Fazit

Am Ende des Semesters muss ich feststellen, dass mir vor dem Seminar viele Informationen über das Portfolio gefehlt haben. Mir war nie bewusst, welche Risiken hinter einem Arbeitsprozess mit Portfolios stecken können.
Ich musste selber schon zwei Portfolios anfertigen und mir sind dabei mir nur die Vorteile aufgefallen. Man hat eine umfassende Mappe mit Informationen über ein bestimmtes Thema, die man sich immer wieder vor Augen führen kann und auch während der Abfassung von Texten muss man sich ausführlich und aktiv mit den Inhalten auseinandersetzen. Bei Klausuren besteht oft die Gefahr, dass man die meisten Dinge bloß auswendig lernt und man einen Monat nach der Klausur kaum noch etwas über das Thema weiß. Aufgrund dieser Vorteile habe ich nie verstanden, weshalb das Portfolio in der Schule so wenige Anhänger findet, da es für die Lehrer, was die Vor- und Nachbereitung betrifft, nicht so anstrengend wirkte, als einen kompletten Unterricht vorzubereiten und Klausuren zu stellen.
Nach dem Seminar muss ich sagen, dass die meisten Lehrer in ihrer Ausbildung wohl nie eine umfangreiche Schulung zu diesem Thema bekommen haben. Vor allem in dem Text von Felix Winter erkennt man klar die Potentiale eines Portfolios. Doch stellt man sich als Lehrer dieser Aufgabe, wenn die Bewertung einer solchen Arbeit noch so ein großes Problem darstellt? Ich denke, wenn man angehende Lehrkräfte richtig schult und ihnen die Risiken der Portfolioarbeit genauestens erläutert, ist das Portfolio durchaus eine gewinnbringende Alternative zu den bisherigen Prüfungsleistungen in der Schule und es kann sich auch als Bewerbungsmappe für einen späteren Beruf etablieren. Hier finde ich es vor allem gut, dass die Leute nicht mehr rein nach ihren Noten beurteilt werden, sondern man einen Eindruck von der Persönlichkeit und den Kompetenzen gewinnt. Aufpassen muss man bei dem Punkt, dass sich die Menschen nicht falsch präsentieren und je nach Forderung ihr Portfolio hierauf anpassen. Dieses Phänomen liefert uns schon soziale Netzwerke wie Facebook. Die Selbstdarstellung und der Wunsch nach Anerkennung von seinen „Freunden“ nimmt mittlerweile unvorstellbare Maße an. Menschen bearbeiten ihre Profilbilder, um möglichst makellos auszusehen, sodass man sie auf den Fotos kaum wiedererkennt. Diese Verzerrung trübt für mich die positiven Erwartungen an Portfolios und möchte deshalb nochmals betonen, dass die Methoden der Portfolioarbeiten unbedingt umfangreich vermittelt werden sollten, um zu vermeiden, dass man seine Kinder schon im Kindergartenalter auf Perfektionismus und Leistung trimmen muss, damit sie später überhaupt realistische Jobchancen haben.

Als letzten Punkt möchte ich noch kurz auf die Auswahl meiner Texte eingehen. Sowohl der Text von Felix Winter als auch der von Thomas Häcker haben mir gefallen, weil sie einen, auf die Schule bezogenen, Überblick über den gesamten Prozess bieten und dabei auch die Schwierigkeiten nicht außer Acht lassen. Den Vortrag von Peter Baumgartner habe ich ausgewählt, weil er von Einsatzmöglichkeiten der Portfolioarbeit an Hochschulen berichtet und mich somit direkt betrifft. Außerdem war es schön, dass es sich hierbei um ein Video und nicht um einen Text gehandelt hat. Genauso betrifft mich auch der Text von Julius Othmer und Andreas Weich über die Parallelen von (e)Portfolios zu Facebook.
Am interessantesten war für mich der Artikel über den Einsatz im Kindergarten, da ich Grundschullehrerin werden möchte und ich nicht wusste, wie man seine solche Arbeit hier einbinden könnte. Im Nachhinein betrachtet, wird es hier wohl, ähnlich wie im Kindergarten, so sein, dass man auf Portfolios und nicht auf (e)Portfolios zurückgreift, da das Technikverständnis der Kinder in diesem Alter noch nicht ausreicht.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass man durch diese Auswahl ein umfassendes Bild über (e)Portfolios und die Risiken im Hinblick auf den schulischen Bereich bekommen konnte.

