Fazit

Ich muss zugeben, dass ich das Seminar „Techniken des Selbst: ePortfolio“ nur gewählt habe, weil es gut in meinen Stundenplan gepasst hat. Als in der ersten Sitzung gefragt wurde, wer sich denn die Beschreibung des Seminars durchgelesen habe, war es mir schon fast etwas unangenehm, dass ich mich im Vorwege nicht einmal über das Thema informiert habe. Aber so habe ich alles ganz unvoreingenommen auf mich wirken lassen. Und ich muss sagen, alles in allem hat mir das Seminar sehr gefallen. Die Texte waren zum größten Teil sehr angenehm zu lesen und interessant. Wobei ich zugebe, dass ich mich durch Texte mit Themen wie „Neoliberalismus“ eher durchquälen und mich stark konzentrieren muss, dass ich mit meinen Gedanken nicht abschweife. Die Art und Weise wie die Sitzungen gestaltet waren, hat mir gut gefallen. Auch wenn ich selbst nicht viel dazu beitragen konnte, gab es häufig spannende Diskussionen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Da ich es leider nur in den ersten drei Seminarsitzungen geschafft habe, pünktlich einen Artikel zu schreiben und den Rest bis auf die letzte Woche vor „Abgabe“ geschoben habe, habe ich beim Schreiben meines ePortfolios immer wieder an Äußerungen von Kommilitonen gedacht. Das hat mir sehr geholfen, bestimmte Texte zu verstehen.

Vor diesem Seminar hatte ich eigentlich so gut wie gar keine Ahnung von Portfolios. Ich hatte zwar mal eins in meinem Englisch Leistungskurs angelegt, aber ich habe mir damals nie Gedanken über das Portfolio als Unterrichtsmethode gemacht. Damals hat unsere Lehrerin uns einen Zettel ausgeteilt, auf dem stand, wie wir das Portfolio anlegen sollten und das habe ich dann einfach ausgeführt. Jetzt wo ich sehr viel über Portfolioarbeit weiß, habe ich nochmal über ihren Portfoliounterricht nachgedacht und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass sie es perfekt durchdacht und geplant hat. Wahrscheinlich hatte sie auch zuvor eine Weiterbildung zu dem Thema besucht. Leider habe ich vergessen, wie meine Lehrerin unsere Portfolios damals bewertet hat. Ich weiß noch, dass sie es getan hat, aber nach welchen Kriterien ist sie vorgegangen? Dies ist auch der einzige Punkt bzw. meine einzige offen gebliebene Frage die ich aus dem Seminar mitnehme. Wie bewertet man ein ePortfolio? Obwohl wir viel darüber gesprochen und diskutiert haben, ist es mir bis heute nicht klar geworden, wie man eine so individuelle Leistung bewerten soll. Vor allem nicht, wenn ein Lernprozess dargestellt wird. Ist es dann gut, wenn man „schlecht“ beginnt und „hervorragend“ endet? Und wie kann man überhaupt eigene Meinungen bewerten?

Dieses Seminar und die Texte haben mich jedes Mal sehr zum Denken angeregt. Manchmal bin ich in meinen Texten etwas vom eigentlichen Thema abgekommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Thema Portfolio so weit aufblasbar ist. Man kann es in fast jedem Bereich des täglichen Lebens einsetzen und wiederfinden und doch kann es andererseits ganz eng definiert sein. Es fasziniert mich immer wieder, wie lange bestimmte Dinge brauchen, bis sie sich etabliert haben. Wie kann es sein, dass so viel Zeit vergeht bis eine super Unterrichtsmethode wie das ePortfolio im Schul- und Hochschulsektor integriert ist? In Zeiten sozialer Netzwerke wie Facebook warten die Schüler doch nur auf einen modernen Unterricht mit ePortfolios.

Ich werde das ePortfolio jetzt in meinen Kopf packen und es hoffentlich, wenn ich in einigen Jahren selbst unterrichte, wieder auspacken.

