Felix Winter: Portfolios zur Individualisierung des Lernens und des Beurteilens

In dem Text „Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens“ von Felix Winter wird deutlich, welches Potential Portfolios beinhalten. Besonders im Bereich der Schule KANN ein Portfolio beim individualisierten Lernen und Beurteilen helfen und der Bildungsstandardisierung entgegenwirken.

Zunächst möchte Felix Winter den Unterschied zwischen Standardisierung und Individualisierung verdeutlichen.
Ersteres bedeutet für mich im Rahmen der Schule, dass alle Schüler in demselben Raum, mit denselben Mitteln und denselben Lehrern unterrichtet werden, während sich bei letzterem jeder Schüler frei nach seinen Fähigkeiten entfaltet.

„Oft noch ein zartes Pflänzchen, das immer wieder bedroht ist zu verkümmern. Manchmal aber auch schon etwas robuster aufrankend und am Blühen.“ (Felix Winter, 2008: p.2)

Diese Metapher verdeutlicht wunderbar den Status der Portfolioarbeit in Deutschland. Um die Verbreitung des Portfolios deutlich zu machen, werden in dem Text drei Institutionen genauer beleuchtet: der Kindergarten (vorschulische Bildung und Erziehung), der Bereich der Schule und die Hochschule.
Im Kindergarten zeige das Portfolio wunderbar die Entwicklung eines Kindes und erleichtere den späteren Übergang zur Schule, so Winter (2008: p. 2).
Die Schule allerdings verhindere mit ihrer Notenvergabe die Ausbreitung des Portfolios und somit den Weg zur Individualisierung im Schulalltag (vgl. ebd.: p.2). Auch wenn wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden, in der immer mehr Stimmen laut werden, die das Notensystem kritisieren, erweist sich das Portfolio NOCH nicht als eine passende Alternative.
Im Bereich der Hochschule werde die Arbeit mit Portfolios immer mehr. Vor allem in der Lehrerbildung würde diese neue Methode immer mehr Anhänger finden (vgl. ebd.: p.3).
Ich sollte selber im letzten Semester zwei Portfolios anfertigen und muss sagen, wenn man sich regelmäßig motiviert, Beiträge zu verfassen, hat man sehr schnell ein umfangreiches Heft, das im weiteren Studienverlauf sehr hilfreich werden kann. Man ist dazu angehalten, sich intensiv mit einem Thema zu befassen.
Des Weiteren zählt Felix Winter in seinem Text viele verschieden Arten von Portfolios auf: Arbeits-, Themen-, Recherche-, Kurs-, Berufsfindungs-, Bewerbungsportfolios (vgl. ebd.: p.2).
Im Verlauf des Textes werden zudem die Merkmale von Portfolioarbeit in Bezug auf die Individualisierung des Lernens genannt. Die Schüler formulieren erstens in der Regel vor ihrer Arbeit Ziele und legen die Rahmenbedingungen fest. Zweitens erkenne man ein Portfolio an der Prozess- und Verfolgbarkeit, da es längerfristig angelegt und von den Schülern bearbeitet werde vgl. ebd.: p.4f).
Dass Felix Winter ein Befürworter des Portfolios ist, wird deutlich, als er auf das Problem der Leistungsbewertung zu sprechen kommt. Für ihn biete die Methode des Portfolios „ […] eine neue Möglichkeit für die Bewertung von Schülerleistungen […]“ (Felix Winter 2008: 7). Für viele Lehrkräfte liege aber genau hier das Problem, sodass häufig komplett auf Portfolioarbeit verzichtet werde. In meiner Schulzeit beispielsweise musste ich nie eine solche Arbeit anfertigen.
Nichtsdestotrotz ist Winter der Meinung, dass das Potential des Portfolios heute bei weitem noch nicht ausgeschöpft sei und so kommt er in am Ende seines Vortrages zu diesen drei Schlussfolgerungen: Erstens muss das Portfolio als Instrument des Unterrichts in ihm verankert werden. Zweitens sollte die Portfolioarbeit stärker publik gemacht werden und drittens geht es in der noch jungen Geschichte des Portfolios darum, die Arbeit zu evaluieren und zu beforschen (vgl. ebd.: p.9).
Für die Schule stellt sich vor allem die Frage, ob das Portfolio eine Alternative zu dem vorhanden Notensystem darstellt. Ich denke, dazu muss das Portfolio noch weiter an Popularität gewinnen und die Lehrkräfte müssen besser für die Arbeit mit Portfolios geschult werden. Die Schüler selber sollten erkennen, dass die Arbeit mit dem Portfolio nicht nur langweilig und zeitintensiv ist, sondern dass ihnen ihre Aufzeichnungen auch im späteren Berufsleben weiterhelfen. Sie untermalen Stärken und die Individualität einer Person. Wäre es eventuell nicht viel besser, man würde sich mit seinem Portfolio aus der Schule für einen späteren Job bewerben, anstatt eine Bewerbungsmappe zu erstellen? Sagt ein solches Dokument nicht viel mehr über die Menschen aus als Noten? Viele Universitäten haben für bestimmte Fächer Eignungsprüfungen vorgeschrieben. Auch hier wird nicht mehr nur auf die Noten geguckt. Was bringt den Schülern zum Beispiel ein Lehrer, der über ein enormes Fachwissen verfügt, die Inhalte aber nicht vermitteln kann? Vielleicht ist ein solcher Lehrer auch gar nicht in der Lage auf die sozialen oder individuellen Probleme seiner Schüler einzugehen, weil er den Umgang mit Menschen noch nie richtig unter Beweis stellen musste. Das Portfolio könnte diesem Problem vorbeugen.

 

Winter, Felix (2008): Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens. Vortrag zur Eröffnung der gleichnamigen Tagung der ÖFEB-Sektion „Schulforschung und Schulentwicklung“ am 6. 6. 2008 in Linz

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