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Stephan Münte- Goussar: Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung/ Julius Othmer & Andreas Weich: “Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso”

Web 2.0 - Ein kurzer Überblick

https://www.youtube.com/watch?v=Bc0oDIEbYFc

In dem Text „Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung“ von Stephan Münte- Goussar geht es um die zentrale Frage, ob (e)Portfolios den großen Hoffnungen gerecht werden können und Menschen von passiven Konsumenten zu aktiven Produzenten ihres eigenen Lebens gemacht werden können. Es ist von einer „digitalen Revolution“ des Bildungswesens und einer „neuen Lernkultur“ die Rede (Münte- Goussar, 2012: p.10).
Zunächst ist es jedoch wichtig, dass man weiß, was der Begriff „Web 2.0“ beinhaltet:

„Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologien oder Anwendungen verstanden, sondern der Begriff beschreibt eine in sozio-technischer Hinsicht veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Es stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht mehr die reine Verbreitung von Informationen bzw. der Produktverkauf durch Websitebetreiber, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web und die Generierung weiteren Zusatznutzens im Vordergrund stehen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2014)

Eben diese „Beteiligung der Nutzer“ ist es, um die es auch in dem Text von Münte-Goussar geht. Auf die Schule bezogen bedeutet dies, dass man „niemanden zurücklässt und alle zum Mitgestalten einlädt.“ (Münte-Goussar 2012: p.11) Genau an diesem Punkt setzt das Portfolio an, indem es durch die Gestaltung jedes einzelnen individuelle Profile schafft. Wir werden zu „Unternehmern unserer Selbst“ (ebd: p. 12) und genau an diesem Punkt schließt sich der Kreis zum Web 2.0. Sobald wir uns in aktive Unternehmer verwandeln, wollen wir bei anderen Aufmerksamkeit erlangen und dies kann man am besten im Web 2.0 über soziale Netzwerke wie Facebook (vgl. ebd.: p.12).

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Facebook und (e)Portfolios geht es in dem Text „Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso“ von Julius Othmer und Andreas Weich.

„Denn mit welcher Berechtigung kann ich das eine verurteilen, nur weil es ein populäres Medium ist, und das andere als Revolution zu einer neuen (besseren) Lernkultur konzeptualisieren, wenn sie derartige Analogien aufweisen?“ (Othmer& Weich, 20012: p. 16)

Dieses Zitat verdeutlicht die Problematisierung des Textes und es stellt sich die Frage, ob Facebook mit einem (e)Portfolio gleichgesetzt werden kann. Dazu im Folgenden einige Stichpunkte zu den Gemeinsamkeiten sowie den Unterschieden auf Grundlage des Textes von Othmer und Weich:

Gemeinsamkeiten (vgl. ebd.: p.15f):
- Medialisierungen des Selbst
- Akkumulation von medialen Spuren
- Sichtbarmachen der persönlichen Entwicklung
- für übergeordnete Instanzen transparent sein
- niemals abgeschlossene Projekte
- Auswahl/Bewertung durch Betroffenen und Andere
- Selbst- und Fremdverdatung
- Wissensgenerierung
- Selbstmanagement

Unterschiede (vgl. ebd.: p.16):
- Geltungsbereich
- Grad an Offenheit
- Art der relevanten Akteure

Man kann demnach festhalten, dass sich die Strukturen grundsätzlich ähnlich sind, jedoch im Detail unterscheiden.
Mittlerweile gibt es Ideen, (e)Portfolios über Anbieter wie Facebook zu realisieren (vgl. ebd.: p.16). Diese Idee finde ich überhaupt nicht gut, denn sie würde den eigentlichen Sinn des Portfolios verschwinden lassen. Bei einem Portfolio gibt man sehr viel über sich und seine Persönlichkeit preis und deshalb ist es gut, dass man als Verfassern entscheiden kann, welche Personen das eigene Portfolio einsehen dürfen. Würde man dies alles im Internet für alle öffentlich machen, wäre man so transparent, dass man überhaupt keine Privatsphäre mehr hätte. Doch genau diesen Status, so scheint es, möchte Facebook erreichen. Nachdem die Plattform vor einiger Zeit die personalisierte Werbung eingeführt hat, wollten viele User ihren Account wieder löschen. Aber das ist in der heutigen Zeit kaum möglich, weil viele Informationen, so auch von der Uni, über Facebook verbreitet werden, die man sonst vielleicht zu spät oder gar nicht mitbekommen hätte. Heutzutage werden sogar Geburtstagfeiern oder Urlaube über Facebook geplant. Abgesehen davon speichert Facebook alle Dinge, die man tätigt, auch wenn es nur ein kleiner „Gefällt-mir-Klick“ ist, die auch bei einer Löschung des Accounts bestehen bleiben. Diese Abhängigkeit würde man ebenso bei einem Portfolio schaffen, wenn man sich mit diesem für einen Job oder eine Ausbildung bewerben müsste. Würde es wirklich so weit kommen, wäre man dazu gezwungen, die Bereiche des Lebens in eine anschauliche Form zu bringen, die für die jeweiligen Anforderungen des Berufs erforderlich sind. Ich denke, dass es auch in diesem Fall nicht lange dauern würde, dass sie jede/r in das bestmögliche Licht rückt und dabei sein Portfolio manipuliert, um sich selber zu vermarkten.
Bedenkt man bei diesem Punkt auch noch den schulischen Aspekt, sei es umso bedenklicher diese Idee wirklich in die Tat umzusetzen, denn es würde schulisches mit freizeitlichen Wissen verknüpft werden und es gäbe keine Rückzugmöglichkeiten mehr (vgl. ebd.: p. 16f).
Man müsse den Sachverhalt, das Portfolios und Facebook gewisse Gemeinsamkeiten teilen, beachten und darüber informieren, damit Lehrkräfte hieraus ihre Konsequenzen für den Unterricht ziehen könnten, so Othmer und Weich (2012: p.16).

