steigert die Motivation ungemein.

Nun möchte ich noch auf einen sehr wichtigen Aspekt zu sprechen kommen. Da sich der Neoliberalismus mittlerweile fest in die Arbeitswelt zu integrieren scheint, ist es durchaus wichtig die Schüler darauf vorzubereiten. Man sollte jedoch aufpassen deren Leitgedanken nicht in den Unterricht einfließen zu lassen. Die Schule ist kein Ort für Konkurrenzkämpfe, sondern ein Ort, an dem gegenseitige Unterstützung und ein Voneinander-lernen vorherrschen. Andernfalls wird der Klassenzusammenhalt massiv gestört. Ich möchte in dieser Hinsicht noch ein sehr schönes Zitat einfügen:

“Es ist nichts Großartiges, besser zu sein als jemand anderes. Wahre Größe zeigt sich darin, besser zu sein, als man selbst es vorher war.”

Die Schülerinnen und Schüler sollen für sich lernen und ihre eigenen Leistungen verbessern ohne sich mit anderen messen zu wollen.

Im Großen und Ganzen habe ich viele Ideen aus dem Seminar mitnehmen können, die mir später als Lehrerin sicher nützlich sein können.

 

Quelle:

Zitat: Katarina Raker und Wilfried Stascheit (2006): Was ist Portfolioarbeit? Mülheim: Verlag an der Ruhr

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