Nippes als Kleinkunst findet in der höheren Kunst eher selten Beachtung. Reich detaillierte Gemälde mit bedeutungsvollen Attributen mögen Gegenstände weiter Ferne und Zierrat enthalten, diese Dinge können dabei selten als Nippes bzw. Souvenir beschränkt betrachtet werden. Meistens sind die mit verewigten Gegenstände richtige Kleinkunst welche aus keiner Massenproduktion als Dekoartikel für die breite Bevölkerung hergestellt, bzw. auch keine Souvenirs, die einfach als Mitbringsel einer Reise betrachtet werden können. Diesen Gegenständen liegt häufig eine tiefere Bedeutung inne, drücken sie Wohlstand, Charakter, Beruf oder andere Eigenschaften einer Porträtierten Person aus. Der reich ausstaffierte König präsentiert sich mehr in Herrschafts-Insignien und untermauert mit den dekadenten Reichtümern die Philosophie seiner absolutistischen Herrschaftsweise.
Der Zierrat dieser Gemälde ist mit einer repräsentativen Funktion belegt. Das Stillleben lässt sich vielleicht als ein Bindeglied zwischen Kunst und Dekorationsgegenstand betrachten. Es handelt sich noch um keine Massenware, es wird die Ästhetik der Dinge erforscht, damit auch der Fokus auf das Kunsthandwert zur Inszenierung des Objekts neu justiert. Schnell vergängliche Motive wie Lebensmittel, blühende Pflanzen und Schnittblumen halten das Ding in einem bestimmten Zustand fest. Die Künstler hatten bei diesen Werken nicht zwangsläufig religiöse und politische Weltanschauungen zu beachten. Bis Nippes allgemein in die Kunst durfte mussten von den Stillleben der Renaissance weitere Jahrhunderte und Epochen vergehen bis die ersten Readymades Anfang des 20. Jahrhunderts in die Galerien Einzug erhielten. Mit der Pop-Art und Konzeptkunst intensivierten die Auseinandersetzung mit billigem Nippes aus industrieller Massenfertigung, Kitsch als künstlerisches Thema erkannt.
The man has left the moon tonight
He trains some beams upon the face
Of gladys atlas in these woods:
Heads of cabbage-(heads of state)
Öl auf Leinwand, Donald Roller Wilson, 57 3/8 x 69″ 1974
Indirekt wurden Souvenirs Jahrhunderte früher in die Kunst und das Kunsthandwerk aufgenommen. Kunstwerke selbst mögen meist für die Ewigkeit geschaffen sein, diese Ewigkeit kann durch mehrere Umstände beendet werden. Die Ausführung kann sich als nicht besonders langlebig erweisen (hier sei an die mühevolle Restaurierung Leonardos Abendmahls erinnert), im den Nöten der Zeit übersteigt der materielle den künstlerischen Wert eines Objektes (Kunst aus (Edel-)Metallen wurde häufig eingeschmolzen), Vertreter neuer Weltanschauungen ließen die Kunstwerke zerstören (Holocaust und Vernichtung „entarteter Kunst“ in Deutschland, Kulturrevolution in China, Zerstörung der Buddhastatuen durch Taliban in Afghanistan, Goldraub der Konquistadoren in Südamerika), Gebäudebrände und Naturkatastrophen (Brand der Weimarer Bibliothek, des Altonaer Museums), usw. Diese Liste ließe sich weiter führen, es mag viele Gründe geben wie Kunstwerke untergehen können. Mit dem Nippes werden Eindrücke eines Werkes zu seinen Glanzzeiten festgehalten und gestreut. Diese Objekte können ihre Vorbilder überleben. Die Gräber ägyptischer Pharaonen wurden von Europäern geplündert, die Grabbeigaben als Souvenirs nach Europa gebracht. Infolge hat sich das Bild der antiken Pharaonen und ihrer Welt in Europa gewandelt, ein Stil ist nach Jahrtausenden wiedererwacht (XXXX Foto von Kommode XXXXX).
Reisesouvenirs können, als allgemein bedeutungslose Sammelobjekte, außerhalb der Gefahrenzone die Bilderstürme auf ihre Vorbilder bei Zeiten überleben. Künstlern an andern Orten oder auch bei einer Rückreise in ihre Herkunftsgegenden ein Eindrücke des verschollenen Originals und damit stellvertretend Inspiration geben.