 

Münte-Goussar, Stephan (2012): Portfolio- Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung. In: Computer& Unterricht, Heft 86, S.10-13

Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Web 2.0, online im Internet
URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/80667/web-2-0-v8.html [Zugriff am 20.03.2026]

Othmer, Julius; Weich, Andreas (2012): „Der Lehrer ist froh, weil er weiß: Du bist soundso“. In: Computer& Unterricht, Heft 86, S.14-17

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Diana Wieden- Bischof, Elisabeth Schallhart: Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen

In dem Praxisbericht „Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen” von Diana Wieden- Bischof und Elisabeth Schallhart geht es um den möglichen Einsatz des Portfolios in der frühkindlichen Entwicklung. Es wird darauf aufmerksam gemacht, wie Pädagogen im Kindergarten den individuellen Lernprozess von Kindern mithilfe des Portfolios fördern können.

Der erste Abschnitt zählt die Vorteile von Portfolioarbeit im Kindergarten auf. Hierzu gehöre unter anderem, dass man Lernfortschritte besser erfassen könne, das Portfolio eine wertvolle Dokumentations- und Reflexionshilfe sei, die Kinder positive Erinnerungen an die Kindergartenzeit festhalten könnten und einen sie einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung liefern würde (vgl. Wieden- Bischof & Schallhart, 2007 :p. 1f).

Unter dem zweiten Punkt wird der Einsatz der Portfoliomethode näher erläutert und in diesem Zusammenhang auf die Voraussetzungen des betreuenden Pädagogen Bezug genommen. Ein Maß an Beobachtungsfähigkeit, technische Kompetenzen, Aufgeschlossenheit, Kontaktfreudigkeit und eine kompetente Gesprächsführung seien die Voraussetzung für einen gelingenden Einsatz des Portfolios auf Seiten der Lehrenden (vgl ebd.: p. 2).

Mithilfe dieser Grafik wird im Folgenden auf die fünf wichtigsten Prozesse bei der Arbeit mit dem Portfolio im Kindergarten eingegangen:

(vgl. Wieden-Bischof & Schallhart, 2007 nach Hilzensauer& Hornung-Prähauser, 2005)

Bei Punkt eins sei vor allem die Einbeziehung der Eltern wichtig, um realistische Ziele setzen zu können. Dafür müsse den Eltern in Form von persönlichen Gesprächen und schriftlichen Mittteilungen ein umfangreiches Wissen über das Portfolio geboten werden. Damit würde man gleichzeitig dafür sorgen, dass die Eltern in den Lernprozess ihrer Kinder eingebunden werden (vgl. ebd.: p. 3f).

Das Sammeln, Auswählen und Verknüpfen von Artefakten mit einem Lernziel würde voraussetzen, dass man zunächst alle abgelegten Arbeiten in einer Box lagert, um dann später gemeinsam mit dem Kind eine Auswahl treffen zu können. Dabei müsse man aber vor allem auf die Privatsphäre der Kinder Rücksicht nehmen. Die Erzieher/innen würden gleichzeitig eine Art Lerntagebuch anlegen, um alle Entwicklungsbereiche widerzuspiegeln. Dabei dürfe man die Sichtweise eines Kindes aber nicht durch eine eigene Interpretation verfälschen. Geeignete Methoden wären hier zum Beispiel das Fotografieren oder das Anfertigen von Werkarbeiten (vgl. ebd.: p. 4-7).