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Mit Portfolios die Spuren des Lernens von Kindergartenkindern sichtbar machen (Diana Wieden-Bischof & Elisabeth Schallhart)

Das Video zeigt die Einsatzmöglichkeiten von Portfolios im Kindergarten. Leider sind die meisten Kindergartengruppen sehr groß und den Erziehern bleibt wenig Zeit sich intensiv mit jedem Kind zu beschäftigen und es individuell nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu fördern. Mithilfe von Portfolios soll dieses Problem nun gelöst werden:

„Das Dokumentieren und Präsentieren der persönlichen Entwicklungsgeschichte im Kindergarten ermöglicht positive Erinnerung an das Lernen im Kindergarten, zeigt in anschaulicher Weise die Entwicklung und das Wachstum des Kindes und ist ‚Ansporn‘ für zukünftiges Lernen in der Schule bis ins Erwachsenenalter.“

(Wieden-Bischof & Schallhart, 2007)

Ich denke, dass das Portfolio im Kindergarten eine sehr schöne Möglichkeit ist Erinnerungen festzuhalten. Ebenso können Lernprozesse sichtbar gemacht und der Entwicklungsstand des Kindes festgehalten werden. Dennoch sollte der Kindergarten eine unbeschwerte Zeit sein. Die Kinder sollen das Zusammensein mit Gleichaltrigen lernen und genügend Zeit zum gemeinsamen Spielen haben. Ein Portfolio sollte also nicht zu penetrant in den Kindergartenalltag integriert werden. Im Video sagt ein Kind: „Das kommt in meine Schatzkiste!“. So würde ich das Portfolio auch lieber sehen, als eine Sammlung von Schätzen und Erinnerungen, die das Kind später an die schöne Zeit im Kindergarten erinnert. Die Pädagogen sollten die meiste Zeit in die Portfolios der Kinder investieren und Verhaltensweisen, kleine Geschichten, Merkmale und Lernerfolge dokumentieren. Erinnerungen wie: „Das war dein Lieblingsplatz“, „Mit diesem Kind hast du am liebsten gespielt“ oder „Das wünsche ich dir für die Zukunft“ finde ich sehr süß. Ich hätte gerne ein Portfolio aus meiner Kindergartenzeit gehabt, weil ich mich leider nur an einige Tage und Erlebnisse erinnere und damals natürlich noch gar nicht so komplex, wie beispielsweise ein Erzieher, gedacht habe.

In unserer heutigen Zeit sind viele Eltern auf ihre Jobs angewiesen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als Vollzeit zu arbeiten und ihre Kinder in eine Kita zu geben. Gerade diesen Eltern fällt es meist sehr schwer ihre Kinder den ganzen Tag abzugeben und so viele Lernprozesse und Erlebnisse zu verpassen. Auch die Erzieher können sich natürlich abends nicht die Zeit nehmen über jedes ihrer 25 Kinder eine Stunde zu referieren. Deshalb ist ein Portfolio, in dem alles festgehalten wird, eine tolle Sache. Die Erlebnisse und Geschichten gehen nicht verloren und bleiben so auch für die Kinder ein Nachschlagewerk, wenn sie sich später einmal fragen: „Was habe ich eigentlich im Kindergarten gemacht?“.

Ich finde es sollte nur nicht zu viel Wert auf die Reflektion des Portfolios bzw. die Lernprozesse gelegt werden. Wenn ein Kind ein Bild in seine Schatzkiste legen möchte, ist das super. Es muss aber nicht jedes Mal gefragt werden, warum möchtest du gerade dieses Bild für deine Kiste haben und nicht ein anderes? Das strengt nur zu sehr an und ist im Kindergarten meiner Meinung nach noch nicht erforderlich. Vielleicht könnte man im letzten Jahr vor der Schule mit dem Reflektieren anfangen und den Kindern am Ende einmal ihre Entwicklung während der Kindergartenjahre aufzeigen. Davor sollte man die Kleinen Kind sein lassen.

Neoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozessbestimmung? Portfolioarbeit im Spannungsfeld zwischen (Selbst-) Steuerung und Selbstbestimmung (Thomas Häcker)

Unter anderem beschreibt Thomas Häcker in seinem Text die Ursprünge und Merkmale von Portfolioarbeit. Da ich diese sehr treffend und einleuchtend formuliert finde, möchte ich mich sie im Folgenden einmal zusammenfassen.

