Am Ende des Semesters muss ich feststellen, dass mir vor dem Seminar viele Informationen über das Portfolio gefehlt haben. Mir war nie bewusst, welche Risiken hinter einem Arbeitsprozess mit Portfolios stecken können.
Ich musste selber schon zwei Portfolios anfertigen und mir sind dabei mir nur die Vorteile aufgefallen. Man hat eine umfassende Mappe mit Informationen über ein bestimmtes Thema, die man sich immer wieder vor Augen führen kann und auch während der Abfassung von Texten muss man sich ausführlich und aktiv mit den Inhalten auseinandersetzen. Bei Klausuren besteht oft die Gefahr, dass man die meisten Dinge bloß auswendig lernt und man einen Monat nach der Klausur kaum noch etwas über das Thema weiß. Aufgrund dieser Vorteile habe ich nie verstanden, weshalb das Portfolio in der Schule so wenige Anhänger findet, da es für die Lehrer, was die Vor- und Nachbereitung betrifft, nicht so anstrengend wirkte, als einen kompletten Unterricht vorzubereiten und Klausuren zu stellen.
Nach dem Seminar muss ich sagen, dass die meisten Lehrer in ihrer Ausbildung wohl nie eine umfangreiche Schulung zu diesem Thema bekommen haben. Vor allem in dem Text von Felix Winter erkennt man klar die Potentiale eines Portfolios. Doch stellt man sich als Lehrer dieser Aufgabe, wenn die Bewertung einer solchen Arbeit noch so ein großes Problem darstellt? Ich denke, wenn man angehende Lehrkräfte richtig schult und ihnen die Risiken der Portfolioarbeit genauestens erläutert, ist das Portfolio durchaus eine gewinnbringende Alternative zu den bisherigen Prüfungsleistungen in der Schule und es kann sich auch als Bewerbungsmappe für einen späteren Beruf etablieren. Hier finde ich es vor allem gut, dass die Leute nicht mehr rein nach ihren Noten beurteilt werden, sondern man einen Eindruck von der Persönlichkeit und den Kompetenzen gewinnt. Aufpassen muss man bei dem Punkt, dass sich die Menschen nicht falsch präsentieren und je nach Forderung ihr Portfolio hierauf anpassen. Dieses Phänomen liefert uns schon soziale Netzwerke wie Facebook. Die Selbstdarstellung und der Wunsch nach Anerkennung von seinen „Freunden“ nimmt mittlerweile unvorstellbare Maße an. Menschen bearbeiten ihre Profilbilder, um möglichst makellos auszusehen, sodass man sie auf den Fotos kaum wiedererkennt. Diese Verzerrung trübt für mich die positiven Erwartungen an Portfolios und möchte deshalb nochmals betonen, dass die Methoden der Portfolioarbeiten unbedingt umfangreich vermittelt werden sollten, um zu vermeiden, dass man seine Kinder schon im Kindergartenalter auf Perfektionismus und Leistung trimmen muss, damit sie später überhaupt realistische Jobchancen haben.
Als letzten Punkt möchte ich noch kurz auf die Auswahl meiner Texte eingehen. Sowohl der Text von Felix Winter als auch der von Thomas Häcker haben mir gefallen, weil sie einen, auf die Schule bezogenen, Überblick über den gesamten Prozess bieten und dabei auch die Schwierigkeiten nicht außer Acht lassen. Den Vortrag von Peter Baumgartner habe ich ausgewählt, weil er von Einsatzmöglichkeiten der Portfolioarbeit an Hochschulen berichtet und mich somit direkt betrifft. Außerdem war es schön, dass es sich hierbei um ein Video und nicht um einen Text gehandelt hat. Genauso betrifft mich auch der Text von Julius Othmer und Andreas Weich über die Parallelen von (e)Portfolios zu Facebook.
Am interessantesten war für mich der Artikel über den Einsatz im Kindergarten, da ich Grundschullehrerin werden möchte und ich nicht wusste, wie man seine solche Arbeit hier einbinden könnte. Im Nachhinein betrachtet, wird es hier wohl, ähnlich wie im Kindergarten, so sein, dass man auf Portfolios und nicht auf (e)Portfolios zurückgreift, da das Technikverständnis der Kinder in diesem Alter noch nicht ausreicht.
Insgesamt bin ich der Meinung, dass man durch diese Auswahl ein umfassendes Bild über (e)Portfolios und die Risiken im Hinblick auf den schulischen Bereich bekommen konnte.