Ich muss zugeben, dass ich das Seminar „Techniken des Selbst: ePortfolio“ nur gewählt habe, weil es gut in meinen Stundenplan gepasst hat. Als in der ersten Sitzung gefragt wurde, wer sich denn die Beschreibung des Seminars durchgelesen habe, war es mir schon fast etwas unangenehm, dass ich mich im Vorwege nicht einmal über das Thema informiert habe. Aber so habe ich alles ganz unvoreingenommen auf mich wirken lassen. Und ich muss sagen, alles in allem hat mir das Seminar sehr gefallen. Die Texte waren zum größten Teil sehr angenehm zu lesen und interessant. Wobei ich zugebe, dass ich mich durch Texte mit Themen wie „Neoliberalismus“ eher durchquälen und mich stark konzentrieren muss, dass ich mit meinen Gedanken nicht abschweife. Die Art und Weise wie die Sitzungen gestaltet waren, hat mir gut gefallen. Auch wenn ich selbst nicht viel dazu beitragen konnte, gab es häufig spannende Diskussionen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Da ich es leider nur in den ersten drei Seminarsitzungen geschafft habe, pünktlich einen Artikel zu schreiben und den Rest bis auf die letzte Woche vor „Abgabe“ geschoben habe, habe ich beim Schreiben meines ePortfolios immer wieder an Äußerungen von Kommilitonen gedacht. Das hat mir sehr geholfen, bestimmte Texte zu verstehen.
Vor diesem Seminar hatte ich eigentlich so gut wie gar keine Ahnung von Portfolios. Ich hatte zwar mal eins in meinem Englisch Leistungskurs angelegt, aber ich habe mir damals nie Gedanken über das Portfolio als Unterrichtsmethode gemacht. Damals hat unsere Lehrerin uns einen Zettel ausgeteilt, auf dem stand, wie wir das Portfolio anlegen sollten und das habe ich dann einfach ausgeführt. Jetzt wo ich sehr viel über Portfolioarbeit weiß, habe ich nochmal über ihren Portfoliounterricht nachgedacht und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass sie es perfekt durchdacht und geplant hat. Wahrscheinlich hatte sie auch zuvor eine Weiterbildung zu dem Thema besucht. Leider habe ich vergessen, wie meine Lehrerin unsere Portfolios damals bewertet hat. Ich weiß noch, dass sie es getan hat, aber nach welchen Kriterien ist sie vorgegangen? Dies ist auch der einzige Punkt bzw. meine einzige offen gebliebene Frage die ich aus dem Seminar mitnehme. Wie bewertet man ein ePortfolio? Obwohl wir viel darüber gesprochen und diskutiert haben, ist es mir bis heute nicht klar geworden, wie man eine so individuelle Leistung bewerten soll. Vor allem nicht, wenn ein Lernprozess dargestellt wird. Ist es dann gut, wenn man „schlecht“ beginnt und „hervorragend“ endet? Und wie kann man überhaupt eigene Meinungen bewerten?
Dieses Seminar und die Texte haben mich jedes Mal sehr zum Denken angeregt. Manchmal bin ich in meinen Texten etwas vom eigentlichen Thema abgekommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Thema Portfolio so weit aufblasbar ist. Man kann es in fast jedem Bereich des täglichen Lebens einsetzen und wiederfinden und doch kann es andererseits ganz eng definiert sein. Es fasziniert mich immer wieder, wie lange bestimmte Dinge brauchen, bis sie sich etabliert haben. Wie kann es sein, dass so viel Zeit vergeht bis eine super Unterrichtsmethode wie das ePortfolio im Schul- und Hochschulsektor integriert ist? In Zeiten sozialer Netzwerke wie Facebook warten die Schüler doch nur auf einen modernen Unterricht mit ePortfolios.
Ich werde das ePortfolio jetzt in meinen Kopf packen und es hoffentlich, wenn ich in einigen Jahren selbst unterrichte, wieder auspacken.
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