Der dritte Punkt „Reflektieren und Steuern des Lernprozesses“ würde sich im Kindergarten als einer der schwierigsten herausstellen, so Wieden- Bischof und Schallart (2007: p. 8ff). Hierzu bedürfe es der Hilfe eines Erwachsenen. Indem die Kinder beispielsweise Fotos ihrer Arbeit anschauen, würden sie anfangen über ihre Tätigkeit nachzudenken. Im weiteren Verlauf sei es dann auch möglich, dass die Kinder ihre Arbeiten gegenseitig kommentieren. In diesem Absatz taucht eine Passage auf, die ich als Grund meiner Kritik an der Arbeit mit Portfolios im Kindergarten nennen möchte:

„Die Kinder werden sehr früh ermutigt, das Lernen zu lernen, das heißt, ihre Stärken selbstständig auszubauen und verbessern, Schwächen vielleicht erkennen und daran zu arbeiten. (Wieden-Bischof & Schallhart, 2007: p. 10)

Meiner Meinung nach ist es sehr bedenklich, die Menschen schon in der frühen Kindheit auf Perfektionismus zu trimmen. Sollte ein Kindergarten nicht dazu da sein, seine Kindheit auszuleben und mit anderen in Menschen in Kontakt zu kommen? Ich war selber ein Jahr in einem Kindergarten, weil ich dort ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert habe und man sollte es im Kindergarten dabei belassen, den Kindern beispielsweise beizubringen, wie man sich in einer sozialen Gruppe verhält, wie man ordentlich an einem Tisch sitzt oder dass man sein Spielzeug auch mal teilen muss. Wenn ich mir angucke, dass einige Kinder mittags noch schlafen müssen, um den langen Tag bis abends zu überstehen, sehe ich in dem Punkt der Reflexion ein großes Problem.

Ein noch größeres Problem stellt für mich der Punkt des Präsentierens der Portfolio Artefakte dar. In dem Text ist von einem Vorschlag für einen Portfoliotag die Rede:

„Die Kinder stellen ihre Arbeiten vor und erzählen darüber und über ihre Erfahrungen. Dabei legen sie schon sehr früh ihre Scheu ab vor einem kleinen Publikum zu sprechen und gleichzeitig erfahren sie Anerkennung für ihr engagiertes Arbeiten.“ (Wieden-Bischof & Schallhart, 2007: p. 10)

Ich denke, dass der Portfolioansatz einerseits sinnvoll ist, weil man als Pädagoge durch die individuelle Beschäftigung mit den Kindern eventuelle Probleme in der Entwicklung feststellen kann, die sonst in einer großen Gruppe vielleicht untergegangen wären und man kann darauf angemessen reagieren. Außerdem hat ein Kind am Ende der Kindergartenzeit eine schöne Mappe mit vielen Erinnerungen, die man sich auch später immer wieder anschauen kann.
Andererseits finde ich es nicht gut, dass den Kleinen dadurch eine Menge von ihrer Kindheit genommen wird, indem sie sich ständig damit beschäftigen, ob sie oder ihre Leistungen nun gut genug sind.
Ich finde es sinnvoll, die Kinder langsam an die Portfolioarbeit heranzuführen und sie beispielsweise zu fragen, welche Werke sie gerne als Erinnerung in ihrer Sammelmappe hätten. Damit wäre zumindest ein Prozess der Portfolioarbeit schon mal durchlaufen. Der Zeitpunkt des Reflektierens oder gar Präsentierens sollte in die Grundschulzeit gelegt werden.

Dass zum Bewerten und Evaluieren Bewertungsraster angelegt werden sollen, um die Nachvollziehbarkeit von Leistungen zu gewährleisten, finde ich etwas widersprüchlich (vgl. ebd.: p. 10f). Unter Umständen birgt dieser Punkt die Gefahr eines Normierungsdruckes. Manche Eltern könnten in Panik verfallen, weil ihr Kind bestimmte Kompetenzen in einer bestimmten Zeit noch nicht erworben hat und dadurch würde die Individualität, die das Portfolio eigentlich schaffen soll, wieder verloren gehen.

 

Wieden- Bischof, Diana & Schallhart, Elisabeth (2007): Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen [Praxisbericht]. In: bildungsforschung, Jahrgang 4, Ausgabe 1
URL: http://www.bildungsforschung.org/Archiv/2007-01/portfolio/ [Zugriff am12.03.2014]

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Vortrag von Peter Baumgartner: Implementierungsstrategien für e-portfolios an Hochschulen

In dem Vortrag von Prof. Dr. Peter Baumgartner und Dr. Klaus Himpsl- Gutermann über „Implementierungsstrategien für e-portfolios an (österreichischen) Hochschulen“ geht es um die Hilfestellung, Portfolios besser in die Hochschule, aber auch in anderen Bereichen, einzubetten.

Interessant finde ich, dass gleich zu Beginn darauf hingewiesen wird, dass man als Pädagoge selbstkritisch sein sollte und dass das E-Portfolio nicht alle didaktischen sowie pädagogischen Probleme lösen könne.

