Design ist eine Fachrichtung, die zum einem das Handwerk und zum anderen die Kunst tangiert. Bei der der Herstellung von Produkten spielt Design eine tragende Rolle und entscheidet ob es Gebrauchs- oder Luxusgüter herstellt. Gert Selle beschreibt Design als Folge jener umgreifenden Prozesse der Industrialisierung denn mit dieser „beginnt die moderne Produktionsweise eine neue und eigne Ästhetik zu entfalten“ (Selle 1987:19). Die Industrialisierung führte zu einer neuen Selbstwahrnehmung der Menschen und zu experimentellen Umgängen mit den technischen Möglichkeiten.
In Deutschland beginnt die Industrialisierung in den 30er Jahren des 19. Jahrhundert mit dem Eisenbahnbau sowie dem Ausbau des Bergbaus. In den 50er Jahren stieg die Nachfrage nach Konsumgütern enorm. In der Phase der Hochindustrialisierung zogen die Familien ihre Arbeit „hinterher“ und bildeten sogenannte Verdichtungszonen um Orte mit hohem Rohstoffvorkommen oder Fabriken.
Vor dem Industrialisierungsprozess waren die Dinge Antworten auf gesellschaftliche Funktionen und den ritualisierten Gebrauch (z.B. bei der Nahrungszubereitung in der Küche), sie standen im Einklang mit den Bedürfnissen und mussten diese nicht erst schaffen (Selle 1987:21). „Für die industrielle Wahrnehmung werden gegenstandgebundene Funktionen und Gestaltzusammenhänge bedeutsam, die es vorher nicht gegeben hat und die sich von der alten Weise des sozialen Miteinanders abkoppeln“ (Selle 1987:21). Es findet also einerseits eine Erleichterung durch differenzierte Werkzeuge statt, anderseits bringt es ebenso einer Entfremdung von der manuell, sinnlichen Erfahrung mit Dingen bis hin zu einer Abhängigkeit von der Maschine mit sich. Mit dem Ende des 19.Jahrhunderts wird die Erscheinungsweise der Dinge immer mächtiger als auch das losgelöste Ding an sich. So verlangt das Ding moderne Funktion und Bedeutung zugleich. Dekoration kann demnach als Statement beschrieben werden, die Auswahl der Dinge stellt ein Teil der persönlichen Vorlieben bzw. eine individuelle Wertschätzung dieser dar.
Mit der industriellen Produktkultur tritt der Designer als Beruf auf. Zunächst findet eine Zuneigung der industriell hergestellten Produkte statt, die durch den demonstrativen Gebrauch dieser Dinge sowie Inszenierungen von Interieur und Exterieur gezeichnete sind. Die Gesellschaft, welche durch industrielle Unternehmen reich geworden ist zeigt sich gerne und hat das Bedürfnis nach kultureller Identifikation und sozialästhetischer Repräsentanz.
Dem entgegen wirken, sollte die ästhetische Unordnung des Jugendstils. Die Wertschätzung kunsthandwerklicher Einzelerzeugnisse wurde proklamiert ebenso wie das Design für jedermann. Dies meint also die Gestaltung des Alltäglichen und schließt mit dem Totalanspruch ein, alles designen zu können. Ziel ist „die Durchdringung des komfortablen bürgerlichen Daseins mit Kunst auf einer hohen Stufe der Materialbeherrschung, formalen Schlüssigkeit und dekorativen Reife“ (Selle 1987:87). Die Künstler arbeiten auf Honorarbasis und entwickeln eigene Serien, werden zu Musterzeichnern. Die Werksattunternehmen sind dennoch hierarchisch organisiert und somit der wirtschaftlichen Gesellschaft unterworfen.
Das Bauhaus wollt eine angenehme Verbindung zwischen Industrie und Kunst schaffen und stellte sich dazu Fragen wie: „Ist die industrielle Umwelt zu einem Ausdruck der zugleich befreiten wie in sozialen Bezüge eingebundenen Produktivkräfte zu machen?“ oder „Ist die Industriekultur mit den Mitteln der Gestaltung gestaltbar?“ (Selle 1987:144). Die Bauhausschule vereinte hierzu Werkmeister und Künstler als Ausbilder um neue Formen mittels industrieller Möglichkeiten zu entwickeln. Der De Stijl ging sogar so weit zu sagen, dass die Kunst ebenso wie die Wissenschaft und die Technik eine Organisationsmethode des allgemeinen Lebens ist (Selle 1987:150). Daraus erschließt sich die Stilisierung des Alltags nach ästhetischen Prinzipien und das Design von Arbeitsgegenständen. Dies führte wiederum zu der Forderung so billig und so viel wie möglich für den Volksbedarf zu gestalten. Lehrbegriffe wie Sachlichkeit und Elastizität entwickelten sich. Während das Bauhaus sich für eine moderne Sachlichkeit sowie der Wahrnehmung des Zwecks der Dinge ausspricht, versucht Art Déco ein traditionsgebundenes Design zu entwickeln und sich auf die sozialgeschichtliche verankerte Gebrauchssituation und die private Lebenssphäre zu besinnen (Selle 1987:193). Die faktische und sie symbolische Gewalt von Design wird deutlich, welche zu einer leiblichen Unterwerfung des Gebrauchers führt. So zwingt z.B. der Stuhl, je nach Design, den Benutzer eine entsprechenden Sitzposition ein zunehmen.
Mit dem Wiederaufbau folgte eine Welle der Konsumfaszination und des Warenreichtums durch materialisierte Glücksversprechen. In den 50er Jahre gelangen durch die Erfindung des Plastiks vielseitige Verarbeitungsmöglichkeiten. „Bei zunehmender Quantität und Komplexität alltäglicher Gebrauchs- und Dekorationsformen beginnt die quasi immaterielle, neutrale Struktur des Plastik-Materials im Alltag wahrnehmungsbestimmend zu werden“ (Selle 1987:258). Die Anschaffung und Dekoration mit Automarken oder Mobiliar wird als gesellschaftliches Statement genutzt und lässt alten Sozialstrukturen durchscheinen.
Der Ulmer Funktionalismus agiert als Nachfolger des Bauhaus mit einer noch stärkeren Sachlichkeit und Betonung auf den Gebrauchswert von Dingen als Ausdruck von Effektivität. Das „Systemdesign“ schafft zweckmäßig vereinfachte Dinge, welche nach der Logik der rationalen Fertigung beschaffen sind und als Arbeitserleichterung fungieren.
Quellen: Selle, Gert (1987): Design-Geschichte in Deutschland. Köln: DuMont Verlag.
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