 

Begriffsdefinitionen

Selbststeuerung: Die operativ-regulativen Aspekte des Lernens.

Selbstbestimmung: Gibt dem Lernen die Richtung vor & wahrt den Sinnbezug des Lernens.

 

Hintergründe der Portfolioarbeit

  • Mitte der 1980er Jahre: schlechte Qualität / Effizienz & Effektivität des US-amerikanischen Schulwesens (Öffentliche Kritik)
  • Absolventen verfügen nicht über die notwendigen Kompetenzen, die sie in der modernen Arbeitswelt benötigen
  • Grund: „teaching to the test“, multiple-choice-tests
  • Interesse an alternativen Formen der Leistungsbeurteilung wächst
  • 1990er Jahre: Portfolio ist die weit verbreitetste alternative Assessment-Methode

 

Merkmale von Portfolioarbeit

„Die Arbeit mit Portfolios dient damit in erster Linie der Optimierung von Lernprozessen durch die Förderung von Selbststeuerung im Lernen.“

(Häcker, 2009)

 

„Didaktisch betrachtet handelt es sich beim Portfolio um ein Ensemble verschiedener (methodischer) Elemente und Techniken, die unter Einhaltung bestimmter Prinzipien (Reflexion, Leistungsdarstellung, Kommunikation, Transparenz und Partizipation) zum Einsatz kommen. Damit zielt Portfolioarbeit auf eine Reflexion des eigenen Lernens, die Darstellung eigener Leistungen, eine Kommunikation über Leistungen und damit verbunden eine hohe Transparenz hinsichtlich der Leistungsanforderungen und -beurteilung, eine weitreichende Partizipation z.B. bei der Festlegung der Beurteilungskriterien mit dem Ziel, Möglichkeiten zur (metakognitiven) Selbststeuerung des Lernens zu erweitern und die Qualität der Lernergebnisse sowie die Effizienz und Effektivität der Lernprozesse zu erhöhen.“

(Häcker, 2009)

 

Schon damals gab es Kritiker, die die negativen Seiten der Portfolioarbeit beleuchteten:

Auch heute sind das wohl die Probleme, vor denen der Einsatz von Portfolios steht. Oft werden sie einfach falsch eingesetzt. Erstmal ist es schwierig für Lehrer, die seit Jahrzenten im Berufsleben stehen, sich auf etwas Neues einzulassen. Sie stehen neuen Methoden erst einmal skeptisch gegenüber. Und dann fällt es schwer sich von alten Mustern zu trennen. Die Routine in Noten zu denken und zu beurteilen, kann man nicht von heute auf morgen aus den Köpfen herausholen. Genauso hat der Lehrer immer vorgegeben, was genau gemacht und gelernt werden sollte. Jetzt sollen die Schüler plötzlich so viel Freiheit bekommen. Es braucht - gerade in Deutschland - wahrscheinlich noch viel Zeit bis sich das ePortfolio vollends etabliert hat. Aber das ist es wert.

„Jeder könnte, aber nicht alle können“ – Konturen des unternehmerischen Selbst (Ulrich Bröckling)

Ich würde den Titel gerne umschreiben in: „Jeder könnte, aber nicht alle können und WOLLEN!“. Ulrich Bröckling beschäftigt sich in seinem Artikel mit dem unternehmerischen Selbst. Um mir im Vorwege klar zu werden, was eigentlich ein Unternehmer ist, habe ich folgende Mindmap erstellt:

Der Text klingt fast so, als wäre es das Ziel jedes Menschen, Unternehmer zu werden. Aber ist es das? Für mich klingt der Alltag eines Unternehmers nicht einmal ansatzweise schmackhaft. Unternehmer rennen von einem Meeting zum nächsten, sind dauerhaft gestresst und haben keine Zeit für ihr Privatleben. Sie handeln gewinnorientiert und radikal. Es liegt in ihrer Natur, dass sie auf andere Menschen bzw. ihre Angestellten nicht viel Rücksicht nehmen können, denn sie müssen schließlich an ihren Profit denken. Dennoch sind sie meistens intelligente Menschen – oder sie haben intelligente Mitarbeiter, die für sie denken. Unternehmer entdecken Marktlücken, die andere nie sehen würden, und nutzen sie bestmöglich zu ihrem Vorteil aus:

„Unternehmertum besteht nicht darin, nach einem freien Zehndollarschein zu greifen, den man bereits irgendwo entdeckt hat. Es besteht vielmehr darin, zu entdecken, daß es ihn gibt und daß er greifbar ist.“

(Ebd., S. 38)

Bröckling erwähnt auch die „Marke Ich“. Man solle sich besonders machen um nicht ausgesondert zu werden:

„Nur in dem Maße, in dem der Einzelne sich selbst als unverwechselbare Marke kreiert, hebt er sich von der Masse ab und vermag die Wettbewerber auszustechen.“

(Bröckling, 2002)

Dieses Kreieren der eigenen Marke liegt natürlich in der Natur des Unternehmerdaseins. Wenn man sich nicht von seinen Mitstreitern unterscheidet und sich besonders, interessant macht, bleibt man nicht in Erinnerung. Der Kunde erinnert sich nicht an das eigene Unternehmen und entscheidet sich für die Konkurrenz.

Die meisten von uns haben sich für dieses Studium entschieden, weil sie kein Unternehmer sein wollen. Wir werden uns in einem sehr sozialen Berufsumfeld bewegen, den Kindern etwas von der Welt erzählen, vom Berufsleben, der freien Wirtschaft, von der wir eigentlich gar keine Ahnung haben. Dieser Druck, der auf den Schultern eines Unternehmers liegt, kann von einem Lehrer höchstwahrscheinlich nicht einmal ansatzweise nachvollzogen werden: Die Angst zu versagen, die Angst seine Angestellten in schlechten Zeiten nicht bezahlen zu können oder folgenschwere Fehler zu begehen.

Deshalb: „Jeder könnte, aber nicht alle können und WOLLEN!“ und ich will nicht.

Implementierungsstrategien für ePortfolios an Hochschulen (Prof. Dr. Peter Baumgartner / Klaus Himpsl)

Baumgartner und Himpsl befassen sich in ihrem Vortrag mit Implementierungsstrategien für ePortfolios an Hochschulen. Gleich zu Beginn musste ich etwas schmunzeln. Baumgartner erzählt, dass die Welt bei jeder neuen Methode – so auch beim ePortfolio – denke: DAS ist jetzt die Innovation, die die Welt verändern wird. Damit hat er so Recht. Wenn ich an die vielen Schulreformen denke, die während meiner eigenen Schullaufbahn unternommen wurden, kann ich nur lachen. Immer wieder wurde gesagt und sich eingeredet, dass dieses System nun endlich perfekt sei. Aber wie oft wurde wieder alles geändert und zum Alten zurückgekehrt?

Baumgartner sagt auch, dass nicht alle Probleme mit einem ePortfolio gelöst werden können. Man könne sowohl guten als auch schlechten Unterricht mit ePortfolios halten. Es verhält sich also wie mit jeder anderen Unterrichtsmethode auch.

Das folgende Bild stammt aus Baumgartners Präsentation und zeigt die verschiedenen Gesichter von ePortfolios:

Bildquelle: Präsentation zum Vortrag Implementierungsstrategien für ePortfolios an Hochschulen (Baumgartner / Himpsl)

Es ist schön und gut, wie vielfältig man ein ePortfolio einsetzen kann. Aber ich frage mich, ob diese ganzen ePortfolio-Typen, die dort gezeigt werden, wirklich sinnvoll sind? Jahresportfolios? Epochenportfolios? Abschlussportfolios? Dann könnte ich die Liste gleich noch um Hochzeitsportfolios, Babyportfolios und Sportportfolios ergänzen.