Peter Baumgartner startet mit der Gliederung des Vortrages:

1.) Entwicklung einer Taxonomie für E-Portfolios
2.) Software Evaluation und Empfehlungen
3.) Implementierungsstrategien
4.) Fallbeispiel: MA eEducation (DUK)

Der Einstieg des Vortrages beinhaltet eine Definition des E-Portfolios, die ich für sehr treffend halte:

„Ein E-Portfolio ist eine spezielle Form eines Content Management Systems (CMS), das als eine elektronische Sammlung von digitalen Artefakten fungiert, zu denen verschiedene Nutzer/- innengruppen unterschiedliche Zugänge d.h. (Schreib- und Lese-) Rechte haben.“ (Baumgartner, 2008)

Baumgartner betont hier vor allem den Vorteil, dass man den Zugang zu seinen Daten eigenständig steuern kann. Genau diesen Punkt finde ich auch erwähnenswert. Wenn man sein Portfolio ein Leben lang führt, kann man seine Artefakte immer für neue Leute freischalten und anderen den Zugang verwehren, sodass man nicht so präsentiert wird wie beispielsweise auf Facebook.

Punkt zwei beginnt Baumgartner wiederum mit einem Zitat. Dieses Mal soll er Begriff „Taxonomie“ näher betrachtet werden:

„ Unter einer Taxonomie wird ein systematisches Klassifikationsschema zur Ordnung von Dingen, Erscheinungen, Prozessen etc. nach einheitlichen sachlogischen Prinzipien, Verfahren und Regeln verstanden.“ (Baumgartner, 2008)

Mithilfe einer solchen Taxonomie sieht man in folgender Darstellung die Gliederung der verschiedenen Portfoliotypen:


(Baumgartner & Himpsl, 2008)

Laut der Tabelle kommt man durch drei Grundtypen (Reflexion, Entwicklung und Präsentation), der Unterscheidung nach Eigentum (personen-/ organisationsbezogen) und der Unterscheidung nach Orientierung (produkt-/ prozessorientiert) auf insgesamt 12 Typen von Portfolios.

Um kurz auf die Software einzugehen, die im nächsten Teil des Vortrages von Klaus Himpsl erläutert wird, habe ich zu den verschiedenen Typen kurze Stichpunkte notiert:

institutionell
- LMS/LCMS (Lernplattformen): formales Lernen, Hochschule
- CMS/ HRMS (Content Management Systeme/Human Resource Management):
Wissens-/Kompetenzmanagment in Unternehmen etc.

Individuell
- Web 2.0: informelles Lernen, soziale Netzwerke, problemzentriertes Arbeiten
- PLE (persönliche Lernumgebung) : persönliches Wissensmanagment
lebenslanges Lernen, Schreibtisch, eigener PC

Empfehlenswert, laut Himpsl (2008), seien vor allem die Produkte „PebblePed” und „Mahara“, weil sie im Vergleich zu anderen die meisten Bereiche abdeckten.

Nun kommen wir zu dem eigentlichen Punkt des Vortrages, der Implementierung. Hierzu wurden vier Strategiemodelle entwickelt. Unter dem Punkt A finden wir die Entwicklungsportfolios, die besonders für normative Entwicklungsübergänge von Bedeutung sind. Reflexionsportfolios umfassen die Kategorie B und dienen u.a. der Qualitätssicherung, während die Beurteilungs- und Präsentationsportfolios aus der Gruppe C einem handlungsorientierten Studium dienen können. Der letzte Punkt D ist eine Kombination aus A, B und C in Verbindung mit einer hochschulweiten Strategie, die vor allem für die Verbreitung von e-portfolios bedeutend ist.

Auf das Fallbeispiel als letzten Punkt des Vortrages von Peter Baumgartner und Klaus Himpsl möchte ich nicht weiter eingehen, sondern lieber meine eigene Meinung zu dem Vortrage nennen.
Ich finde es zu aller erst gut, dass versucht wird die Methode des Portfolios an die Hochschulen zu tragen, denn hier werden die Grundsteine für die weitere Vermittlung gelegt. Schult man zum Beispiel angehende Lehrer und Lehrerinnen besser für den Einsatz im Unterricht, wird sich die Idee besser durchsetzen können. In der Praxis haben wir, denke ich, alle selber miterleben dürfen, dass ein begeisterter und kompetenter Lehrer, der sicher in seinem Handeln sicher ist, ein ganz anderes Bild auf die Lernenden ausübt, als ein Lehrer, der sehr unmotiviert und nicht überzeugt von den Inhalten seines Faches wirkt.
Wenn man es schafft, den Schülern den Sinn hinter einem Portfolio zu vermitteln, sodass diese selber mit Fleiß und Ehrgeiz hinter ihrer Arbeit stehen, wird man mit dieser Methode gute Ergebnisse erzielen können und neue Perspektiven in der individuellen Leistungsbewertung schaffen.

