Stephan Münte- Goussar: Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung/ Julius Othmer & Andreas Weich: “Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso”

Web 2.0 - Ein kurzer Überblick

https://www.youtube.com/watch?v=Bc0oDIEbYFc

In dem Text „Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung“ von Stephan Münte- Goussar geht es um die zentrale Frage, ob (e)Portfolios den großen Hoffnungen gerecht werden können und Menschen von passiven Konsumenten zu aktiven Produzenten ihres eigenen Lebens gemacht werden können. Es ist von einer „digitalen Revolution“ des Bildungswesens und einer „neuen Lernkultur“ die Rede (Münte- Goussar, 2012: p.10).
Zunächst ist es jedoch wichtig, dass man weiß, was der Begriff „Web 2.0“ beinhaltet:

„Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologien oder Anwendungen verstanden, sondern der Begriff beschreibt eine in sozio-technischer Hinsicht veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Es stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht mehr die reine Verbreitung von Informationen bzw. der Produktverkauf durch Websitebetreiber, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web und die Generierung weiteren Zusatznutzens im Vordergrund stehen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2014)

Eben diese „Beteiligung der Nutzer“ ist es, um die es auch in dem Text von Münte-Goussar geht. Auf die Schule bezogen bedeutet dies, dass man „niemanden zurücklässt und alle zum Mitgestalten einlädt.“ (Münte-Goussar 2012: p.11) Genau an diesem Punkt setzt das Portfolio an, indem es durch die Gestaltung jedes einzelnen individuelle Profile schafft. Wir werden zu „Unternehmern unserer Selbst“ (ebd: p. 12) und genau an diesem Punkt schließt sich der Kreis zum Web 2.0. Sobald wir uns in aktive Unternehmer verwandeln, wollen wir bei anderen Aufmerksamkeit erlangen und dies kann man am besten im Web 2.0 über soziale Netzwerke wie Facebook (vgl. ebd.: p.12).

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Facebook und (e)Portfolios geht es in dem Text „Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso“ von Julius Othmer und Andreas Weich.

„Denn mit welcher Berechtigung kann ich das eine verurteilen, nur weil es ein populäres Medium ist, und das andere als Revolution zu einer neuen (besseren) Lernkultur konzeptualisieren, wenn sie derartige Analogien aufweisen?“ (Othmer& Weich, 20012: p. 16)

Dieses Zitat verdeutlicht die Problematisierung des Textes und es stellt sich die Frage, ob Facebook mit einem (e)Portfolio gleichgesetzt werden kann. Dazu im Folgenden einige Stichpunkte zu den Gemeinsamkeiten sowie den Unterschieden auf Grundlage des Textes von Othmer und Weich:

Gemeinsamkeiten (vgl. ebd.: p.15f):
- Medialisierungen des Selbst
- Akkumulation von medialen Spuren
- Sichtbarmachen der persönlichen Entwicklung
- für übergeordnete Instanzen transparent sein
- niemals abgeschlossene Projekte
- Auswahl/Bewertung durch Betroffenen und Andere
- Selbst- und Fremdverdatung
- Wissensgenerierung
- Selbstmanagement

Unterschiede (vgl. ebd.: p.16):
- Geltungsbereich
- Grad an Offenheit
- Art der relevanten Akteure

Man kann demnach festhalten, dass sich die Strukturen grundsätzlich ähnlich sind, jedoch im Detail unterscheiden.
Mittlerweile gibt es Ideen, (e)Portfolios über Anbieter wie Facebook zu realisieren (vgl. ebd.: p.16). Diese Idee finde ich überhaupt nicht gut, denn sie würde den eigentlichen Sinn des Portfolios verschwinden lassen. Bei einem Portfolio gibt man sehr viel über sich und seine Persönlichkeit preis und deshalb ist es gut, dass man als Verfassern entscheiden kann, welche Personen das eigene Portfolio einsehen dürfen. Würde man dies alles im Internet für alle öffentlich machen, wäre man so transparent, dass man überhaupt keine Privatsphäre mehr hätte. Doch genau diesen Status, so scheint es, möchte Facebook erreichen. Nachdem die Plattform vor einiger Zeit die personalisierte Werbung eingeführt hat, wollten viele User ihren Account wieder löschen. Aber das ist in der heutigen Zeit kaum möglich, weil viele Informationen, so auch von der Uni, über Facebook verbreitet werden, die man sonst vielleicht zu spät oder gar nicht mitbekommen hätte. Heutzutage werden sogar Geburtstagfeiern oder Urlaube über Facebook geplant. Abgesehen davon speichert Facebook alle Dinge, die man tätigt, auch wenn es nur ein kleiner „Gefällt-mir-Klick“ ist, die auch bei einer Löschung des Accounts bestehen bleiben. Diese Abhängigkeit würde man ebenso bei einem Portfolio schaffen, wenn man sich mit diesem für einen Job oder eine Ausbildung bewerben müsste. Würde es wirklich so weit kommen, wäre man dazu gezwungen, die Bereiche des Lebens in eine anschauliche Form zu bringen, die für die jeweiligen Anforderungen des Berufs erforderlich sind. Ich denke, dass es auch in diesem Fall nicht lange dauern würde, dass sie jede/r in das bestmögliche Licht rückt und dabei sein Portfolio manipuliert, um sich selber zu vermarkten.
Bedenkt man bei diesem Punkt auch noch den schulischen Aspekt, sei es umso bedenklicher diese Idee wirklich in die Tat umzusetzen, denn es würde schulisches mit freizeitlichen Wissen verknüpft werden und es gäbe keine Rückzugmöglichkeiten mehr (vgl. ebd.: p. 16f).
Man müsse den Sachverhalt, das Portfolios und Facebook gewisse Gemeinsamkeiten teilen, beachten und darüber informieren, damit Lehrkräfte hieraus ihre Konsequenzen für den Unterricht ziehen könnten, so Othmer und Weich (2012: p.16).

 

Münte-Goussar, Stephan (2012): Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung. In: Computer& Unterricht, Heft 86, S.10-13

Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Web 2.0, online im Internet
URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/80667/web-2-0-v8.html [Zugriff am 20.03.2026]

Othmer, Julius; Weich, Andreas (2012): „Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso“. In: Computer& Unterricht, Heft 86, S.14-17

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