Christoph Menke stellt zwei verschiedene Subjektkonzeptionen gegenüber. Es handelt sich um das disziplinäre und das ästhetisch-existentielle Subjekt. Beide Subjekte bilden sich übend. Menke nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser zwei Übungen.
Dem Begriff Übung wird eine zentrale Bedeutung beigemessen, denn „[k]eine Technik, keine berufliche Fähigkeit lässt sich ohne Übung erwerben“. Die Übung kann viele Formen annehmen. Das Schreiben gehört u.a. dazu. Der Akt des Übens zielt auf eine Aneignung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten. Man gewinnt praktisches Können und zwar ein „Etwas-Ausführen- und ein Sich-Führen-Können“. Subjektsein bedeutet in diesem Zusammenhang die Macht zu besitzen, Handlungen aus eigener Kraft vollziehen zu können.
Übung der Disziplin:
Es werden Fähigkeiten der Aus- und Selbstführungen gewonnen, die nach der sozial geteilten Norm für gut befunden werden. Die Ziele sind festgesetzt.
Übung der Ästhetik der Existenz:
Es werden Fähigkeiten der Aus- und Selbstführung gewonnen, die nach eigener, freier Entscheidung für die persönliche Lebensführung als gut befunden werde. Ein entscheidendes Merkmal ist die „ästhetische Freiheit zur Selbstüberschreitung“. Ästhetische Tätigkeiten verlangen die Überschreitung jedes sich gesetzten Zieles. Sie gelingen gerade dann, wenn Veränderungen geschehen, die nicht geplant waren.
Ob es sich bei der Übung um eine disziplinierende oder ästhetisch-existentielle Übung handelt ist nicht am Inhalt festzumachen. Es zählt allein die „Haltung“, mit der man sie ausführt. Wenn ich also in einer Übung eine Bereicherung für mich selbst sehe, oder ich sie einfach aus Spaß an der Freude, ohne damit etwas bezwecken zu wollen, erledige, dann hat diese Übung einen „befreiend[en]“ Charakter. Wenn ich sie nur ausführe, um mir Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen oder mich anzupassen, dann hat sie einen disziplinierenden Charakter.
Dass dem Akt des Übens eine sehr wichtige Rolle zukommt, sehe ich auch so. Manche müssen mehr üben manche weniger. Nur sehr wenig schafft man gleich.
Quelle:
Menke, Christoph (2003): Zweierlei Übung. Zum Verhältnis von sozialer Disziplinierung und ästhetischer Existenz. In: Foucault, Michel: Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurt: Suhrkamp Verlag