Den Beitrag kann man unter folgendem Link anschauen:
https://lecture2go.uni-hamburg.de/konferenzen/-/k/10445

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Thomas Häcker: Portfolio- ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens

In dem Text “Portfolio- ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens” von Thomas Häcker geht es im ersten Teil um die Unterscheidung der Begriffe “Selbststeuerung” und “Selbstbestimmung”.

Der Begriff „Selbststeuerung“ ist im Duden (2014) als eine „automatische Steuerung“ definiert. Ich verstehe unter dem Begriff in Bezug auf die Schule, dass die Schüler zu Beispiel Materialien im Lernprozess selber wählen dürfen (wie wird gelernt). Für Häcker sind folgende Punkte in Verbindung mit der „Selbststeuerung“ wichtig: Autonomie, Mündigkeit und Erziehung zu lebenslangem Lernen. Er betont, dass die Selbstbestimmung in den vergangenen Jahren der Selbststeuerung vorrangig sei. Das Portfolio werde diesem Bereich zugeschrieben (vgl. Häcker, 2007: p. 63f). Außerdem ziele die Selbststeuerung im Lernprozess auf die Mitbestimmung bei regulativ- operativen Aspekten ab (vgl. ebd.: p. 65).

Bei der „Selbstbestimmung“ hingegen können die Lernenden auch über Inhalte (was wird gelernt) entscheiden. Für den Bereich der Politik beschreibt der Duden (2014) diesen Begriff als „Unabhängigkeit des bzw. der Einzelnen von jeder Art der Fremdbestimmung (gesellschaftliche Zwänge, staatliche Gewalt).“
Hier sieht Häcker die Mitbestimmung der Lernenden bei thematisch- inhaltlichen Aspekten (vgl. Häcker, 2007: p. 64). Zudem spricht er in diesem Zusammenhang von einer „Humanisierung des Lernens“. Ich verstehe unter „Humanisierung“ etwas menschlich zu gestalten, während bei der „Optimierung“ der menschliche Aspekt fehlt. Hier wird etwas einfach bestmöglich gestaltet (vgl. ebd.: p. 70).
Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich in den folgenden Tabellen die beiden Begriffe auf der Grundlage des Textes von Thomas Häcker gegenübergestellt:

Vorteil der Selbstbestimmung Vorteil der Selbststeuerung
- gilt als Merkmal eines gebildeten Menschen - dient dem Erreichen vorbestimmter Lernziele
- ist der Maßstab für didaktisches Handeln und Denken - beinhaltet gewissen Grad an Mitbestimmung
- Ausdruck und Ziel menschlicher Freiheità eigene Lebensführung

 

Nachteil der Selbstbestimmung Nachteil der Selbststeuerung
- Zwiespaltà thematisch/inhaltliche Mitbestimmung steht dem Erreichen meist gesellschaftlich vorbestimmter Lernziele gegenüber - einseitige Betonung führt zum Verlust vom Lernsinn
- selbstbestimmtes Lernen kann nicht garantiert werden - kann zur Verschärfung von Problemen des schulischen Lernens führen (vor allem im motivationalen Bereich)
- bei freier Themenwahl werden bestimmte Bereiche völlig ausgelassen - das Einfordern von Selbststeuerung fördert eventuell die Fremdbestimmung im Lernprozess

(vgl. Häcker, 2007: p. 63- 66)

Der Text deutet an, dass wir, aufgrund der Zuwendung zur Selbststeuerung, mehr und mehr um die Inhalte und Ziele betrogen werden. Dies zeigt sich am Beispiel der Schule auch an den Lehrplänen. Sie sollen die Schüler zu mündigen Menschen machen und geben gleichzeitig vor, mit welchen Bereichen sich die Lernenden zu beschäftigen haben. (http://www.lehrplan.lernnetz.de/)

Die Frage nach dem Maß an Fremd- und Selbstbestimmung wird in einem weiteren Teil des Textes angesprochen. Wer Fremdbestimmung als Möglichkeit in den Bildungsprozess einräume, müsse auf die ungelöste Frage, wie aus Heteronomie Autonomie wird, antworten können (vgl. ebd.: p. 66). Heteronomie bedeutet, laut Duden (2014), „Abhängigkeit, Unselbstständigkeit, von außen her bezogenen Gesetzgebung“, während Autonomie im Gegensatz dazu für Unabhängigkeit und Selbstständigkeit steht.

