Souvenir, Heiligtum und Karikatur

Kleine Mitbringsel von anderen Orten ohne weiteren Nutzen außer dem Selbstzweck des Existierens und betrachtet werden. Souvenirs bilden damit eine Unterkategorie vom Nippes, und „im Bereich des Kitschigen das [zweifellos] Allerkitschigste“ (siehe Richter, G. „Kitsch-Lexicon von A bis Z“, Wien, Bertelsmann Lexicon-Verlag, 1972 S.32).
Materiell können Souvenirs Touristennippes oder ein natürlich vorkommende Dinge des Landes sein. Reisende suchen sich Gegenstände und nehmen die Zweckbestimmung zum Souvenir teilweise selber vor. Dabei ist das Souvenir nicht zwangsläufig dem Nippes, als funktionsloser Dekorationsgegenstand, unterworfen. Woher rührt das Klischee kleptomanischer Urlauber, die alles einstecken was sie in die Finger kriegen, Handtücher aus Hotels und Essbesteck von Airlines? Ein Reisender erfährt das Land anders als die Einheimischen, Gebrauchsgegenstände können für sie einen anderen, ideellen Wert erlangen als nur den Nutzaspekt.
Dem Touristen muss nicht vorgegeben werden, was ein Erinnerungsstück sein kann, sie entscheiden selbst was ein Erinnerungsträger im Sinne eines Souvenirs sein könnte.
Tourismus lässt sich bereits in der Antike nachweisen, hauptsächlich als Bildungsreisen von Bürgern der Oberschicht, hier dürfte die Menge Potentieller Touristen im römischen Imperium nie über 1 Mio. Bürger gewesen sein, und Pilgern.
Diese Reisen von sehr spiritueller Natur brachten, vielleicht angestoßen durch die Götzenanbetung, religiöse Souvenirs hervor, Devotionalien und Votive. Eine Devotionalie ist ein religiöses Andachtsstück, ein Votiv dagegen ein einer Gottheit geweihtes Objekt. Diese heiligen Votive genießen einen weitaus höheren Stellenwert als einfache Souvenirs. Der Gegenstand wurde zum Träger eines Geistes, die in Materie gebundene Aura konnte von den Pilgern weitergeführt werden und ihnen selbst oder deren Mitmenschen daheim nach der Reise wieder ein Stück der Ferne wiedergeben.
Souvenirs aus einer Serienproduktion, wie es schon in der Antike erschien, sind für sich genommen keine Kunstwerke, lediglich Abbilder.

Der Anspruch an Authentizität, Güte und Sorgfalt für das einzelne Stück variiert seit jeher immens. Zyniker könnten behaupten solche Souvenirs seien lediglich Karikaturen der Vorbilder, ihnen schließlich sogar Imagebeschädigung vorwerfen. Zwischen Souvenir und Original lassen sich dagegen symbiotische Beziehungen aufzeigen.
Die Souvenirs profitieren vom Ansehen und Bekanntheit des Originals, daher werden alle, die mit Souvenirs Profit machen wollen, sich auch um den Erhalt und der Pflege des Originals mühen. Die Andenkenstücke selber üben eine Werbefunktion aus, ihr Vorbild wird, wenn auch in verfälschter Form, massenweise exportiert und steigert die Bekanntheit. Letztlich tragen Souvenirs nicht nur zur aktuellen Bekanntheit eines Objektes bei, sondern auch für die Nachhaltigkeit. Neuzeitliche Ausgrabungen brachten in den entlegensten Ecken des ehemaligen Römischen Imperiums einander ähnelnde Statuetten hervor, welche vermutlich als Souvenir oder Devotionalien einer nackten Venus mit Sandale zum Original angefertigt wurden. Heute ist nicht bekannt ob das Vorbild noch erhalten ist, die kitschigen Abbilder aber lassen heute ihre Existenz erahnen.

Dieser Beitrag wurde unter Souvenirs – Blank abgelegt am von anne-f.

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