Winter - Portfolios zur Individualisierung des Lernens und des Beurteilens

Nach Felix Winter schafft die Portfolioarbeit Raum für die Entfaltung individualisierten Lernens. Er ist ein großer Befürworter der Portfolioarbeit und meint sie besitzt großes Potential, welches bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

Bevor er konkret auf die Individualisierung eingeht, betrachtet er zunächst die Trends der Bildungslandschaft. Auf der Makroebene des Bildungssystems zeigt sich eine starke Tendenz der Normierung und Standardisierung der Bildung, dies gilt besonders für den schulischen Bereich. Die Schülerinnen und Schüler haben wenig Einfluss auf die Wahl ihrer Fächer. Ich konnte durch die Profiloberstufe in dieser Hinsicht eigene Erfahrungen machen. Auf der Mikroebene des Unterrichts, hingegen besteht eindeutig eine Tendenz zur Individualisierung des Lernens, da sich der Gedanke durchsetzt, dass jedes Kind individuell gefördert werden sollte. Bezüglich der Hochschule ist anzunehmen, dass durch die Modularisierung der Studiengänge ein Trend zur Individualisierung vorliegt. Es ist jedoch nicht der Fall. Obwohl man sich sehr wohl selbst Veranstaltungen aussuchen kann, so bestehen die Prüfungen größtenteils aus Klausuren und wirken einer Individualisierung entgegen.

Individualisierung des Lernens ist sehr wichtig, da so eine Chancengleichheit hergestellt werden kann. Durch Portfolioarbeit könne individualisiertes Lernen im Unterricht realisiert werden. Zum einen da die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der vorgegebenen Ziele die Möglichkeit besitzen, selbstständig zu arbeiten, sich selbst Ziele zu setzen. Sie zeigen Eigeninitiative. Zum anderen werden die Ergebnisse gemeinsam in der Klasse besprochen. Die individuellen Lernprozesse werden also immer wieder reflektiert. Die gemeinsame Steuerung bietet den Schülern an, ihre Interessen und Bedürfnisse einzubringen, welche dann zu gemeinsam geteilten Erfahrungen werden. Zudem sei das Portfolio ein geeignetes Mittel, um die Schüler in die didaktische Analyse miteinzubeziehen. Wichtig ist, dass die Portfolioarbeit im Mittelpunkt steht.

Kinder lernen intensiver, wenn sie es eigenständig ausprobieren können. Wenn sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, steigert dies ihre Motivation ungemein.

Winter nennt das Portfolio als Alternative zur traditionellen Leistungsbewertung. Es soll der Verödung von Lernkultur entgegensteuern. Durch das Portfolio als Leistungsbeurteilung, werden die Arbeiten schon während des Enstehungsprozesses reflektiert und bewertet und können so unmittelbar verbessert werden. Des Weiteren können Schüler ihre Urteilsfähigkeit schulen, indem sie ihr Arbeiten selbst reflektieren und bewerten. Während des gegenseitigen Präsentierens der Ergebnisse können sie auch die Arbeiten anderer beurteilen. Somit werden die Ergebnisse unter verschiedenen Perspektiven betrachtet. Die Schüler sollen möglichst eigenständig ihre Entwicklungen erkennen. Der Lehrer dient in diesem Fall eher als Anleiter.

Als sehr positiv empfinde ich den Aspekt, dass Portfolios sich auf die Stärken der Schüler konzentrieren und nicht auf ihre Defizite. Schülern dürfen nicht nur ihre Fehler gezeigt werden, sondern auch ihre Verbesserungen. Wer nur zu hören bekommt, was er nicht kann, verliert schnell die Lust daran, sich verbessern zu wollen.

Winters Argumentation ist gut nachvollziehbar und sehr überzeugend. Portfolioarbeit scheint eine wirkungsvolle Methode für die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers zu sein und sollte in mehreren Schulen etabliert werden. Jedoch denke ich, dass eine Bewertung eines Portfolios ein Problem darstellen kann. Ich wüsste nicht, wie man so unterschiedliche Leistungen vergleichen soll. Außerdem meint Winter, dass sich Portfolios nicht der Selektion sondern der Förderung der Schüler widmen. Daher halte ich eine Notenvergabe hinsichtlich der Portfolioarbeit für recht widersprüchlich.

 

Quelle:

Winter, Felix: Portfolios zur Individualisierung des Lernens und des Beurteilens. Vortrag zur Eröffnung der gleichnamigen Tagung der ÖFEB-Sektion “Schulforschung und Schulentwicklung” am 6.6.08 in Linz.

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