In einem anderen Abschnitt des Textes geht es um den Begriff „Emanzipation“. Nach Schulz, so Häcker (2207: p.66), könne Unterricht nicht emanzipieren, sondern nur emanzipatorisch relevant sein. Die Aufgabe der Lehrer sei es, die unkritische Verinnerlichung bestehender Verhältnisse zu relativieren.
Diese Aussage erinnert mich an die Epoche der Aufklärung. Auch Immanuel Kant wollte die Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien und sie zu selbstständigen Bürgern machen, die nicht blind vorgegebenen Autoritäten vertrauen, sondern selber eine kritische Haltung entwickeln.

Im Verlauf des Textes geht Häcker dann immer konkreter auf die Arbeit mit einem Portfolio ein. Eine interessante Aussage ist dabei folgende:
„ Wie – so fragt sich- kann verhindert werden, dass Portfolioarbeit Teil eines neoliberalem Programms in der Pädagogik wird […]? (ebd.: p. 67)
Das Portfolio komme nur für die Leistung zur Förderung von Selbststeuerung in den Blick, nicht aber zum Aufdecken der Potentiale für ein selbstbestimmtes Lernen (vgl. ebd.: p. 67).
Zum Verständnis der oben zitierten Aussage, hier eine Definition des Begriffs „Neoliberalismus“:

„Denkrichtung des Liberalismus, die eine freiheitliche, marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung mit den entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie privates Eigentum an den Produktionsmitteln, freie Preisbildung, Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit anstrebt, staatliche Eingriffe in die Wirtschaft jedoch nicht ganz ablehnt, sondern auf ein Minimum beschränken will.“ (Bundeszentrale für politische Bildung, 2013)

Häcker macht einerseits deutlich, dass das Portfolio eine Möglichkeit ist, eigene Kompetenzen anhand selbstgewählter Leistungsprodukte zu zeigen und als Reforminstrument eine Wende in die Leistungsbewertung zu bringen.
Andererseits müsse man aufpassen, dass es nicht missbraucht werde um vorbestimmte Lernergebnisse sicherzustellen und Lernende auf sanftere aber umfassendere Weise zu kontrollieren. Es dürfe in der Bildung nicht zu einem Unterwerfungsprozess kommen, so Häcker (vgl. Häcker, 2007: p. 71ff).

In seiner Zusammenfassung erkennt man genau dieses Phänomen wieder. Das Portfolio KANN selbstbestimmtes Lernen fördern aber auch genauso gut die Probleme verstärken.
Ich bin der Meinung, es ist eine Idealvorstellung, dass Schüler Inhalte und Ziele vollkommen eigenständig gestalten können oder wenn dies überhaupt möglich ist, bedarf es einer langwierigen Umstrukturierung der Schule.

 

Häcker, Thomas (2007b): Portfolio- ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens. In: Gläser- Zikuda, Michaela/ Hascher, Tina (Hg.), Lernprozesse dokumentieren, reflektieren und beurteilen. Lerntagebuch und Portfolio in Bildungsforschung und Bildungspraxis. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. S. 63-85

Duden (2014). Selbstbestimmung, die.
URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Selbstbestimmung [Zugriff am 11.03.2026]Duden (2014). Selbststeuerung, die.
URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Selbststeuerung [Zugriff am 11.03.2026]Duden (2014). Heteronomie, die.
URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/Heteronomie [Zugriff am 11.03.2026]Duden (2014). Autonomie, die.
URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/Autonomie [Zugriff am 11.03.2026]Bundeszentrale für politische Bildung (2013). Neoliberalismus.
URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20176/neoliberalismus [Zugriff am 11.03.2026]

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Felix Winter: Portfolios zur Individualisierung des Lernens und des Beurteilens

In dem Text „Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens“ von Felix Winter wird deutlich, welches Potential Portfolios beinhalten. Besonders im Bereich der Schule KANN ein Portfolio beim individualisierten Lernen und Beurteilen helfen und der Bildungsstandardisierung entgegenwirken.

Zunächst möchte Felix Winter den Unterschied zwischen Standardisierung und Individualisierung verdeutlichen.
Ersteres bedeutet für mich im Rahmen der Schule, dass alle Schüler in demselben Raum, mit denselben Mitteln und denselben Lehrern unterrichtet werden, während sich bei letzterem jeder Schüler frei nach seinen Fähigkeiten entfaltet.