Ein Reflexionsportfolio für den Einsatz an Hochschulen, wie Baumgartner und Himpsl es vorstellen, ergibt für mich Sinn. Man reflektiert, kann die eigene Entwicklung verfolgen und präsentieren. Aber man darf auch nicht vergessen, dass ein ePortfolio Arbeitsaufwand bedeutet. Wenn man es gut und erfolgreich nutzen möchte, muss man viel Zeit dafür investieren. Und wenn man zu viele ePortfolios anlegen muss, wird es auf die Dauer anstrengend, macht keinen Spaß mehr und der Sinn / Lerneffekt geht verloren. Und wer soll diese ganzen ePortfolios am Ende lesen? Das beste Beispiel ist das Bewerbungsportfolio. Zum einen ist es ein weiteres Mittel, die Menschen so vergleichbar wie möglich zu machen. Das gefällt mir leider gar nicht. Jeder Mensch ist individuell und das Gute an einer „herkömmlichen“ Bewerbung ist doch, dass man seine Stärken aufzeigen und nur das präsentieren kann, was man auch möchte. In einem Bewerbungsportfolio werden dann irgendwelche Kreuze gesetzt und man ist nicht mehr die so sympathisch lächelnde Person auf dem Bewerbungsfoto, die 3 Jahre in China gearbeitet hat, sondern man ist Nummer 167, die während ihres Studiums ein Seminar in VWL und Dänisch belegt hat. Zum anderen frage ich mich, ob die Personalchefs wirklich Zeit in das Lesen von Hausarbeiten, die man in seinem Portfolio hochgeladen hat, investieren können und vor allem wollen. Wen interessiert, was man vor 10 Jahren über den Demografischen Wandel geschrieben hat? Mittlerweile hat man sich weiter entwickelt und würde am liebsten den ganzen Text abändern, weil er so gar nicht mehr der eigenen Meinung (heute) entspricht.

Dann wird immer wieder erwähnt, so auch von den beiden Herren, dass ein ePortfolio oft mit einem Lerntagebuch verwechselt wird. An dieser Stelle hätte ich die beiden gerne gefragt, was denn eigentlich der Unterschied ist? Ein ePortfolio soll zum Reflektieren anregen und die Lernergebnisse festhalten. Macht ein Lerntagebuch nicht das Gleiche? Ich muss zugeben, dass mir noch nicht ganz klar ist, wie man ePortfolios „falsch“ verwenden kann, weil eigentlich benutzt sie doch jeder auf die eigene Art und Weise, oder?!

Visionen nach Feierabend (Ein Interview mit Ulrich Bröckling)

Nachdem ich den Artikel gelesen habe, war mein erster Gedanke: „Burnout!“.

Bildquelle: http://www.stupidedia.org/images/thumb/3/36/BurnOut.JPG/290px-BurnOut.JPG

Ulrich Bröckling schildert in diesem Interview die Anforderungen an einen Angestellten, zum Beispiel im Management. Heutzutage seien die Aufgaben in Projekten organisiert und den Angestellten würde nur das Ziel sowie der zeitliche Rahmen mitgeteilt werden. Das erfordert sehr viel Eigeninitiative und Kreativität.

„Er muss sich verhalten wie ein Unternehmer im Unternehmen.“

(Ulrich Bröckling, 2012)

Mit dem Unterschied, dass es sich nicht um einen Unternehmer sondern um einen Angestellten im Unternehmen handelt. Und hier liegt meiner Meinung nach das Problem. Es wird immer mehr von den Angestellten gefordert und erwartet. Sie sollen Aufgabenbereiche übernehmen, für die früher nur Chefs verantwortlich waren:

„Unternehmer kennzeichnet, dass sie Gewinnchancen erkennen, dass sie Risiken übernehmen und vor allem, dass sie nicht nur ausgetretene Pfade weitergehen.“

(Ulrich Bröckling, 2012)

Das ist eine maximale Belastung für einen Angestellten, für die er noch nicht einmal ausreichend belohnt wird. Wenn man seinen Job behalten möchte, muss man sich dem Geiste der Zeit anpassen und diese Verantwortung übernehmen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen am Arbeitsplatz unter der Belastung zusammenbrechen. Sie können nicht mehr abschalten, auch zuhause werden ständig die E-Mails gecheckt und geschäftliche Telefonate geführt. Das Privatleben leidet, Freunde und Familie werden vernachlässigt, es bleibt keine Zeit mehr für Sport als Ausgleich zum Arbeitsalltag und am Ende wird alles zu viel und man fällt in ein tiefes Loch.

