Rabenstein - Das Leitbild des selbstständigen Schülers

Dieser Text bezieht sich auf neue Machtpraktiken innerhalb selbständigkeitsfördernden Unterrichts. Kerstin Rabenstein lehnt dabei an das Konzept der Gouvernementalität von Foucault (2004) an.

Durch dieses Konzept führt Foucault eine neue Definition des Begriffes Regierung ein. Er bezeichnet mit diesem Begriff ein Bindeglied zwischen Macht und Herrschaft. Unter Macht versteht er ein „allgegenwärtiges Mittel menschlicher Interaktion“. Im Sinne eines strategischen Spiels wird mithilfe von Macht versucht, einen anderen zu lenken. Herrschaft dagegen ist eine durch ein Individuum oder eine gesellschaftliche Gruppe dauerhafte und mit bestimmten Mitteln „institutionalisierte Ausübung von Macht“. Sie beruht auf einer andauernden „asymmetrischen Beziehung“. Bezüglich der Definition von Regierung werden folgende Fragen formuliert: Wie sich regieren, wie regiert werden und wie andere regieren? Foucault bezweckt mit seinem Konzept die Verknüpfung der genannten Fragen, demnach eine Verknüpfung von Selbst- und Fremdführung. Die Regierungstechniken sollen sowohl Zwang ausüben, als auch einleiten, dass das Individuum „auf sich selbst einwirkt“.

In dieser Hinsicht stellt die Lehrkraft eine Art Anleiter dar. Er leitet die Schüler an, ihre Arbeitsprozesse selbst zu steuern. Sie hilft den Schülern ihre Handlungen zu strukturieren. Sie nimmt ebenfalls eine beratende Funktion ein. Die Rahmenbedingungen werden gemeinsam besprochen, die Lehrer und Schüler könnten somit als gleichrangig gelten. Die Überführung von Fremdführung in Selbstführung ist eine der bedeutenden reformpädagogischen Ideen. Eine weitere ist die Freiwilligkeit des Lernens.

Nach Foucault ist Macht produktiv. In diesem Fall produziert die Übertragung der Kontrolle auf den Schüler, ein Individuum, dass unter „Selbstzwang“ seine Lernprozesse ständig beobachtet, über sich selbst reflektiert und sich weiterentwickelt.

Des Weiteren wird konkret auf neue Formen der Leistungsbewertung eingegangen, welche die Selbstständigkeit der Schüler fördert. Diese sind: das Portfolio und das Kompetenzraster für Präsentationen. Das Kompetenzraster wird zum ersten Mal genannt. Das Kompetenzraster fokussiert die Adressatenorientierung. Dies erinnert mich an Referate aus meiner Schulzeit. Bei den meisten Beurteilungen von Vorträgen kamen zuerst folgende Aussagen: „Er hat zu leise gesprochen“, „Sie hat zu viele Füllwörter benutzt“, „Er hat sehr frei gesprochen“ oder „Die Powerpoint-Präsentation ist sehr anschaulich gestaltet worden.“ Ich selbst finde eine Bewertung danach, wie interessant eine Präsentation dargelegt wird, nicht verkehrt.

Rabenstein meint außerdem, dass durch selbständigkeitsfördernde Arbeitsweisen die Lernenden aufgefordert werden, sich mit den schulischen Aufgaben zu identifizieren und ihnen einen Sinn zu verleihen. Der Wille zu lernen, verlangt nach einem Grund zu lernen. Eine Identifikation mit der Arbeitsweise zeigt sich zu Beispiel darin, dass sie sich durch eigene Vorschläge an der Weiterentwicklung und Verbesserung des Unterrichts beteiligen.

 

Quelle:

Rabenstein, Kerstin: Das Leitbild des selbstständigen Schülers. Machtpraktiken und Subjektivierungsweisen in der pädagogischen Reformsemantik.

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