„Oft noch ein zartes Pflänzchen, das immer wieder bedroht ist zu verkümmern. Manchmal aber auch schon etwas robuster aufrankend und am Blühen.“ (Felix Winter, 2008: p.2)

Diese Metapher verdeutlicht wunderbar den Status der Portfolioarbeit in Deutschland. Um die Verbreitung des Portfolios deutlich zu machen, werden in dem Text drei Institutionen genauer beleuchtet: der Kindergarten (vorschulische Bildung und Erziehung), der Bereich der Schule und die Hochschule.
Im Kindergarten zeige das Portfolio wunderbar die Entwicklung eines Kindes und erleichtere den späteren Übergang zur Schule, so Winter (2008: p. 2).
Die Schule allerdings verhindere mit ihrer Notenvergabe die Ausbreitung des Portfolios und somit den Weg zur Individualisierung im Schulalltag (vgl. ebd.: p.2). Auch wenn wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden, in der immer mehr Stimmen laut werden, die das Notensystem kritisieren, erweist sich das Portfolio NOCH nicht als eine passende Alternative.
Im Bereich der Hochschule werde die Arbeit mit Portfolios immer mehr. Vor allem in der Lehrerbildung würde diese neue Methode immer mehr Anhänger finden (vgl. ebd.: p.3).
Ich sollte selber im letzten Semester zwei Portfolios anfertigen und muss sagen, wenn man sich regelmäßig motiviert, Beiträge zu verfassen, hat man sehr schnell ein umfangreiches Heft, das im weiteren Studienverlauf sehr hilfreich werden kann. Man ist dazu angehalten, sich intensiv mit einem Thema zu befassen.
Des Weiteren zählt Felix Winter in seinem Text viele verschieden Arten von Portfolios auf: Arbeits-, Themen-, Recherche-, Kurs-, Berufsfindungs-, Bewerbungsportfolios (vgl. ebd.: p.2).
Im Verlauf des Textes werden zudem die Merkmale von Portfolioarbeit in Bezug auf die Individualisierung des Lernens genannt. Die Schüler formulieren erstens in der Regel vor ihrer Arbeit Ziele und legen die Rahmenbedingungen fest. Zweitens erkenne man ein Portfolio an der Prozess- und Verfolgbarkeit, da es längerfristig angelegt und von den Schülern bearbeitet werde vgl. ebd.: p.4f).
Dass Felix Winter ein Befürworter des Portfolios ist, wird deutlich, als er auf das Problem der Leistungsbewertung zu sprechen kommt. Für ihn biete die Methode des Portfolios „ […] eine neue Möglichkeit für die Bewertung von Schülerleistungen […]“ (Felix Winter 2008: 7). Für viele Lehrkräfte liege aber genau hier das Problem, sodass häufig komplett auf Portfolioarbeit verzichtet werde. In meiner Schulzeit beispielsweise musste ich nie eine solche Arbeit anfertigen.
Nichtsdestotrotz ist Winter der Meinung, dass das Potential des Portfolios heute bei weitem noch nicht ausgeschöpft sei und so kommt er in am Ende seines Vortrages zu diesen drei Schlussfolgerungen: Erstens muss das Portfolio als Instrument des Unterrichts in ihm verankert werden. Zweitens sollte die Portfolioarbeit stärker publik gemacht werden und drittens geht es in der noch jungen Geschichte des Portfolios darum, die Arbeit zu evaluieren und zu beforschen (vgl. ebd.: p.9).
Für die Schule stellt sich vor allem die Frage, ob das Portfolio eine Alternative zu dem vorhanden Notensystem darstellt. Ich denke, dazu muss das Portfolio noch weiter an Popularität gewinnen und die Lehrkräfte müssen besser für die Arbeit mit Portfolios geschult werden. Die Schüler selber sollten erkennen, dass die Arbeit mit dem Portfolio nicht nur langweilig und zeitintensiv ist, sondern dass ihnen ihre Aufzeichnungen auch im späteren Berufsleben weiterhelfen. Sie untermalen Stärken und die Individualität einer Person. Wäre es eventuell nicht viel besser, man würde sich mit seinem Portfolio aus der Schule für einen späteren Job bewerben, anstatt eine Bewerbungsmappe zu erstellen? Sagt ein solches Dokument nicht viel mehr über die Menschen aus als Noten? Viele Universitäten haben für bestimmte Fächer Eignungsprüfungen vorgeschrieben. Auch hier wird nicht mehr nur auf die Noten geguckt. Was bringt den Schülern zum Beispiel ein Lehrer, der über ein enormes Fachwissen verfügt, die Inhalte aber nicht vermitteln kann? Vielleicht ist ein solcher Lehrer auch gar nicht in der Lage auf die sozialen oder individuellen Probleme seiner Schüler einzugehen, weil er den Umgang mit Menschen noch nie richtig unter Beweis stellen musste. Das Portfolio könnte diesem Problem vorbeugen.

 

Winter, Felix (2008): Portfolios zur Individualisierung des Lernens und Beurteilens. Vortrag zur Eröffnung der gleichnamigen Tagung der ÖFEB-Sektion „Schulforschung und Schulentwicklung“ am 6. 6. 2008 in Linz

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