Die Frage ist, welche Aufgaben übernehmen eigentlich die Chefs, wenn ihre Mitarbeiter jetzt ihre Aufgaben erledigen? Auf mich wirkt es immer so, als würden sie die „netten“ Aufgaben erledigen: Kontakte knüpfen und pflegen, Firmenessen, Investitionen tätigen und Repräsentieren. Klar, wahrscheinlich gehört noch viel mehr dazu, aber dennoch müssten doch wenigstens die Gehälter angepasst werden? Wenn man Risiken übernimmt, reichen nicht 500€ brutto mehr, während die Vorgesetzten sich die Tausender auf ihr Konto schaufeln.

Portfolio – ein Medium im Spannungsfeld zwischen Optimierung und Humanisierung des Lernens (Thomas Häcker)

Den oben genannten Artikel von Thomas Häcker fand ich persönlich sehr komplex und anstrengend zu lesen, dennoch möchte ich versuchen hier ein paar Aspekte aufzugreifen.

Zwei Begriffe dominieren in seinem Text: Selbstbestimmung und Selbststeuerung.

Als Selbstbestimmung definiert Häcker die Mitbestimmung im Lernen, inkl. thematisch-inhaltlicher Aspekte. Mit Selbststeuerung meint er die Mitbestimmung im Lernen, bezogen auf regulativ-operative Aspekte. Daraus ergibt sich folgende Grafik:

Bildquelle: Abb. 1: Die Trennlinie zwischen Selbstbestimmung und Selbststeuerung (Thomas Häcker, 2007)

Oben sieht man den inhaltlich, thematisch, zielbezogenen Bereich der Selbstbestimmung. Der Lehrer bestimmt demnach die Inhalte und Ziele, die die Schüler erlernen bzw. erreichen sollen.

Unter dem Bereich der Selbstbestimmung befindet sich die Trennlinie und der regulativ, operative Bereich der Selbststeuerung beginnt. Die Schüler können über Methoden, Medien, Lernort, Lernzeit, Lerntempo, Schwierigkeitsgrad, Lernpartner, Beurteilung und Kriterien, … selbst frei entscheiden.

Diese Freiheit für die Schüler erscheint mir persönlich zu weitreichend. Wenn Schüler eine so große Auswahl an Möglichkeiten und Mitteln haben, führt das leicht zu einer Überforderung. Und wer kennt es nicht? Ein Klausurdatum steht seit 3 Monaten fest. Man hat diese Klausur immer im Hinterkopf und nimmt sich fest vor, dieses Mal früher mit dem Lernen zu beginnen. Eine Woche vorher guckt man in seinen Kalender und plötzlich bleiben nur noch wenige Tage zum Lernen übrig. Brauchen wir nicht alle diesen Druck? Ich persönlich lerne jedenfalls unter Druck am besten und effektivsten – auch wenn ich mich jedes Mal wieder über mich selbst ärgere. Ich frage mich, ob es nicht vielleicht auch ein Stück weit gut ist, dass den Schülern bestimmte Dinge vorgegeben werden. Sich immer entscheiden zu müssen kann nämlich ganz schön anstrengend sein.

