Diana Wieden- Bischof, Elisabeth Schallhart: Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen

In dem Praxisbericht „Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen” von Diana Wieden- Bischof und Elisabeth Schallhart geht es um den möglichen Einsatz des Portfolios in der frühkindlichen Entwicklung. Es wird darauf aufmerksam gemacht, wie Pädagogen im Kindergarten den individuellen Lernprozess von Kindern mithilfe des Portfolios fördern können.

Der erste Abschnitt zählt die Vorteile von Portfolioarbeit im Kindergarten auf. Hierzu gehöre unter anderem, dass man Lernfortschritte besser erfassen könne, das Portfolio eine wertvolle Dokumentations- und Reflexionshilfe sei, die Kinder positive Erinnerungen an die Kindergartenzeit festhalten könnten und einen sie einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung liefern würde (vgl. Wieden- Bischof & Schallhart, 2007 :p. 1f).

Unter dem zweiten Punkt wird der Einsatz der Portfoliomethode näher erläutert und in diesem Zusammenhang auf die Voraussetzungen des betreuenden Pädagogen Bezug genommen. Ein Maß an Beobachtungsfähigkeit, technische Kompetenzen, Aufgeschlossenheit, Kontaktfreudigkeit und eine kompetente Gesprächsführung seien die Voraussetzung für einen gelingenden Einsatz des Portfolios auf Seiten der Lehrenden (vgl ebd.: p. 2).

Mithilfe dieser Grafik wird im Folgenden auf die fünf wichtigsten Prozesse bei der Arbeit mit dem Portfolio im Kindergarten eingegangen:

(vgl. Wieden-Bischof & Schallhart, 2007 nach Hilzensauer& Hornung-Prähauser, 2005)

Bei Punkt eins sei vor allem die Einbeziehung der Eltern wichtig, um realistische Ziele setzen zu können. Dafür müsse den Eltern in Form von persönlichen Gesprächen und schriftlichen Mittteilungen ein umfangreiches Wissen über das Portfolio geboten werden. Damit würde man gleichzeitig dafür sorgen, dass die Eltern in den Lernprozess ihrer Kinder eingebunden werden (vgl. ebd.: p. 3f).

Das Sammeln, Auswählen und Verknüpfen von Artefakten mit einem Lernziel würde voraussetzen, dass man zunächst alle abgelegten Arbeiten in einer Box lagert, um dann später gemeinsam mit dem Kind eine Auswahl treffen zu können. Dabei müsse man aber vor allem auf die Privatsphäre der Kinder Rücksicht nehmen. Die Erzieher/innen würden gleichzeitig eine Art Lerntagebuch anlegen, um alle Entwicklungsbereiche widerzuspiegeln. Dabei dürfe man die Sichtweise eines Kindes aber nicht durch eine eigene Interpretation verfälschen. Geeignete Methoden wären hier zum Beispiel das Fotografieren oder das Anfertigen von Werkarbeiten (vgl. ebd.: p. 4-7).

Der dritte Punkt „Reflektieren und Steuern des Lernprozesses“ würde sich im Kindergarten als einer der schwierigsten herausstellen, so Wieden- Bischof und Schallart (2007: p. 8ff). Hierzu bedürfe es der Hilfe eines Erwachsenen. Indem die Kinder beispielsweise Fotos ihrer Arbeit anschauen, würden sie anfangen über ihre Tätigkeit nachzudenken. Im weiteren Verlauf sei es dann auch möglich, dass die Kinder ihre Arbeiten gegenseitig kommentieren. In diesem Absatz taucht eine Passage auf, die ich als Grund meiner Kritik an der Arbeit mit Portfolios im Kindergarten nennen möchte:

„Die Kinder werden sehr früh ermutigt, das Lernen zu lernen, das heißt, ihre Stärken selbstständig auszubauen und verbessern, Schwächen vielleicht erkennen und daran zu arbeiten. (Wieden-Bischof & Schallhart, 2007: p. 10)

Meiner Meinung nach ist es sehr bedenklich, die Menschen schon in der frühen Kindheit auf Perfektionismus zu trimmen. Sollte ein Kindergarten nicht dazu da sein, seine Kindheit auszuleben und mit anderen in Menschen in Kontakt zu kommen? Ich war selber ein Jahr in einem Kindergarten, weil ich dort ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert habe und man sollte es im Kindergarten dabei belassen, den Kindern beispielsweise beizubringen, wie man sich in einer sozialen Gruppe verhält, wie man ordentlich an einem Tisch sitzt oder dass man sein Spielzeug auch mal teilen muss. Wenn ich mir angucke, dass einige Kinder mittags noch schlafen müssen, um den langen Tag bis abends zu überstehen, sehe ich in dem Punkt der Reflexion ein großes Problem.

Ein noch größeres Problem stellt für mich der Punkt des Präsentierens der Portfolio Artefakte dar. In dem Text ist von einem Vorschlag für einen Portfoliotag die Rede:

„Die Kinder stellen ihre Arbeiten vor und erzählen darüber und über ihre Erfahrungen. Dabei legen sie schon sehr früh ihre Scheu ab vor einem kleinen Publikum zu sprechen und gleichzeitig erfahren sie Anerkennung für ihr engagiertes Arbeiten.“ (Wieden-Bischof & Schallhart, 2007: p. 10)

Ich denke, dass der Portfolioansatz einerseits sinnvoll ist, weil man als Pädagoge durch die individuelle Beschäftigung mit den Kindern eventuelle Probleme in der Entwicklung feststellen kann, die sonst in einer großen Gruppe vielleicht untergegangen wären und man kann darauf angemessen reagieren. Außerdem hat ein Kind am Ende der Kindergartenzeit eine schöne Mappe mit vielen Erinnerungen, die man sich auch später immer wieder anschauen kann.
Andererseits finde ich es nicht gut, dass den Kleinen dadurch eine Menge von ihrer Kindheit genommen wird, indem sie sich ständig damit beschäftigen, ob sie oder ihre Leistungen nun gut genug sind.
Ich finde es sinnvoll, die Kinder langsam an die Portfolioarbeit heranzuführen und sie beispielsweise zu fragen, welche Werke sie gerne als Erinnerung in ihrer Sammelmappe hätten. Damit wäre zumindest ein Prozess der Portfolioarbeit schon mal durchlaufen. Der Zeitpunkt des Reflektierens oder gar Präsentierens sollte in die Grundschulzeit gelegt werden.

Dass zum Bewerten und Evaluieren Bewertungsraster angelegt werden sollen, um die Nachvollziehbarkeit von Leistungen zu gewährleisten, finde ich etwas widersprüchlich (vgl. ebd.: p. 10f). Unter Umständen birgt dieser Punkt die Gefahr eines Normierungsdruckes. Manche Eltern könnten in Panik verfallen, weil ihr Kind bestimmte Kompetenzen in einer bestimmten Zeit noch nicht erworben hat und dadurch würde die Individualität, die das Portfolio eigentlich schaffen soll, wieder verloren gehen.

 

Wieden- Bischof, Diana & Schallhart, Elisabeth (2007): Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen [Praxisbericht]. In: bildungsforschung, Jahrgang 4, Ausgabe 1
URL: http://www.bildungsforschung.org/Archiv/2007-01/portfolio/ [Zugriff am12.03.2014]

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