Besonders interessant fand ich das Statement eines Schülers zu Portfolios:

„Im Unterricht ist das wie auf einer Bühne, alle sehen her, man steht auf der Bühne und hat oft Angst. Beim Portfolio ist das anders: Man muss sich nicht melden, man kann schreiben, was man will, wenn etwas falsch ist, dann erfährt man das in der Lehrerberatung – das ist nicht so schlimm – als vor der Klasse.“

(Vgl. Thomas Häcker, 2007)

Ich finde, dieser Schüler bringt einen entscheidenden Vorteil von Portfolios auf den Punkt. Gerade für stillere Schüler ist das Portfolio eine hervorragende Möglichkeit sich selbst zu entfalten und das eigene Können unter Beweis zu stellen. Viele Schüler haben im Frontalunterricht Angst sich zu melden und etwas Falsches zu sagen. Sie haben Angst, ihre eigene Meinung mit der Klasse zu teilen. Andere Mitschüler könnten lachen oder ihnen Vorwürfe machen. Diese Schüler haben oft schlechte mündliche Noten, obwohl sie sich mit der jeweiligen Thematik sehr gut auskennen. Meiner Meinung nach lohnt sich allein schon wegen dieser Schüler der Einsatz von Portfolios.

„Die Marke Ich“

Bildquelle: http://internetmarketingexperten.de/wp-content/uploads/2012/02/pb02.jpg

Bei meiner Recherche zu diesem Thema bin ich auf eine Website gestoßen. Hier werden Seminare zum Thema „Human Branding – Die stärkste Marke sind Sie selbst!“ angeboten. Zunächst hört sich das für mich super spannend und positiv an. Man solle herausfinden, wofür man brennt um durch weniger Tun mehr zu erreichen. Nachdem ich mich aber durch ein paar Seiten geklickt habe, waren meine Eindrücke nicht mehr ganz so positiv. Besonders beschäftigten mich folgende Zeilen:

„Im Showgeschäft, in der Politik, im Sport genauso wie im Arbeitsleben und in der Freizeit: Es gewinnt nicht der Beliebteste, der Fleißigste, der mit den meisten Überstunden. Dies in einer Zeit der großen Konkurrenz, in der wir alle uns bemerkbar machen und unsere Vorzüge auf den Punkt bringen müssen, um uns von der Masse abzuheben. Derjenige kommt weiter, der weiß, was er wie und warum tut. Und es uns wissen und spüren lässt. Dieser Mensch hat die starke Basis und die Struktur für all seine Aktivitäten – und für alles, was er getrost einfach weglassen kann.”

(http://www.human-branding.de/seminar/)

 

Aber ist das richtig, dass derjenige im Leben gewinnt, der sich am besten verkaufen kann? Ich muss zugeben, dass ich persönlich sehr genervt von Selbstvermarktung, Human Branding etc. bin. Für mich bedeutet das immer ein Stück weit, die Menschen um sich herum zu manipulieren bzw. etwas darzustellen, was man eigentlich nicht ist.

Die Schule ist eigentlich das beste Beispiel dafür. Schon damals in der 5. Klasse hatten die Leute die besten mündlichen Noten, die sich gut verkaufen konnten. Das waren eigentlich nie die Leute, die viel gelernt oder viel Ahnung von dem jeweiligen Thema hatten. Meistens waren es die Schüler, die einfach gut quatschen konnten und 10 Minuten um das Thema herum erzählt haben. Besonders gute Noten hatten auch immer diejenigen, die einfach nochmal in ihren eigenen Worten zusammengefasst haben, was der Vorredner gesagt hat.

Diese Leute habe ich dann auch in meiner Ausbildungszeit wieder getroffen. Dort haben sie sich hinter ihren Computern versteckt. Da ich eine Ausbildung in einem größeren Außenhandelsunternehmen gemacht habe, war es klar, dass die Mitarbeiter sich dort gut verkaufen können. Sie sind schließlich Händler und wollen sich selbst und die Firma möglichst gut verkaufen. Manchmal hatte ich als Auszubildende nicht besonders viel zu tun und dann habe ich gerne meine Kollegen bei ihrer „Arbeit“ beobachtet. Es gab viele fleißige Angestellte, die kaum eine Pause eingelegt haben – höchstens einmal um sich einen Kaffee zu holen oder schnell etwas zu essen. Aber leider waren es nicht die fleißigen Kollegen, die ständig vom Chef gelobt und für ihre Arbeit belohnt wurden. Nein, es waren die Männer und Frauen, die den Tag mit Surfen im Internet, Privattelefonaten und Small-Talk mit den Kunden verbrachten. Die Arbeit wurde schließlich von den fleißigen Kollegen erledigt.

Schade, dass unsere Welt und unser Arbeitsalltag heute so aussieht. Schade, dass die Menschen, die wirklich Ahnung von etwas haben, es oft nicht so weit bringen, weil sie sich nicht besonders gut selbst vermarkten können. Schade, dass es deshalb so wenig kompetente Politiker gibt. Und schade, dass es so viele Lehrer gibt, die diese „Blender“ nicht erkennen oder erkennen wollen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit dem Zitat von Randi Zuckerberg:

„Deine öffentliche Identität ist deine Marke!“

Dazu kann ich nur sagen: Schade!

Portfolio - Selbsttechnik zwischen Reformpädagogik, Selbstvermarktung und Bildung (Stephan Münte-Goussar)

In seinem Artikel bezieht sich der Autor auf Web 2.0 und Lernen 2.0. ePortfolios sollen und werden das Lernen an Schule und Universität verändern. Die Lernenden würden von der Rolle der Konsumenten in die der Produzenten wechseln und das ePortfolio sei der Dreh- und Angelpunkt dieser Veränderung. So beschreibt Stephan Münte-Goussar diese neue Lernkultur.

Das folgende Video zeigt die Einsatzmöglichkeiten von Web 2.0 sehr gut:

Wenn man Web 1.0 und Web 2.0 vergleicht, sieht man schnell, dass die Entwicklungen von einer Richtung in zwei Richtungen gegangen sind. Web 1.0 war mehr eine Informationsquelle und beschränkte sich auf den Versand von E-Mails und Recherchearbeiten. Web 2.0 wird nicht ohne Grund als “Mit-Mach-Web” bezeichnet. In Zeiten von Facebook und Youtube kann jeder selbst Informationen verbreiten und überall und jederzeit seine Meinung äußern. Unter jedem neuen Musikvideo, das bei Youtube gepostet wird, erscheinen sofort zahlreiche Kommentare. Wenn ich mir manchmal diese Kommentare durchlese, habe ich das Bedürfnis mit dem Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. Klar, oft wird über das Lied bzw. Video an sich diskutiert. Aber oft arten diese Kommentare in einer riesen Diskussion über Gott und die Welt aus. Einige Fans der Band oder des Künstlers können nicht akzeptieren, dass es Leute gibt, denen diese Musik weniger gefällt und werden dann sehr beleidigend. Es ist schön und gut, dass es diese Kommentar Funktion gibt und jeder seine Meinung äußern kann, aber ich frage mich doch jedes Mal, ob die Leute nichts Besseres zu tun haben als sich über solche Kleinigkeiten künstlich aufzuregen.

Man kann Web 2.0 also mit Lernen 2.0 in Verbindung setzen. Ich denke, dass der Einsatz von ePortfolios vielen Jugendlichen das Lernen erleichtern wird. Denn meine oben geschilderten Eindrücke von Youtube zeigen, dass die Jugendlichen Spaß daran haben, sich zu bestimmten Themen (kritisch) zu äußern. Warum sollte man das also nicht ausnutzen? Um Schüler zu erreichen, muss man mit der Zeit gehen. Ein ePortfolio ist wie ein Blog und erinnert an gern genutzte Dienste wie Facebook. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass die Jugendlichen mehr Spaß daran haben, Gelerntes in einem ePortfolio festzuhalten als es stumpf in einem Schulheft zu notieren. Wahrscheinlich werden sie sogar freiwillig die Einträge ihrer Mitschüler lesen und ihre Kommentare dazu abgeben. Und dabei werden sie ganz unbewusst viel mehr Lernen als sie aus jedem Frontalunterricht mitnehmen würden. Für mich selbst habe ich auch festgestellt, dass es mir viel leichter fällt, Artikel für mein ePortfolio zu schreiben als Hausarbeiten zu verfassen. Klar, vielleicht liegt es daran, dass ich hier freier in meiner Schreibweise bin, aber ich denke, dass ich trotzdem mehr aus dieser Form des Lernens herausziehe, als aus dem Schreiben einer Hausarbeit.